Seit über 25 Jahren ist Dorothea Köhler Schwester im Franziskanerinnenorden. Letztes Jahr feierte die Leiterin der Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung Konradshof in Vierzehnheiligen ihr 25. Professjubiläum Für sie bedeutet ihre Berufung vor allem, sich für andere Menschen einzusetzen. "Der soziale Aspekt war mir total wichtig", sagt sie.

Wie kam sie zu der Entscheidung, Ordensschwester zu werden? Schwester Dorothea hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, hatte einen großen Freundeskreis, fuhr gerne Motorrad und wurde nicht streng katholisch erzogen.

Überraschung im Umfeld

"Es war schon so, dass es in meinem Lebensumfeld ungewöhnlich war, dass ich ins Kloster gehe", erzählt sie von früher. Einen direkten Widerstand habe es nicht gegeben, der habe sich eher in der Überraschung ausgedrückt, mit der man auf ihre Entscheidung reagiert hat.

Ihre Bekannten und die Familie konnten sich nicht vorstellen, dass sie diesen Weg einschlagen würde. Fragen standen im Raum, Fragen, die Schwester Dorothea sich auch selbst gestellt hat: "Ich bin meiner inneren Sehnsucht gefolgt, eine Lebensform zu wählen, in der meine Gottesbeziehung an erster Stelle steht."

Mit Anfang 20 hat sie ihren Urlaub häufig in einem kontemplativen Benediktinerinnen-Kloster verbracht. Kurz davor war ihr das Buch "Ich hörte auf die Stille" von Henri J. M. Nouwen in die Hände gefallen, der darin seine Erfahrungen in einem Trappisten-Kloster beschreibt.

Manches zog sie in Zweifel

Die Radikalität der Lebensform, so erzählt Schwester Dorothea heute, habe sie angezogen. Allerdings habe ihr der Mut gefehlt, diesen Weg weiterzugehen.

Manches zog sie in Zweifel, die Notwendigkeit, im Kloster Freunde und Familie aufzugeben, ihre Motivation und nicht zuletzt ihren Glauben selbst, der sich weniger an einer traditionellen Frömmigkeit orientierte.

"Gleichzeitig habe ich meinen Wunsch auch kritisch hinterfragt", berichtet sie. Müsste sie nicht katholischer sozialisiert worden sein, um in einen Orden einzutreten? Nicht frommer sein?

Diesen Fragen ging sie auch mit geistlichem Beistand nach, stellte sie aber auch vor allem sich selbst - mit allem Mut, den eine Offenheit vor sich selbst braucht.

Denn sie weiß, wenn man jung ist, sucht man das Besondere - und was könnte, damals wie heute, ausgefallener sein, als in einen Orden einzutreten?

"Ich habe lange gebraucht, den Mut zu finden und es zu wagen", sagt sie. Klar war für sie aber auch, dass sie sich weiterhin um ihre Familie kümmern will und ihren Freundeskreis behalten. Aus den Fragen erwuchsen die Antworten, die ihr der Orden anbot: die Naturverbundenheit, die Geschwisterlichkeit, die Bewahrung der Schöpfung.

Denn es sei so, erklärt die Schwester den nicht unbedeutenden Unterschied zwischen Ordensschwestern und Nonnen, dass die Franziskanerinnen Gott in der Welt suchen, während Frauen anderer Orden Gott im Kloster suchten.

Mutig den offenen Fragen gestellt

"Wenn man jung ist, gehört es dazu, dass man Antworten auf Fragen will", blickt sie heute etwas abgeklärter zurück: "Man muss die Fragen leben und nicht auf Antworten hoffen."

War ihr Wunsch, in den Orden einzutreten, also echt oder eine Flucht vor der Welt? "Ich habe darauf keine Antwort bekommen." Stattdessen hat sie einfach angefangen - sich den offenen Fragen mutig gestellt.

Fragt man sie aber nach ihrem Mut, mag sie sich ungern selbst als Beispiel nehmen. Vielleicht auch, weil sie um die Mehrdeutigkeit der Menschen weiß, die nie nur mutig sind. Ihr fallen Frauen an der Basis auf anderen Kontinenten ein, in Indien etwa, wo ihre Glaubensschwestern verfolgt werden.

In Deutschland, meint Schwester Dorothea, falle man doch immer weich. "Ich erlebe, dass in Oberfranken die Ordensleute noch sehr geschätzt sind." Braucht es dann überhaupt Mut und Courage, fragt sie, wenn das Handeln Anerkennung erfährt?

Mut hingegen hätten sie in Vierzehnheiligen aber damals bewiesen, als es um die Gründung der Mutter-/Vater-Kind-Einrichtung ging. Die Infrastruktur sei nicht gut und der Bedarf nicht gegeben, war die Kritik. Das Projekt hätte scheitern können, gibt sie zu und meint, dass Mut immer dann ins Spiel komme, wenn man etwas aufs Spiel setze, wenn man etwas verlieren könne.

Die Ambivalenz des Mutes

So erzählt sie von Märtyrern in der Bibel, die zwar Mut bewiesen hätten, für ihren Glauben zu sterben.

Doch hätten, gibt Schwester Dorothea zu bedenken, die Märtyrer vielleicht an einen besseren Platz im Himmel gedacht. Spannend ist für sie die Frage: Für wen oder was gebe ich mein Leben hin?

Vielleicht lässt sie diese Ambivalenz des Menschen, die sich auch in den mutigen Aktionen zeigt, so zurückhaltend sein, wenn es um sie selbst geht.

Dabei bedarf es nicht wenig Mut und auch Lebenserfahrung, die Offenheit der Fragen, die einem das Leben stellt, zuzulassen. Daran hat sich für Schwester Dorothea bis heute nichts geändert.