Am 17. Dezember 1905 wurde die katholische Filialkirche St. Heinrich und Kunigunda in Schney geweiht. Eine längere Baugeschichte war dem feierlichen Akt vorausgegangen. Die katholischen Einwohner von Schney, erst 1816 der Pfarrei Lichtenfels zugewiesen, galten als kirchenfern.

Dekan Daniel Munsch beabsichtigte, gleichsam als Hilfsmittel hiergegen, ein katholisches Gotteshaus im Dorf zu errichten. Der gebürtige Forchheimer wirkte seit 1897 als Stadtpfarrer in Lichtenfels. Am 10. Mai 1901 veröffentlichte Munsch einen Aufruf, die Gläubigen sollten Geld für den Schneyer Kirchenbau spenden, und tatsächlich gaben mehrere Lichtenfelser ansehnliche Beträge. Auch der Bamberger Erzbischof versagte seine Hilfe nicht.

Witwe stellt den Bauantrag

Wohl Anfang 1902 erwarb der Pfarrer das nötige Baugrundstück von dem Schneyer Ziegeleibesitzer Christian Dörfler und seine Frau Pauline, einer Tochter des evangelischen Lichtenfelser Bauunternehmers Friedrich Stenglein. Sie wohnten neben der späteren Kapelle; ihre Villa ist zur Ruine verfallen und vor etwa einem Jahrzehnt abgebrochen worden. Am 8. April 1902 wurde der Bauplan beim Bezirksamt Lichtenfels eingereicht. Diesen Antrag stellte allerdings nicht der Pfarrer, sondern Franziska von Narciß, die damals zur Miete in der Bellevue wohnte und die wohl den größten Teil der Baukosten trug. Diese verwitwete Frau war erst 1900 mit ihrem Sohn, dem Bezirksamtsassessor Heinrich Narciß, nach Schney gekommen. Der zuvor verstorbene Mann der Kirchenstifterin, Georg Ritter von Narciß, hatte sich in der bayerischen Armee bis zum Oberst hochgedient, war wegen seiner Tapferkeit im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 mit dem persönlichen, also nicht vererblichen Adel ausgezeichnet worden und hatte im Ruhestand den Rang eines Generalmajors erlangt. Sein verstorbener Schwager hatte es bis zum Generalstabschef der bayerischen Armee gebracht. Die Familie Narciß wohnte bis Ende 1905 in Schney. Dann trat Heinrich Narciß in den deutschen Kolonialdienst; 1906 ging er nach Windhuk im damaligen Deutsch-Südwestafrika.

Pläne vom Wanderzeichenlehrer

Die Pläne für die Kirche in Schney entwarf Friedrich Lehner, ein Lehrer der Korbfachschule. Der gebürtige Münchner wirkte seit 1897 als Wanderzeichenlehrer für Korbmacher in Lichtenfels. Er blieb bis 1924 im Amt und übersiedelte 1929 in seine Heimatstadt. Als der Bauplan am 18. Juni 1902 genehmigt war, wurden die Bauhandwerker beauftragt: der Maurermeister Michael Och und der Zimmermeister Karl Meidel, beide aus Lichtenfels.

Zur Jahresmitte begannen die Bauarbeiten. Am 24. Juli 1902 legte Dekan Munsch den Grundstein, ohne große Feierlichkeit, lediglich in Gegenwart einiger Damen, darunter gewiss die Generalswitwe von Narciß. Der Bau schritt rasch voran: Im Oktober 1902 war der Rohbau abgeschlossen. Am 13. Januar 1903 meldete Baumeister Och dem Bezirksamt, die Kapelle sei "unter Dach u. größtentheils verputzt"; allerdings fehlten noch "Fußboden & Decke sowie Thüren". Ein Vierteljahr später berichtete er, "daß die Kapelle bis zum Tünchen fertig ist".

Der Altar - die Arbeit der Bamberger Kunstwerkstätte Dorsch - war schon aufgestellt, da zeigte sich, dass die Kirche nicht genügend ausgetrocknet war. Im Herbst 1904 musste der Altar "wiederum abgebrochen werden". An eine Weihe war noch nicht zu denken. Es dauerte bis in den Advent des Jahres 1905, dass die Kirche ihrer Bestimmung übergeben werden konnte. Bis dahin war sie weitgehend ausgestattet: Der Lichtenfelser Malermeister Dechant hatte "Wandverzierungen und Teppichmuster" geschaffen, die Bamberger Glasmalerei Schmitt die "farbensprühenden Glasfenster im Chor", die Bamberger Gießhütte Lotter die beiden Glocken für den Dachreiter. Ein Harmonium kaufte man dem Kirchenbauverein Schwürbitz ab, und 1906 lieferte der Bamberger Buchhändler Matthäus Metzner den fehlenden Kreuzweg.

