Alle Welt redet von der Verknappung der Rohstoffe, von Treibhausgas oder Verteuerung fossiler Brennstoffe. Der Landkreis will gegensteuern, will Klimaschutz praktizieren und dabei auch seine Bewohner einbinden.
Voraussetzung dafür ist ein Konzept, das derzeit von der Firma "Energie-Effizienz-Beratung Wicklein" aus Coburg erarbeitet wird. Dabei ist neben der Expertenmeinung auch die Meinung der Menschen vor Ort gefragt. Bei drei Klimaforen im Staffelsteiner Stadtteil Wiesen, in Burgkunstadt und in Lichtenfels werden derzeit Anregungen und Wünsche der Bürger aufgenommen, die Voraussetzungen für Klimaschutzaktionen schaffen sollen. Unter der Regie des Kreisentwicklers vom Landratsamt, Andreas Grosch, fand das erste Forum am Freitag im Gasthaus Thomann in Wiesen statt.

"Klima-Seidla" zum Auftakt


Jörg Wicklein wartete gleich mit einem Gag auf: er kreierte das "Klima-Seidla aus unnere Gäingd" und hatte dafür bedruckte Bierdeckel mitgebracht. Damit warb er für heimische Produkte, die umweltfreundlich produziert werden und durch kurze Wege Transportkosten einsparen. "Dass der Klimawandel stattfindet, ist unbestritten. Immer deutlicher wird auch die Verknappung wichtiger Rohstoffe, vor allem fossiler Energieträger - und damit ihrer zunehmenden Verteuerung", sagte Wicklein.

Konzept umfasst gesamten Kreis


Das Konzept beziehe sich keinesfalls nur auf kommunale Liegenschaften, sondern umfasse das gesamte Leben und Wirtschaften des Landkreises. Ziel sei ein gut umsetzbarer Katalog von Projekten, mit denen die gesteckten Ziele im Bereich Klimaschutz und Energiewende erreicht werden können und von denen idealerweise der ganze Landkreis profitiere.
Basis des Konzepts sei eine Ist-Analyse mit einer Energie- und CO 2 -Bilanz sowie einer Analyse der vorhandenen Potentiale. Darauf aufbauend werden für den Kreis Lichtenfels und seine Kommunen die Ziele formuliert. Entscheidend sei, dass die regionalen Akteure intensiv eingebunden werden. Mit einer Fragebogenaktion möchte der Kreis Lichtenfels die Wünsche und Erfahrungen aller Bürger erfahren.
Weitere Klimaforen finden am heutigen Montag im Hotel "Drei Kronen" in Burgkunstadt und am morgigen Dienstag im Lichtenfelser Stadtschloss statt. Beginn ist jeweils 18 Uhr.
Moderator der Auftaktveranstaltung in Wiesen war Fabian Reichart. Er stellte Arbeitsgruppen zusammen, die sich mit den einzelnen Themenfeldern auseinandersetzten. Dabei kam eine lange Liste von Anregungen heraus. Im Energiebereich wurde eine Energiesteuer nach dem Verursacherprinzip gefordert. Biogasanlagen sollten effizient genutzt und das Nahwärmenetz ausgebaut werden. Einige Teilnehmer waren überzeugt, dass ohne Windenergie nichts gehe; die Bürger sollten aber an den Anlagen beteiligt sein und die Gewinne im Kreis bleiben. Für die Förderung sollten weitere Anreize geschaffen werden. Eine Solarpotenzialanalyse sei wünschenswert, um festzustellen, welche Dächer geeignet sind.

Wo kann Energie gespart werden?


Im Bereich Alltag, Freizeit und Tourismus wurde angeregt, der Jahreszeit entsprechende Sportarten auszuüben - zum Beispiel kein Schlittschuhlaufen im Sommer oder Hallenfußball im Winter. Auch im Haushalt lasse sich viel Energie sparen. Im Nahverkehr sollten kleinere Busse eingesetzt werden. Eine Agentur für E-Bikes wurde angeregt. Dorfläden wurden propagiert, und der Kauf von mehr regionalen Produkten wurde gefordert. Im Transportwesen sollten mehr Güter mit der Bahn transportiert werden. Im Bereich Bauen und Wohnen hatten manche Teilnehmer gute Erfahrungen mit Luftentbefeuchtern im Bad gemacht, die der Schimmelbildung vorbeugen. Damit entfalle übermäßiges Lüften.
Die Kommunen und die von ihnen beauftragten Unternehmen sollten Versorgungskanäle nachhaltiger planen, war ein weiterer Vorschlag. In den Schulen sollte es mehr Aufklärung zum Thema Energiesparen geben, und bei öffentlichen Ausschreibungen wäre ein "Regional-Bonus" erstrebenswert. Neubaugebiete sollten künftig mit dezentralen Heizungsanlagen sowie mit Wärme-Stromkoppelung ausgerüstet werden.