Die Kreisgruppe Lichtenfels des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) betreut bereits seit 1993 über 100 Nistkästen für die Schleiereulen im Landkreis Lichtenfels. Bei der Kontrolle im Sommer dieses Jahres konnten allerdings nur noch drei erfolgreiche Bruten festgestellt werden, die alle im Raum Ebensfeld und Bad Staffelstein zu lokalisieren waren.

Einer der zuverlässigsten Plätze war bislang das Anwesen von Bernhard Brückner aus Messenfeld. Selbst in schlechten Mäusejahren zogen die Schleiereulen bei ihm fast immer Junge groß, doch 2019 und 2020 blieb auch dort der Nachwuchs aus. Inzwischen ist der Turmfalke in den Nistkasten eingezogen - ein Phänomen, das auch aus anderen Ortschaften mit Schleiereulennistkästen bekannt ist. Ob der Turmfalke aber für das Verschwinden der Schleiereule verantwortlich ist, bleibt unklar und ist eher unwahrscheinlich, denn normalerweise arrangieren sich beide Arten auch bei Konkurrenz um den Brutplatz.

Eulen seit 27 Jahren da

Um eventuelle Streitigkeiten zwischen den beiden Arten jedoch auszuschließen, brachte der LBV sicherheitshalber einen zweiten Nistkasten bei Bernhard Brückner an, denn auch ihm liegen die Schleiereulen, die seit mindestens 27 Jahren auf seinem Anwesen leben, sehr am Herzen. "Früher waren Schleiereulen häufige Untermieter in landwirtschaftlichen Gebäuden, wo sie sich vor allem im Winter in den Kornspeichern von Mäusen ernährten. Wer heute noch Schleiereulen als Mitbewohner hat, kann sich glücklich schätzen, denn im Landkreis Lichtenfels ist der Bestand dieser faszinierenden Eulenart auf eine Handvoll Paare zusammengeschrumpft", so Jan Ebert von der AG Eulenschutz des LBV.

Brutplatzmangel behoben

"In den 1970er und 1980er Jahren war vor allem der Brutplatzmangel für den starken Rückgang der Schleiereulen verantwortlich. Dieser Missstand wurde durch das bundesweite Anbringen von Nistkästen behoben, wodurch sich der Bestand in der Folgezeit merklich erholen konnte", ergänzt Marion Damm, Vorsitzende der Lichtenfelser LBV-Kreisgruppe. Doch ab etwa 2009 nahmen die Brutpaare wieder deutlich ab. Die Ursachen sind vor allem fehlende Jagdgebiete in Form von Dauergrünland mit kurzer Vegetationsschicht sowie Saumstrukturen. Auch der Straßenverkehr ist für viele Verluste verantwortlich.

Der LBV appelliert an die Bevölkerung, Beobachtungen oder Gewöllefunde an die AG Eulenschutz unter 09571/739346 oder per Email unter eulenschutz.lbv-lif@gmx.de zu melden. Interessant sind vor allem Hinweise aus dem nördlichen und nordöstlichen, aber auch aus dem restlichen Bereich des Landkreises Lichtenfels. red