Mit dem Jura-Solarpark wurde am Freitag nach mehr als zweijähriger Planungs- und Bauphase die bundesweit größte Freiflächenphotovoltaikanlage entlang einer Autobahn ihrer Bestimmung übergeben. Lobende Worten kamen von Rednern aus der Politik, die mehrmals die "Wertschöpfung für die Region" unterstrichen - wozu auch der zünftige Rahmen der Einweihungsfeier passte.

Während sich draußen der Ochs am Spieß drehte und nachdem das von der Blaskapelle Uetzing angestimmte Oberfrankenlied verklungen war, zeigte sich IBC-Solar-Gründer und Vorstandsvorsitzender Udo Möhrstedt erfreut vom guten Besuch im eigens für das "Sonnenfest" am Fesselsdorfer Solarpark-Teilbereich aufgestellten Festzelt. Unter den mehr als 300 Anwesenden befanden sich neben zahlreichen Bürgern auch die Vertreter der drei Landkreise (Lichtenfels, Kulmbach, Bamberg) und der vier Kommunen (Weismain, Thurnau, Wonsees, Stadelhofen), auf deren Gebiet der Jurasolarpark steht.

Einvernehmen mit Kommunen


Einleitend erinnerte Möhrstedt an den Spatenstich durch Ministerpräsident Horst Seehofer am 11. Juni 2011. Seitdem konnten binnen etwas mehr als einem Jahr "33 Megawatt Peak entlang der A 70 auf den Weg gebracht" werden. Verbunden mit dem Dank an die Grundstückbesitzer räumte der Unternehmer ein, dass "nicht alles ganz reibungslos gelaufen ist". Letztlich sei es aber gelungen, im Einvernehmen mit allen beteiligten Städten und Gemeinden einen Solarpark zu realisieren, "der seinesgleichen in Bayern nicht noch einmal hat".
Dieser Einschätzung stimmte auch der Ehrengast der Einweihung zu: Wie die Staatsekretärin für Umwelt und Gesundheit, Melanie Huml, betonte, stellen die Flächen nicht nur den landesweit größten Bürgersolarparkverbund dar. Für sie sei der Jurasolarpark darüber hinaus "Ausdruck gelebter Energiewende", wo Landkreise, Anlieger und ein starker Partner aus der Region an einem Strang zögen.

Ist Solarstrom teurer oder nicht?


Ähnlich äußerte sich Landtagsabgeordnete Ulrike Gote (Grüne), die das Projekt als "beispielhaft für ganz Bayern" und Udo Möhrstedt als "Solarpionier, der nie die Region aus den Augen verloren hat und trotzdem global denkt" bezeichnete. Zugleich trat die Politikerin der Auffassung entgegen, dass erneuerbare Energien den Strom teuer machen würden.
Eine Vorlage, die Udo Möhrstedt gerne aufnahm. Bis 2007 habe es einen jährlichen Anstieg der Strompreis gegeben; seitdem die erneuerbaren Energien ins Feld gekommen seien, sinke er dauernd, verwies der IBC-Chef auf die Kurse an der Strombörse: "Da heißt es immer, wir sind die Strompreistreiber. Völliger Unfug!"

Kritik an Minister Rösler


Stattdessen trage Wirtschaftsminister Rösler und seine Ausnahmegenehmigungen für Unternehmen - so rechne man in diesem Jahr mit über 2000 Firmen, die weder EEG-Umlage noch Stromsteuer und fast keine Netzabgabe zahlen - die Schuld daran, dass der Bürger mit immer höheren Stromkosten belastet werde. Möhrstedt riet der Staatsregierung dazu, die Energiewende "flächig" zu machen - "dann kann ich Ihnen garantieren, dass Bayern davon in einigen Jahren massiv profitieren wird".
Mit allgemeinen Informationen zum Jura-Solarpark versorgte Projektentwickler Oliver Partheymüller die Zuhörer. Bereits bei den ersten Gesprächen mit Gemeinden und Grundstückseigner im Sommer 2010 sei deutlich feststellbar gewesen, dass die Region an der Energiewende teilnehmen will, blickte er zurück.
Neben Synergien wie etwa der Verlegung eines Glasfaserkabel erwähnte er, dass die Flächen künftig durch die Beweidung mit bretonischen Zwergschafen einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt würden.
In Planung sei ein Ausbau des Parks auf 43 Megawatt Nennleistung durch zwei weitere Standorte (Leesau und Schirradorf II).
Partheymüller wies darauf hin, dass ab sofort eine Bürgerbeteiligung möglich sei.