Heruntergekommen ist das Rathaus wahrlich nicht. Dennoch fiel am Mittwochabend in der Gemeinderatssitzung der Begriff "marodes Gebäude". Auf den ersten Blick möchte man meinen, es steht gut da. Doch schon vor zehn Jahren war hier nicht alles so, wie man sich das wünschte. Mitarbeiter stellten zusätzlichen Raumbedarf fest. Rollstuhlfahrer haben keine Chance, in den Sitzungssaal im zweiten Stock zu gelangen, selbst das Erdgeschoss ist nur über eine Treppe zu erreichen. Von aktuellen energetischen und Brandschutzstandards ganz zu schweigen. Bürger monierten das Fehlen einer öffentlichen Toilette im Ort - die im Rathaus geschaffen werden könnte. Damals, noch unter Bürgermeister Fred Köhlerschmidt (SPD), wurde laut über einen An- und Umbau nachgedacht, ein erster Entwurf mit einem behindertengerechten Zugang, sprich: Einbau eines Aufzuges, und neuem Eingangsbereich am Zolltorplatz präsentiert. Im Jahr 2008/2009 waren zehn Architekturbüros aus dem Landkreis um Vorschläge gebeten worden. Aus den da raufhin eingegangenen neun Planungen waren zwei ausgewählt worden.

Es gibt auch Gegner des Projekts


Jeder Aufschub war nur der Finanzlage geschuldet gewesen, wie Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) nun in Erinnerung rief. Im Grunde sei man sich über die Notwendigkeit einer Modernisierung einig. Die positive Entwicklung der Gemeindefinanzen war für ihn der Anlass, das Thema jetzt wieder auf die Tagesordnung zu setzen, um dem Gemeinderat "baldmöglichst konkrete Vorschläge" vorlegen zu können. Ein Gemeinderatsbeschluss sollte der Verwaltung quasi grünes Licht geben, hier tätig zu werden. Doch trotz einer breiten Mehrheitsmeinung zeigte sich, dass der Rathausumbau durchaus kontrovers gesehen wird. Die beiden Gegenstimmen kamen erstaunlicherweise aus der Fraktion des Bürgermeisters. Siegfried Vockentänzer (CSU) machte als Erster deutlich, dass er sich nicht dafür erwärmen kann, so viel Geld in den Umbau des Rathauses zu stecken. Er ging dabei von "zirka zwei Millionen Euro" aus, eine Summe, die zumindest im öffentlichen Teil der Sitzung weder genannt noch bestätigt wurde.

Kein Beschluss über Kosten


Der Bürgermeister betonte vielmehr, dass es bei diesem Beschluss weder um Kosten noch eine Größenordnung gehe, sondern nur um den grundsätzlichen Willen, "diese Thematik wieder voranzutreiben". Vockentänzer prophezeite aber, dass die Lage der heimischen Wirtschaft auch wieder schlechter werde und plädierte dafür, lieber mehr Geld zum Schuldenabbau herzunehmen. Worauf Fischer erwiderte, dass der Schuldenstand der Gemeinde nach der geplanten Kreditrückzahlung im nächsten Jahr deutlich unter Landesdurchschnitt liegen werde.
"Wir tun schon unsere Pflicht", sagte der Bürgermeister. Vockentänzer blieb dabei - ein größerer finanzieller Spielraum für die Zukunft lautete seine Devise. Carlo Scheidt (CSU) pflichtete ihm bei. Er maß einem Verkehrskonzept höhere Priorität bei, dafür werde dann Geld gebraucht. Fischer warf ein, dass es derzeit nicht möglich sei, eine Lösung dafür zu finden (wegen der noch offenen Verfahren zur B 173 neu und der Zurückstellung der LIF 13 neu).
Hans Fischer (CSU) regte gar an, über einen Abriss und Neubau nachzudenken, bevor man Geld in das Gebäude stecke.
Die Mehrheit vertrat jedoch wie der Bürgermeister die Meinung, die Möglichkeit eines Rathausumbaus sollte jetzt geprüft werden. "Wir können da nur zustimmen", sagte Jürgen Spitzenberger namens der SPD/JSB-Fraktion. Fraktionskollege und Dritter Bürgermeister Paul Habich sah darin eine Pflichtaufgabe der Gemeinde, die nicht mehr auf die lange Bank geschoben werden sollte. Die Freien Wähler stellten sich ebenfalls geschlossen hinter das Vorhaben.
Zunächst sollen die beiden Architekten der damals ausgewählten Vorschläge gefragt werden, ob sie noch zu ihren Überlegungen stehen. Für alternative Überlegungen oder neue Aspekte ist man offen, wie der Bürgermeister betonte.