Vor fast genau einem Monat ist der Notfallplan Asyl für den Landkreis Lichtenfels aktiviert worden. Die Planungen seitens des Landratsamtes und des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) laufen bereits seit Oktober letzten Jahres. Die Turnhalle der Lichtenfelser Berufsschule wurde zur Unterkunft umgewandelt. Alles war bereit. "Doch es passierte erst einmal nichts", erzählt Tobias Eismann vom BRK, der für die Organisation der Notunterkunft zuständig ist.


Informationsfluss oft schwierig

Am 9. Juli die Wende: Der Notfallplan Asyl für den Landkreis Lichtenfels wurde aktiviert. "Die Turnhalle wurde komplett vom Landratsamt eingerichtet. Wir haben dann den Feinschliff gemacht", erklärt Eismann. Einfach war es nicht immer. Der Informationsfluss war teilweise schwierig. Oft wusste nicht einmal die Regierung, wer, wann, wohin kommt. "Wir hatten mehr Fahrdienste geplant, als nötig waren und haben uns auf Kinder eingestellt, die wir am Ende nicht hatten. Aber im Improvisieren sind wir beim BRK Künstler", meint Eismann.
Am 15. Juli war es dann soweit: Die 42 Flüchtlinge zogen ein. "Rund um die Uhr war ein Krankenwagen direkt vor Ort", erklärt er. Fahrdienste brachten die Flüchtlinge, die noch nicht untersucht wurden, ins Klinikum. Tag und Nacht waren die Ehrenamtlichen auf den Beinen.

Auch in der Einrichtung hatten hatten die Freiwilligen alle Hände voll zu tun. Vor allem die Damen von Rosemarie Göhring. Sie ist beim BRK für die Sozialen Aufgaben zuständig. Neben dem Blutspenden kümmern sie sich auch um die Flüchtlinge. Am Anfang waren die Frauen jeden Tag vor Ort. Später alle zwei Tage. "Wir haben eine Kleiderkammer eingerichtet und Wäsche von Bekannten geholt", erzählt Rosemarie Göhring. Mit bis zu 40 Flüchtlingen lief sie zur Kleiderkammer, um die Leute mit dem Nötigsten einzudecken. "Die meisten hatten nur das dabei, was sie an hatten und eventuell noch zwei Sachen mehr", schildert sie. Die Hilfe, die aus dem Landkreis und von den Ehrenamtlichen kommt, beeindruckt nicht nur Eismann und Göhring, sondern auch den Pressesprecher des Landratsamtes, Andreas Grosch. "Wir hatten viele tatkräftige Helfer und ein super Team, das hervorragend zusammenarbeitet."

Auf die Frage, wie die Stimmung in der Unterkunft ist, antwortet Rosemarie Göhring nur: "Es war gut, als sie auseinander gekommen sind." Vor ein paar Tagen wurden von den 42 Flüchtlingen 30 in dezentrale Unterkünfte im Landkreis verlegt. Doch die extremen Umstände in einer Notunterkunft wie der Turnhalle seien schwer auszuhalten: Verschiedene Kulturen, Religionen und Schicksale treffen knallhart aufeinander. "Da bekommt jeder mal einen Hals. Das ist ein ganz normaler menschlicher Vorgang. Das passiert auch, wenn 40 Deutsche unter solchen Umständen zusammen wohnen", sagt Eismann.


Turnhalle eine "Notlösung"

Laut Pressesprecher Andreas Grosch ist die Turnhalle nur eine "Notlösung", die auf Dauer nicht funktioniere. Den Ehrenamtlichen gegenüber waren die Flüchtlinge immer sehr hilfsbereit. "Sie wollen einfach nicht nutzlos sein. Ein Tag in der Unterkunft kann lang sein", sagt Göhring. Am Tag des Interviews hat Tobias Eismann vom Landratsamt erfahren, dass in der kommenden Woche weitere 50 Flüchtlinge nach Lichtenfels kommen und die Turnhalle bis Dienstagvormittag frei sein muss. "Dienstagabend machen wir den Feinschliff. Und dann fängt alles wieder von vorne an."


Informationen zum Notfallplan Asyl:

Hintergrund Jede Kreisverwaltungsbehörde musste Einrichtungen einplanen, die für eine große Zahl an Personen und für eine Verweildauer von fünf bis sechs Wochen sofort bezugsfertig sind. Das Landratsamt Lichtenfels muss neben der Unterbringung auch die Bewachung, Registrierung, Verpflegung, soziale und medizinische Betreuung sowie die Gesundheitsuntersuchung vorbereiten. Neben dem aktivierten Notfallplan müsste der Landkreis zudem wöchentlich neun Asylbewerber aufnehmen. Quelle: Landratsamt