Am Mittwoch endete der Prozess gegen den 76 Jahre alten Rentner aus Michelau, der im Sommer 2012 seine Frau mit 20 Axthieben erschlagen hatte. Das Urteil lautete auf Unterbringung in einem Psychiatrischen Krankenhaus, wird jedoch zur Bewährung ausgesetzt. Als Auflage ordnete das Gericht an, dass der Rentner Wohnsitz in einem Pflegeheim zu nehmen hat und für fünf Jahre unter Führungsaufsicht steht. Zudem hat er die Kosten des Verfahrens und die Auslagen der Nebenklägerin, seiner Tochter, zu tragen.

Staatsanwältin Ursula Haderlein stellte ihrem Plädoyer voran, dass in diesem Prozess das Strafrecht an seine Grenzen stoße. Den Tatbestand heimtückischer Mord sah sie als erwiesen an, doch sei der Mann zum Tatzeitpunkt krankheitsbedingt nicht schuldfähig gewesen. Wegen einer Demenzerkrankung und wahnhafter Psychosen sei er nicht steuerungsfähig gewesen. "Wir befinden uns hier in einem Sicherungsverfahren."

Da der Beschuldigte nach der Einweisung in das Bezirksklinikum Bayreuth zwar noch als gefährlich eingestuft war, befand er sich dort in vorläufiger Sicherungsverwahrung. In dem Prozess war nun festzustellen, ob der Mann weiterhin eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.


Extrem aggressiv

Laut Gutachter Michael Zappe ist er zu Beginn der Unterbringung noch extrem aggressiv gewesen. Er habe Patienten und Pflegepersonal bedroht. Nach einem Schlaganfall im September 2012 jedoch habe sich sein Gesundheitszustand drastisch verschlechtert. Er könne praktisch nichts mehr ohne Hilfe machen, auch wenn er weiterhin schnell böse und aggressiv sei.

Eine Simulation der Behinderung konnte sich die Staatsanwältin "beim besten Willen nicht vorstellen". Für Haderlein ist ein Schutz der Allgemeinheit auch ohne eine Unterbringung in einer Psychiatrie möglich. Das Gesetz schreibe vor, bei solch besonderen Umständen eine Unterbringung zur Bewährung auszusetzen. Sie forderte deshalb die Aussetzung des vorläufigen Unterbringungsbefehls und eine Unterbringung auf Bewährung, mit der Auflage eines dauerhaften Wohnsitzes in einem Pflegeheim, mit Führungsaufsicht. "Man kann zwar nicht sagen, dass von ihm überhaupt keine Gefahr mehr ausgeht, aber man kann dieser mit der Unterbringung im Heim begegnen, wenn das Sicherungsnetz vorhanden ist."


Die Tochter hat Zweifel

Genau daran zweifelte der Vertreter der Nebenklägerin, einer Tochter des Täters. Für Rechtsanwalt Bernd Legal steht keineswegs fest, dass der 76-Jährige keine Gefahr mehr darstellt: "Laut dem Gutachter ist er schnell distanzlos und bedrohlich. Er ist feindselig und beschimpft Mitarbeiter und Patienten." Auch im Rollstuhl sitzend habe er die Möglichkeit, sich fortzubewegen. In Bayreuth sei er so in die Zimmer von Mitbewohnern gelangt. Einmal habe er einer Mitbewohnerin gegenüber geäußert, dass er ihr den Kopf abschneiden wolle. Daraufhin habe er ein Messer vom Esstisch entwendet. Gleichwohl hielt es Legal für möglich, dass der Rentner den Schweregrad der Behinderung nur vortäuscht. "Er war schon als jüngerer Mann ein hervorragender Schauspieler", hatten die Kinder des Mannes berichtet. Legal forderte, den Unterbringungsbefehl in der Psychiatrie aufrecht zu erhalten, weil der Mann weiterhin für die Allgemeinheit gefährlich sei.

Der Verteidiger des 76-Jährigen folgte den Anträgen der Staatsanwältin. Sein Mandant sei ohne fremde Hilfe unfähig, etwas zu unternehmen, und somit ungefährlich. "Er ist ein Wrack." Die Kammer folgte den Anträgen der Staatsanwältin. Vorsitzender Richter Amend erklärte, dass sich das Gericht am Gesundheitszustand des Rentners orientiert habe. In einem Pflegeheim sei der Mann sicher aufgehoben, und es bestehe keine Gefahr mehr. "Er kann da nicht raus."