Langsam fährt das Virus seine vier Beine aus, angetrieben von einer surrenden Hydraulikpumpe. Wie eine Spinne in ihrem Netz klettert Ovidio umher und dreht mit einem Stemmeisen eine 40 Zentimeter lange Spannschraube fest. "André, schau doch mal nach, ob wir im Wasser sind", ruft Chef Monty Lagerin, 29 Jahre alt, hessischer Dialekt und ein Bär von einem Mann. André, Lagerins zweiter Mitarbeiter, rennt zur fest verbauten Wasserwaage an der Vorderachse und nickt.

Das Virus ist nichts anderes als eine übergroße Schaukel. Neben dem Tornado zählt es auf dem Schützenfest zu den größten Fahrgeschäften in diesem Jahr. Ganz angenehm sei die Fahrt, versichert Monty Lagerin - trotz der viereinhalbfachen Erdbeschleunigung, die dabei erreicht wird. Lagerin hat ohnehin keine große Lust mehr, auch nur irgendwas auf einem Rummel zu fahren. Er ist Schausteller und hat in seinem Leben genug Karrussels erlebt. Das Virus ist sein Beruf.

Der Mast ist das Schwierigste


Und der ist in den Sommermonaten anstrengend. Rund 25 Mal bauen sie das Fahrgeschäft in dieser Zeit auf und wieder ab. So auch am vergangenen Dienstagabend als sie im Odenwald aufbrachen, um zum ersten Mal ins rund 300 Kilometer entfernte Lichtenfels zu kommen. Dort begannen sie am am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr mit dem Aufbau.

Kaum zwei Stunden dauert es, bis sich der zwölf Meter hohe Mast der 60 Tonnen schweren Schaukel aufgerichtet hat. Ovidio und André sind scheinbar überall gleichzeitig. Monty Lagerin prüft immer wieder, ob die Abstände passen. Gesprochen wird kaum. "Ich habe gute Mitarbeiter, die wissen, was sie zu tun haben", sagt Lagerin. Die schwersten Arbeiten nehmen ihnen Hydraulik und Seilwinden ab. Die Schweißperlen auf Ovidios Stirn verraten aber, dass er trotz Technik noch kräftig zupacken muss. Das Schwierigste, den Mast aufzurichten, haben die drei geschafft.

Gegen 18.30 Uhr steht Monty Lagerin mit einer Zigarette in der Hand vor seinem Virus auf dem Schützenanger. Die Arbeit ist erledigt, doch er weiß, dass André, Ovidio und er schon bald wieder abbauen müssen. Dann geht es für das Trio und das Virus weiter nach Coburg.