Fast drei Stunden saß eine 49-jährige Sparkassen-Angestellte am gestrigen Nachmittag an einen Stuhl gefesselt im Vorraum der Schneyer Filiale. Eine aufmerksame Passantin bemerkte nach 15 Uhr, dass die Filiale noch geschlossen war, obwohl die Mittagspause vorüber war. Sie schaute durch ein Fenster in das Gebäude und sah dort die gefesselte Angestellte. Die 49-Jährige wurde vom Rettungsdienst vor Ort versorgt. Sie hatte einen Schock erlitten, war aber unverletzt geblieben.

Nylonstrumpf über dem Kopf


Nach Angaben von Polizei-Pressesprecher Alexander Czech spielten sich Banküberfall und Geiselnahme nach ersten Ermittlungen so ab: Die 49-jährige Angestellte, die allein in der Filiale war, wollte zwischen 12.15 und 12.30 Uhr die Tür abschließen, die vom Vorraum zur eigentlichen Filiale führt. In diesem Moment überfiel sie ein schlanker, etwa 1,80 Meter großer Mann, der sich einen Nylonstrumpf über den Kopf gezogen hatte. Der unbewaffnete Räuber drängte die 49-Jährige in ein Beratungszimmer rechts neben dem Vorraum. Dort fesselte er sie gewaltsam mit Klebeband, fixierte sie an einem Stuhl und verschloss ihr auch den Mund mit Klebeband.
Daraufhin betrat der Mann den Schalterraum und bediente sich an der Kasse. Dann flüchtete der Täter unerkannt. Über die Höhe der Beute konnte die Polizei am Dienstag noch keine Angaben machen.
Von Polizeibeamten wurde die 49-jährige Angestellte gegen 16 Uhr befreit. Das dauerte deshalb so lange, weil die Beamten dabei sehr vorsichtig vorgehen mussten. Zu diesem Zeitpunkt war nämlich noch nicht klar, ob sich der Täter noch im Gebäude aufhält und die Angestellte als Geisel genommen hat.
Obwohl der Lichtenfelser Stadtteil Schney am Dienstagnachmittag weiträumig abgesperrt wurde, brachte die Fahndung keinen Erfolg. Ein Polizeihubschrauber stand knatternd über dem Ort, denn die Polizei musste auch damit rechnen, dass der Bankräuber sich in der Nähe verborgen hielt. Pressesprecher Czech kommentierte das so: "Die Fahndung läuft weiter. Auch im Nahbereich. Wir wissen ja nicht, welches Fluchtmittel der Täter benutzt hat."
Die Sparkassen-Angestellte sagte aus, dass der Bankräuber eine Baseballmütze, Handschuhe, knielange Jeans, eine dunkle Kapuzenjacke und Turnschuhe trug.
Das Areal um die Sparkassen-Filiale in der Friedrich-Ebert-Straße war bis 17 Uhr von der Polizei abgesperrt. Passieren durften nur Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen wollten. Anwohner, die sich außerhalb der Absperrung aufhielten und die zu ihren Häusern wollten, mussten vor der Absperrung warten. Innerhalb des Polizeikordons standen die Menschen in Grüppchen vor ihren Häusern und erörterten die Situation. "Wir sind erst aufmerksam geworden, als es draußen so ruhig geworden ist, weil keine Autos mehr fuhren", schilderte eine Frau ihre Eindrücke.