Bis man im Lichtenfelser Polizeirevier an Panzerglas und abgesperrten Türen vorbei endlich bei Ralf Fenderl ankommt, kann es eine Weile dauern. Seit dem 1. Juni ist der 48-jährige Polizeihauptkommissar neuer stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion.

Nach dem Abitur 1986 in Neustadt bei Coburg war Ralf Fenderl zur Ausbildung in Eichstätt und an der Fachhochschule in Fürstenfeldbruck, bevor er als stellvertretender Zugführer der Nürnberger Bereitschaftspolizei tätig war.

An einen seiner Einsätze aus dieser Zeit erinnert er sich besonders gerne: "Als die Grenze zwischen Neustadt und Sonneberg geöffnet wurde, hatten wir sofortige Alarmbereitschaft, um den Verkehr zu regeln. Das war definitiv mein schönstes Polizeierlebnis." Was folgte waren 16 Stunden Dauerdienst, Ausnahmezustand und Bilder, die jedes ostdeutsche Klischee bestätigten: Trabi-Konvois und Empfang in Westdeutschland mit Sekt und Bananen.

Rückkehr in die Heimat

Anschließend war Ralf Fenderl zehn Jahre lang Dienstgruppenleiter in Stein bei Nürnberg, bevor er in seine Coburger Heimat zurückkehrte. Bei der dortigen Kripo war er zunächst Sachbearbeiter für Wirtschaftsdelikte, 2009 wechselte er zum K1 und war von nun an zuständig für Sexual- und Tötungsdelikte sowie Brandstiftung. Einen Fall, der ihm dabei besonders an die Nieren ging, gab es aber nicht. "Ich kann sehr gut Privates von Dienstlichem trennen."

Sympathischer Arbeitsplatz

Seit rund eineinhalb Monaten ist er nun als Stellvertreter von Polizeioberrat Willibert Lankes in Lichtenfels im Einsatz - und glücklich damit. "Ich hatte schon vorher immer Einblicke in die verschiedenen Dienststellen, und die Lichtenfelser war mir sehr sympathisch."

Das ihm anvertraute Aufgabenspektrum beinhaltet neben Anzeigenkontrolle, Beschwerdewesen und Einsatzleitung auch die Dienstplanung und Leitung der Verfügungsgruppe. "Damit habe ich vorher noch nie zu tun gehabt", sagt Ralf Fenderl. "Aber man wächst mit der Zeit in seine Aufgaben rein."

Mitten im Gespräch bekommt der 48-Jährige einen Anruf, in dem es um einen angeblichen Fall von Katzendiebstahl geht. "Damit muss ich mich schon seit Wochen herumärgern, dabei läuft es am Ende auf ein paar streunende Katzen hinaus."

Die Bandbreite an möglichen Kriminaldelikten werde auch in der Korbstadt komplett abgedeckt. Beispielsweise das Thema Drogenkonsum: Oberfranken sei wegen der Nähe zur tschechischen Grenze eine Hochburg für Crystal Meth geworden. Fälle wie Einbruch, Diebstahl oder Körperverletzung, die indirekt mit dem Drogenkonsum zusammenhängen, landen dann auch auf Ralf Fenderls Schreibtisch. Da er um die Aggressivität von Süchtigen weiß, kann er den Hype um die US-Serie "Breaking Bad" nicht nachvollziehen.

Viel lieber schaut er da den Münster-Tatort, gerade weil das Duo Thiel und Boerne die Polizeiarbeit durch den Kakao zieht. "Das ist reine Gaudi. Krimis, die dagegen versuchen, ernsthaft zu sein, wirken am Ende oft nur dilettantisch - und ich will meine Arbeit ja nicht verlernen."