Es gibt sie noch, die eleganten Tanzveranstaltungen mit gepflegter Tanzmusik, gern auch für die älteren Semester. Während andernorts die Veranstalter längst die Segel gestrichen haben, zaubert das Tanzcenter Deuber jedes Jahr aufs Neue den Glanz des Schwarz-Weiß-Balls auf die kahlen Jurahöhen. Doch auch dort ist der Wind rauer geworden.
Es erfordert schon eine straffe Kalkulation, um das gesellschaftliche Großereignis für den östlichen Landkreis am Leben zu erhalten. Schließlich soll den Gästen, schon aus der Tradition des Hauses Deuber heraus, einiges geboten werden, ohne beim Eintrittspreis den Rahmen von 50 Euro zu sprengen. Die festlichen Zutaten sind seit Jahrzehnten die gleichen.
Ein perlender Empfangsdrink, gepflegte Tanzmusik, Schlemmen in Traumschiff-Atmosphäre, der Auftritt einer Showtanzgruppe und last but not least der Stargast des Abends sowie ein Funken sprühendes Eisbuffet sorgen für Abwechslung. Das alles hat dem Haus zu einem Stammpublikum verholfen, wie bei der Begrüßung durch Alfons Deuber deutlich wurde.
Stark vertreten war diesmal die politische Prominenz mit den Bürgermeistern Udo Dauer, dessen Stellvertreterin Gabi Huber (Weismain) sowie den Amtskollegen Georg Vonbrunn (Altenkunstadt) und Ludwig Göhl (Stadelhofen). Traditionell gehörten auch Vertreter der regionalen Geschäftswelt und der Polizei zu den Gästen. Es ist wie eine große Familie, die aber gerne auch neue Mitglieder aufnimmt. Jüngeres Publikum vermisst man bei derartigen Veranstaltungen allerdings eher.
Schlemmen und Genießen heißt die Devise. Sichtliches Vergnügen bereitet Bürgermeister Udo Dauer der Eröffnungswalzer mit Hausherrin Wilma, während in den tieferen Räumen bereits die Gourmets ihre kundigen Blicke über allerlei Meeresgetier, Fischspezialitäten, Rehrücken und Gänsebrust schweifen lassen.
Damit kann sie beginnen, die Schlacht am kalten und warmen Büfett, das Chefkoch Rühr mit seiner Mannschaft für diesen Abend gezaubert hat. Es drängt sich der Verdacht auf, dass mancher der weniger tanzbegeisterten Herren vor allem wegen der kulinarischen Köstlichkeiten seine Gattin gern zum Schwarz-Weiß-Ball begleitet...
In einer der Tanzpausen hat die Showtanzgruppe des Ballettstudios Diroll aus Lichtenfels einen gelungenen Auftritt: Die sportlichen jungen Damen lassen zu irischer Musik die Füße fliegen. Früher als sonst entert auch der Stargast des Abends, der bekannte Schlagersänger Tony Marshall, die Bühne, will er doch noch in der gleichen Nacht in seine Geburtsstadt Baden-Baden zurück. Unverrückbar wie ein Fels steht er auf der Bühne, und genauso felsenfest klingt seine Stimme - hat er doch eine klassische Gesangsausbildung. Doch das Repertoire ist alles andere als klassisch. Es sind die Erfolgshits und Gassenhauer, mit denen er beim Publikum punktet. Noch nie war er, nach eigenen Worten, dem Himmel so nah, wie hier in Modschiedel. Nicht erst bei "Rot, rot, rot sind die Rosen" kommt echte Karnevalsstimmung auf, und als "Welturaufführung" initiiert er zu so tiefsinnigen Reimen wie "Es läuft ein Yeti durch die Serengenti..." eine Polonaise durch den Saal. Wilhelm Buschs Weisheit "Rotwein ist für alte Knaben eine von den besten Gaben unterstreicht er mit einem Glas Rotwein, das er auf einen Zug leert, um sich und seine schunkelnden Zuhörer in die richtige Stimmung zu versetzen für sein "Rhein-Main-Lieder-Medley."
Gern wildert er auch bei seinem Freund Tom Jones ("Green, green Gras of Home"), und Hits wie "Sierra Madre", "Macarena" und "Mambo Nr. 5" runden das fetzige Stimmungsbild ab. Da fehlen dann nur noch das "Na na na na na" von "Live is life" und die Zugaberufe eines begeisterten Publikums.