Es ist nicht ihr erster Besuch in Bad Staffelstein. "Die stärksten Ringer Deutschlands besuchen die stärkste Thermalsole Bayerns", hat Leipold den Besuch bei Marketingleiterin Diana Geißendorfer angekündigt. "Ein Superspruch", fand Geißendorfer, der ihr "Marketingherz" ins Schwarze traf. Ein Spruch, der beim Besuch am Samstagnachmittag auch auf einen Banner zu lesen ist. Nach der offiziellen Begrüßung und dem obligatorischen Pressebild verschwinden die Ringer schnell im Badebereich der Therme.
"Auf dem Programm stehen Spaß, Relaxen und die Kompensation des Trainings", erklärt der Physiotherapeut der Nationalmannschaft, Bastian Marks. Noch bis Donnerstag befindet sich die Mannschaft im Trainingslager in Aschaffenburg.
Während die Mannschaft in der Therme relaxt, nimmt sich Bundestrainer Alexander Leipold Zeit für ein Gespräch. "Wie steht es heute um den Ringkampfsport?", lautet die erste Frage.
Von 1990 bis 2000 hat Deutschland über eine sehr erfolgreiche Nationalmannschaft verfügt, erklärt Leipold. "So stark, dass der Nachwuchs damals kaum eine Chance hatte". Für viele Nachwuchsringer stellte sich damals die Frage, kämpfe ich in der dritten oder vierten Reihe oder kümmere ich mich lieber um meinen Beruf. Die letzten Jahre gehörten der Nachwuchsarbeit. Mittlerweile verfügt die Nationalmannschaft in fast allen Gewichtsklassen über gute Ringer. "Die einfach noch ein bisschen Zeit brauchen".

Europameisterschaft in Belgrad


Ihren Leistungshöhepunkt erreichen Ringer in der Regel zwischen 25 und 28 Jahren. Dennoch sieht Bundestrainer Alexander Leipold gute Chancen, "auf den Zug Olympische Spiele aufzuspringen". Aktuell trainieren die Ringer für die Europameisterschaft, die Anfang März in Belgrad stattfindet. Wenige Wochen später dann das erste Qualifikationsturnier für die olympischen Spiele in Sofia (Bulgarien). Weitere Qualifikationsturniere finden in jeweils siebentägigen Abstand in China und Finnland statt.
Die Konkurrenz ist stark, aber die Ringer haben in Aschaffenburg intensiv trainiert. Und Leipold schätzt die Chancen gut ein. Der freie Tag wird in der Obermain Therme zur Regeneration genutzt. Zur Zukunft des Ringkampfsports befragt,, macht der Bundestrainer deutlich, dass die Gewinnung des Nachwuchses heute nicht mehr ganz einfach sei. "Es gibt nur eine bestimmte Anzahl von jungen Leuten, die überhaupt in den Leistungssport wollen". Gerade das G8 lasse kaum Zeit für intensives Training. Früher genügte ein guter Realschulabschluss für eine berufliche Karriere, heute muss es schon ein gutes Abitur sein.
Zudem gibt er zu bedenken, dass es eine Reihe von Nationen gibt, wo Ringen eine Hauptsportart ist, wie beispielsweise in Russland, Kuba oder die USA. In Deutschland dagegen ließe sich ein Studium kaum mit dem Sport verbinden. Auch Arbeitgeber seien kaum dazu bereit, Mitarbeiter für Trainingslager und Wettkämpfe freizustellen. "Kein Arbeitgeber wartet fünf Jahre auf einen Sportler". Dabei sei Ringen eine schöne Sportart, die zu Unrecht als Randsportart in der öffentlichen Wahrnehmung stehe.
Ringen sei das, was schon Kinder machen, nämlich ein Kräftemessen mit Anderen. Für Leipold, der selbst eine erfolgreiche Karriere hinter sich hat, ist Ringen eine Art "Schach auf der Matte", da man sich für den nächsten Schritt eine Strategie zurechtlegen muss. "Eine Strategie wie ein Schachweltmeister".
Gute Chancen sieht der Bundestrainer für den verletzten Burgkunstadter Ringer Christian Maier. "Er ist sehr engagiert". Allerdings fehlte es ihm hier an geeigneten Trainingspartnern. Der Bundestrainer zeigt sich davon überzeugt, dass Maier bei der Deutschen Meisterschaft Anfang März dabei sein wird.