Zur Weihe ein Gedicht

Während der Bauzeit war Dekan Munsch zum November 1904 als Stadtpfarrer von St. Martin nach Bamberg berufen worden. In Lichtenfels folgte ihm Philipp von Harttung nach. Der literarisch ambitionierte Geistliche verfasste zur Weihe der Schneyer Kirche am dritten Advent des Jahres 1905 ein längeres Gedicht. Den Weiheakt selbst vollzog der Initiator des Kirchenbaus, Daniel Munsch. Als Besonderheit erwähnt der damalige Zeitungsartikel, dass der evangelische Pfarrer von Schney teilgenommen habe, "sobald er nach Schluß seines Pfarrgottesdienstes abkömmlich geworden" war. Ein "Gabelfrühstück" bei Familie Narciß in der Bellevue schloss den feierlichen Vormittag. Rund 27 600 Mark kostete der Kirchenbau, mehr als das Zehnfache dessen, was ein Volksschullehrer im Jahr verdiente. Zum Zeitpunkt der Weihe waren hiervon noch 2000 Mark ungedeckt, die bald durch Spenden ausgeglichen werden konnten. Schon seit August 1905 hatte sich die Frage erhoben, wer zukünftig Eigentümer der Kirche sein solle. Damals war noch Daniel Munsch persönlich ins Grundbuch eingetragen. Er wollte den Bau den Katholiken von Schney schenken. Doch dazu mussten diese erst einmal eine eigene Kirchengemeinde bilden, die dann Empfängerin der Schenkung geworden wäre. Am 30. September 1905 lud auf Geheiß des Bezirksamts die Gemeinde Schney alle "volljährigen und selbständigen katholischen Einwohner" vor und legte ihnen die Frage vor, ob sie "mit der Bildung einer katholischen Kirchengemeinde einverstanden" seien. 42 Personen wurden gehört, von denen 32 mit Nein votierten. Wegen eines Formfehlers musste die Prozedur wiederholt werden. 26 Katholiken erschienen am 15. Oktober 1905 im Schulhaus, und erneut sprach sich eine klare Mehrheit von 22 gegen den Plan des einstigen Pfarrers aus.

In ihrer Begründung zeigt sich, dass der Kirchenbau nur von wenigen Schneyer Katholiken wirklich gewünscht war. Bei späterer Gelegenheit schrieb das Bezirksamt Lichtenfels, der Bau sei "nicht aus einem von der katholischen Bevölkerung empfundenen Bedürfnisse heraus erfolgt".

Angst vor hohen Kosten

Die Majorität der Schneyer Katholiken verwies darauf, dass man diese Kirche nicht gebraucht habe, "da die Entfernung von Schney nach Lichtenfels [...] nur gering und die Verbindung eine gute ist". Außerdem fürchtete sie die "entstehenden hohen Kosten, die die meist minder bemittelten Beteiligten nicht aufbringen könnten". Immerhin waren damals noch 2000 Mark offen. Pfarrer von Harttung wollte sich mit dem Ergebnis nicht zufriedengeben. Er legte sich ins Zeug, um seine Schneyer Pfarrkinder noch umzustimmen. Nach langem Hin und Her gewannen doch die ablehnenden Kräfte die Oberhand. Schließlich, im August 1906, musste das Bezirksamt Lichtenfels feststellen, "daß unter den [...] Katholiken der Gemeinde Schney ein eigentliches Interesse für die Schaffung einer Filialkirchengemeinde daselbst nicht vorhanden ist". Es übernahm deshalb, wie schon im November 1905 ins Auge gefasst, die Kirchenstiftung Lichtenfels das Eigentum an der Schneyer Kirche. Anfang 1907 wurde dies notariell verbrieft. 1968 wurde das Kirchlein St. Heinrich und Kunigunda grundlegend renoviert, nicht unbedingt zu seinem Vorteil. Ihr heutiges Gesicht hat es durch eine erneute Renovierung in den 1990er Jahren erhalten.