Wer in der Basilika eine Kerze anzünden möchte, kann nun wählen. Entweder auf die altvertraute Weise, direkt vor Ort. Oder virtuell im Internet: Per Mausklick schwebt, wie von heiliger Geisterhand getragen, eine Kerze heran, fixiert sich auf dem Dorn des Kerzenständers - und ganz von selbst leuchtet das Flämmchen auf.
Wer die Webseitewww.vierzehnheiligen.debesucht, findet seit wenigen Tagen links oben einen Button "360-Grad-Rundgang". Klickt man auf diesen Knopf, tut sich die Wunderwelt des von Balthasar Neumann geschaffenen Kirchenraums auf.
Der virtuelle Besucher kann seinen Standpunkt wählen, als wäre er vor Ort. Mit dem Cursor bewegt er sich durch die Basilika. Ganz wie beim realen Rundgang kann er sich drehen und wenden, kann den Blick auf die Fresken an der Decke wenden oder sich das Kirchenschiff von der Orgelempore herab ansehen. Die Kerzenkammer, die Votivkammer, die Anbetungskapelle und die Sakristei öffnen sich beim Klicken auf die entsprechenden Pfeile ebenso wie der Gnadenaltar mit der Erscheinungsstelle, der dem leibhaftigen Besucher durch ein Gitter verschlossen bleibt.

Mit Fischauge im Kirchenschiff


Eingefangen wurden diese faszinierenden Bilder von dem Kunstmaler und Webdesigner Michael Popp aus Grundfeld. Der 34-Jährige war einen Tag mit Kamera und Fischaugenobjektiv unterwegs, um Impressionen aus dem Inneren und dem Umfeld der Basilika einzufangen. Mesner Josef Pöhnl machte es möglich, dass Michael Popp mit seinem Weitwinkelobjektiv in alle Ecken der Basilika gelangte. 365 Bilder flossen in die 24 Panorama-Ansichten ein, die Michael Popp am PC zu einem Gesamtkunstwerk geformt hat.
Vor einer Woche konnte ein Millionenpublikum andere Panoramabilder von Michael Popp im Fernsehen bewundern: Für die "Große ARD-Weltreise", die zur Prime-Time um 20.15 Uhr ausgestrahlt wurde, hatte er Aufnahmen aus Bamberg, Dresden, Lübeck, Frankfurt und Sylt beigesteuert.
Zusammen mit Pater Christoph Kreitmeir ergänzte Michael Popp die Vierzehnheiligen- Panoramas an einigen Stellen - zum Beispiel durch die oben genannte Kerze. Eine interaktive Möglichkeit bietet auch der Besuch der Votivkammer: Die freie Seite des dort ausliegenden Gebetsanliegenbuchs kann "wie mit einem Zauberstift" beschrieben werden, wie Pater Christoph sagt. Durch einen Mausklick ist diese leere Seite mit der Gebetsanliegenseite auf der Homepage vernetzt, so dass tatsächlich Einträge möglich sind. Diese Eintragungen werden von Pater Christoph regelmäßig eingesehen, und die Inhalte fließen so in die Gebete der Franziskaner ein.
"Kirchlich gesehen ist die Basilika nach dem Bamberger Dom der zweitwichtigste Sakralbau im Erzbistum Bamberg", sagt Pater Christoph. Das Interesse der Menschen sei groß. Hunderttausende kämen alljährlich hierher - entweder als Touristen oder als Wallfahrer. "Wir werden sogar aus den Fidschi-Inseln angeklickt", hat der Geistliche herausgefunden. Vielen Menschen sei der Besuch der Basilika aber verwehrt - sei es, weil sie körperlich eingeschränkt sind oder sich eine weite Anreise finanziell nicht leisten können. Für diese Leute sei der virtuelle Rundgang ein "religiöser Service". Es gebe aber auch Menschen im Ausland, die Sehnsucht nach Vierzehnheiligen haben, fährt der Pater fort. Von der Franziskusschwester Hanna wisse er, dass deren Mitschwestern in aller Welt oft Heimweh nach Vierzehnheiligen haben. Pater Christoph: "Nun können sie von Peru aus virtuell in die Basilika reinwandern."

14 Nothelfer im Porträt


Pater Christoph ist stolz auf die mit modernsten Mitteln gestalteten Panoramabilder von Michael Popp. Als dieser ihn am PC darauf hinweist, dass sich auch die Figuren der 14 Nothelfer des Gnadenaltars anklicken lassen, worauf Porträts erscheinen, ist seine spontane Freude groß: "Das habe ich ja noch gar nicht bemerkt, das ist ja wundervoll!" Sein Resümee: "Was Besseres gibt's, glaub' ich, zurzeit nicht." Die Probe aufs Exempel bestätigt das prompt: Nicht einmal der Kölner Dom, das deutsche Kirchenflaggschiff, wird derart professionell präsentiert.
Und Balthasar Neumann? Was der wohl sagen würde, sähe er seine lichtdurchflutete Architektur in dieser prächtigen Präsentation? Sicher wäre er davon genauso überwältigt wie jene Dame aus Hamburg, die sich kurz nach dem Freischalten der Seite schon fasziniert an Pater Christoph wandte.
Doch welcher der 14 Nothelfer ist eigentlich Patron der Webdesigner? Wahrscheinlich Christophorus, der sicher nicht nur auf Landstraßen, sondern auch auf der Datenautobahn hilft: Als himmlischer Webmaster gegen irdischen Error.
Virtuelles Beichten wird jedoch nicht ermöglicht. Das führte Pater Christoph denn doch zu weit. Dafür stehen die Franziskaner weiterhin gern persönlich zur Verfügung, sagt er.

Unter der Adresse www.vierzehnheiligen.de ist die Seite der Franziskaner mit allen wichtigen Informationen zum Wallfahrtsort, zur Basilika und zum Konvent im Internet zu finden. Auf dieser Seite sind zudem die Öffnungszeiten, Beichtgelegenheiten und Eucharistiefeiern verzeichnet. Der Gnadenaltar und detaillierte Texte zu allen 14 Nothelfern sind hier ebenso zu finden wie Vortragstexte über den spirituellen und den geschichtlichen Ort.

Michael Popp aus Grundfeld gestaltete die Webseite unentgeltlich für die Franziskaner. Wer mehr über sein Verfahren der 360-Grad-Panoramafotografie erfahren möchte, kann sich unter www.Starpano.de einloggen.