Vierzehnheiligen
Lebenshilfe

Psycho-spirituelle Beratung im Kloster Vierzehnheiligen

Seit 2006 bietet Franziskanerpater Christoph Kreitmeir im Kloster Vierzehnheiligen psycho-spirituelle Beratung an. Damit noch mehr Menschen von seinen Erkenntnissen profitieren können, hat er jetzt ein Buch geschrieben.
Im Gespräch ist Christoph Kreitmeir völlig präsent. Doch das war nicht immer so. Foto: Matthias Hoch
Im Gespräch ist Christoph Kreitmeir völlig präsent. Doch das war nicht immer so. Foto: Matthias Hoch

Christoph Kreitmeir sitzt da wie ein Fels in der Brandung: Ruhig, gelassen und völlig bei sich. Erstaunlich, wenn man weiß, dass der Franziskanerpater nicht nur stellvertretender Klosterleiter von Vierzehnheiligen ist, sondern auch Leiter des Wallfahrtsbüros und außerdem für Technik, Homepage und Finanzen des Klosters zuständig, dass er zudem nebenher Vorträge hält, psycho-spirituelle Beratungen anbietet - und gerade sein drittes Buch vollendet hat. "Glaube an die Kraft der Gedanken" heißt es, und die Hauptaussage lautet: Positive Gedanken können Dein Leben verändern.

Für Kreitmeir ist das nicht nur nicht nur eine Formel. Denn auch er war nicht immer ruhig und gelassen: Mit 22 Jahren trat der gelernte Sozialpädagoge und Theologe den Franziskanern bei - mit 38 hatte er einen Herzinfarkt. "Ich war seelisch in einer Umbruchsituation, hatte viel Stress.

Und damals dachte ich noch, dass ich alles auf die Reihe bringen kann, ohne auf mein Inneres zu achten."

Erst der Herzinfarkt habe ihn vom Gegenteil überzeugt. "Da ging es mir wie vielen meiner jetzigen Klienten: Wer nicht hören will, muss fühlen." Sich - und seine Bedürfnisse.

Doch das werde in der heutigen Welt immer schwieriger, sagt der 50-Jährige, während er in aller Ruhe eine Kerze anzündet. Überall sei Multitasking gefordert, "wir müssen uns ja geradezu dazu zwingen, eines nach dem anderen zu machen - oder gar einmal gar nichts." Zerotasking nennt er das. Nullbeschäftigung. Doch dieses Innehalten sei der beste Weg, um wieder zu sich selbst zu finden.

Und er führt über die Achtsamkeit, für Christoph Kreitmeir "die weltliche Form der Religiosität".

Bei dem Franziskanerpater selbst wird sie untermauert durch das "existenzielle Gefühl, von Gott geliebt zu werden". Doch zwangsläufig notwendig sei diese Untermauerung nicht. Nicht einmal, wenn man sich von Pater Christoph beraten lassen will: "Ich habe gelernt, zwei Klaviaturen zu spielen: Die der Glaubenden und die derer, die ohne Glauben sind."


Frankl ist sein Vorbild
Denn Kreitmeir ist nicht nur Franziskaner, sondern auch ein begeisterter Anhänger des österreichischen Psychiaters Viktor E. Frankl, den er noch persönlich kannte und über den er sein erstes Buch geschrieben hat ("Sinnvolle Seelsorge", EOS Verlag). Zum Gespräch ist der Pater ohne Kutte erschienen.

Das kann er. Einfach so.

Weil Christoph Kreitmeir glaubt, dass die Religion sich verlagern wird - weg von der Volksreligion mit wöchentlichem Kirchgang, hin zu etwas, das er "spirituelle Zentren" nennt. "Das ist schon traurig, aber andererseits: Wir haben hier volles Haus", sagt er. Vierzehnheiligen ist für ihn ein solches spirituelles Zentrum - ähnlich der Abtei Münsterschwarzach, der Wirkungsstätte Anselm Grüns.

Und genau wie dieser will Christoph Kreitmeir Theologie und Psychologie versöhnen: "Wir haben eine Jahrhunderte alte philosophische Spiritualitätsgeschichte", erklärt er - und trotzdem gebe es im Bereich Lebenshilfe fast nur Esoterisches. "Da habe ich gedacht: Das kann ja wohl nicht wahr sein!" Nicht umsonst wird er"der kleine Pater Anselm Grün vom Obermain" genannt.

Bestärkt von der riesigen Resonanz auf einen Vortrag zur positiven Kraft der Gedanken in der Adam-Riese-Halle ("Da waren 708 Menschen, können Sie sich

das vorstellen?!"), begann er zu schreiben: An einer Kleinschrift, die er im Kronacher Frankenverlag veröffentlichen wollte. Doch bald wurde klar, dass es hier um etwas Größeres ging: In 13 Kapiteln erklärt der Pater, wie man sich von negativen Gedankenmustern ("Ich werde das nicht schaffen.") distanziert, positive Gedanken daraus gewinnt und welche Impulse das Christentum geben kann.


Weisheiten aus dem Talmud
Allem voran hat Christoph Kreitmeir einen Spruch aus dem jüdischen Talmud gestellt: Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Deine Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Deine Gefühle. Achte auf Deine Gefühle, denn sie werden Dein Verhalten. Achte auf Deine Verhaltensweisen, denn sie werden Deine Gewohnheiten. Achte auf sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Christoph Kreitmeir liest diesen Spruch vor. Langsam.

Betont. Völlig bei sich. "Wissen Sie, jetzt arbeite ich genauso viel wie damals, vor dem Herzinfarkt", sagt er dann. "Aber mit einer anderen Geisteshaltung. Doch glauben Sie mir: Einfach war das nicht."


Buch "Glaube an die Kraft der Gedanken", 239 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-579-06590-8, wird herausgegeben vom Gütersloher Verlag. Es erscheint am 4. März und kostet im Handel 17,99 Euro. Die E-Book-Version erscheint etwa zwei Wochen später.

Beratung Infos zu Christoph Kreitmeirs psycho-spiritueller Beratungstätigkeit und Vortrags- bzw. Lesungstermine finden Sie im Internet unter www.vierzehnheiligen.de/de/wir-franziskaner/therapeutische-beratungsgespraeche.php.