Darauf angesprochen, ob sie sich nicht auf den Geist gegangen seien, muss Ursula Kunig schmunzeln: "Wir sind uns nicht ins Gehege gekommen. Wir waren zwar beide Konstrukteure, aber mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen." Ursula Kunig und ihr Mann Rainer haben nicht nur das Schlafzimmer miteinander geteilt, sondern auch das Kon struktionsbüro bei der Burgkunstadter Maschinenfabrik Fischer, die Cord-Schneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt.

Im Hause Kunig galt eine eiserne Regel: "Zuhause wurde nicht über die Firma gesprochen. Irgendwann muss man auch mal abschalten können", sagt die 57-Jährige. Nur ihr Mann habe das nicht immer durchgehalten. Im Bett habe er manchmal in Gedanken zu konstruieren angefangen - kein Wunder, war der heute 62-Jährige doch 47 Jahre lang mit Leidenschaft Konstrukteur.

Bei einer Feierstunde im Landgasthof "Anker" in Weidnitz wird der Burgkunstadter offiziell verabschiedet. An seiner Seite ist Ehefrau Ursula, die 37 Jahre lang dem Burgkunstadter Unternehmen die Treue gehalten hat. "Als ich vor drei Jahren die Freizeitphase meiner Alters teilzeit begonnen hatte, verließ sie freiwillig die Maschinenfabrik Fischer, um den Lebensabend gemeinsam mit mir zu verbringen", erzählt Kunig.

Dass beide nie in Versuchung gekommen sind, den Arbeitgeber zu wechseln, liegt für Geschäftsführerin Simone Thies an der Firma: In der Maschinenfabrik Fischer würden die Mitarbeiter noch gehegt und gepflegt. Dem kann Rainer Kunig nur zustimmen. Das Arbeitsklima in der Firma beschreibt er als "familiär". Zudem hätten fast alle Mitarbeiter ihre Lehre im Unternehmen absolviert. Mit positiven Folgen für das Unternehmen, so Kunig: "Im Verlaufe der Zeit entsteht eine verschworene Gemeinschaft."

Der technische Wandel ging auch am Konstruktionsbüro der Firma Fischer nicht spurlos vorüber, wo Kunig Pläne für die einzelnen Komponenten der Maschinen wie Scheren oder Spleißer entwarf. "Früher wurden die Pläne noch am Reißbrett gezeichnet. Das war Handarbeit pur", erinnert sich Rainer Kunig. Mitte der 80er Jahren hielten dann die Computer Einzug in das Unternehmen. "Mit dem PC geht die Arbeit viel schneller und einfacher. Allerdings muss man sich immer wieder auf die neuen und verbesserten Programme umstellen, die die Software-Hersteller alle paar Jahre auf den Markt bringen." Auch das Kopfrechnen habe mit dem Einzug des Computers nachgelassen, räumt der frischgebackene Ruheständler ein.

"Positiver Stress "

Was war für ihn das Spannende an seiner Arbeit? "Die Pläne den jeweiligen Anforderungen der Kunden, die höchst unterschiedlich sein konnten, anzupassen. Das hinzubekommen war positiver Stress für mich." Dazu benötige man Kreativität, ein gutes Vorstellungsvermögen und eine kommunikative Ader im Kontakt mit den anderen Abteilungen, ergänzt Kunig.

Sie waren auf Safari wilden Tieren ganz nah und erkundeten die Unterwasserwelt des indischen Ozeans - die Kunigs reisen für ihr Leben gern. "Wir waren schon in Ägypten, Italien Jamaika, Kuba, Kanada und vielen anderen Staaten. Wir mögen es, fremde Länder zu entdecken", sagt Rainer Kunig, und seine Frau nickt ihm zu. Jetzt haben sie noch mehr Zeit für ihre große Leidenschaft.

Mit einem Glas Bier stoßen beide auf einen erlebnisreichen Ruhestand an, der sie - wie könnte es auch anders sein - in die weite Welt hinaus führt: In vier Wochen geht es zum Tauchen auf die Malediven und im Herbst steht ein Urlaub im afrikanischen Tansania an.