Betrachtet man die vergangenen gut 50 Jahre, ist Pfarrer Sebastian, der seinen "zu komplizierten" Nachnamen gerne unter den Tisch fallen lässt, der Weismainer Geistliche mit der mit Abstand kürzesten Dienstzeit. Otto Graßmüller, Andreas Rauh, Josef Lauer - sie alle waren weitaus länger im Amt als der 62-jährige gebürtige Inder, der sechseinhalb Jahre lang das katholische Geschehen im Städtchen und auf dem Jura prägte.

Pfarrer Sebastian war aber auch der erste der Genannten, der gleich drei Pfarreien (neben Weismain auch Modschiedel und Arnstein) zu betreuen hatte. Zwar spricht er knapp von einer "großen Belastung", will aber keinen Zusammenhang zu seiner körperlichen Konstitution herstellen, die Ursache für seinen Vorruhestand aus gesundheitlichen Gründen ist.


Sicher ist aber, dass sein großer Wirkungskreis Hauptgrund für eine Bilanz ist, die sich in punkto Renovierungsaktivitäten durchaus mit der seiner Vorgänger messen lassen kann. Stolz schwingt in seiner Stimme mit, wenn er auf die vielen Projekte unter seiner Aufsicht zurückblickt. Dazu gehören die größte Kirchensanierung in der Geschichte des Weismainer Gotteshauses ebenso wie die Innenrenovierung der Arnsteiner Nikolauskirche und die zum Teil äußerst aufwendigen Instandsetzungen der Kirchen und Kapellen in Weiden, Mosenberg, Wunkendorf und Kaspauer.

Besonders freut es den scheidenden Pfarrer, Anbau und Sanierung des Weismainer Sankt-Anna-Kindergartens gemeistert und eine Erweiterung auf den Weg gebracht zu haben, und dass die Planungen für den Neubau des katholischen Kindergartens in Modschiedel kurz vor seinem Ruhestand abgeschlossen werden konnten.
Die Betonung dieser Vorhaben kommt nicht von ungefähr. Fast noch wichtiger als die Baumaßnahmen war ihm, einen Beitrag zu "einer offenen Kirche" zu leisten. Damit meint Pfarrer Sebastian den verstärkten Fokus auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, was er sich bei seinem Antritt im September 2007 vorgenommen hatte. Heute ist er zufrieden mit seiner Förderung des Engagements junger Christen in den Pfarreien, nennt exemplarisch die von ihm eingeführten Kleinkindergottesdienste sowie Familiengottesdienste, Kommunionkinder, Ministranten und die Band "Voices for soul". "Ich habe viel erreicht, hätte aber gerne noch mehr geschafft", sagt er. Hauptsächlich bezieht sich diese Einschätzung auf die Einführung von Kinderkirchentagen. Aus Zeitmangel blieb es bei einer solchen Veranstaltung in Görau, die mit fast 50 Mädchen und Jungs sehr gut angenommen wurde.

Der Geistliche ist zuversichtlich, dass sein Nachfolger diese Aktionen weiterführen wird. Der derzeit in Kirchehrenbach (Landkreis Forchheim) tätige Pfarrer Gerhard Möckel wechselt zum 1. September dieses Jahres nach Weismain (bis dahin fungiert der Altenkunstadter Pfarrer Norbert Lang als Pfarradministrator, Pfarrer Christoph Müller hält den Großteil der Gottesdienste).

Was kaum jemand weiß: Der bisherige und der künftige Weismainer Pfarrherr sind sich bereits über den Weg gelaufen. In seiner Zeit als Seelsorger in Uetzing habe er Gerhard Möckel als Kaplan in Bad Staffelstein kennen gelernt, verrät Pfarrer Sebastian. "Er hat einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht. Und er ist bekannt für seine hervorragende Jugendarbeit." Zugleich warnt Sebastian Palapparampil vor überzogenen Erwartungen an seinen 55-jährigen Nachfolger: "Genau wie ich wird er es nicht jedem recht machen können." Der große Seelsorgebereich werde künftig mehr Kompromisse bei den Gottesdiensten und mehr Laienarbeit als bisher erforderlich machen, meint der Pfarrer. Eventuell werde sogar eine Zeit kommen, in der die Gläubigen aus Modschiedel und Arnstein zu Sonntagsgottesdiensten nach Weismain fahren müssen.

Nicht umsonst gilt sein Dank einer ganzen Reihe von Priestern, deren Aushilfstätigkeit einen geregelten Gottesdienstbetrieb in Weismain und auf dem Jura ermöglichte (Erhard Meissner, Joachim Kügler, Werner Herold, Christoph Müller, Hans Hübner und Gerhard Hellgeth). Vielleicht erhält Pfarrer Möckel auch einen Kaplan zur Unterstützung. "Ich habe mehrmals angefragt, aber nie einen bekommen", bedauert Pfarrer Sebastian.

Kraft für den bevorstehenden Ruhestand schöpft er aus der Israel-Fahrt, die er vergangenen Oktober mit Angehörigen der drei Pfarreien unternahm und die er als Höhepunkt seiner Zeit als Pfarrer ansieht. Über die nächsten Monate und Jahre hat sich Sebastian viele Gedanken gemacht. An erster Stelle steht für ihn, seine Krankheiten in den Griff zu bekommen, darunter ein hartnäckiges Rückenleiden. Es stehen mehrere Operationen an. Danach möchte er sich mehr Zeit für seine Hobbys - Fotografieren und Reisen - nehmen und seiner indischen Heimat einen lange aufgeschobenen Besuch abstatten.

Ohne Kirche will der seit 22 Jahren in Deutschland lebende Geistliche den Lebensabend freilich nicht verbringen. Vom Bad Staffelsteiner Stadtgebiet aus, wo er in Kürze eine Privatwohnung beziehen wird, stellt er sich als Aushilfspriester für das gesamte Dekanat zur Verfügung. Gut möglich, dass der morgige Gottesdienst nur einen Abschied auf Zeit bedeutet und Sebastian Palapparampil irgendwann als Pfarrer im Ruhestand wieder am Weismainer Altar steht.