"Der habe ich auf den Kopf geschlagen, ich weiß nicht, ob sie hin ist!" So hatte sich ein 76-Jähriger dem Zeugen gegenüber geäußert, der die Leiche der 75-jährigen Ehefrau im Garten auf einem Liegestuhl gefunden hatte. Im April des vergangenen Jahres hatte der Rentner mit extremer Brutalität seine Ehefrau, mit der er fast 50 Jahre verheiratet gewesen war, heimtückisch mit einem Beil erschlagen. Seither befindet er sich im Bezirksklinikum Bayreuth in der geschlossenen Abteilung.

Die Anklageschrift lautet auf Mord. Da der Rentner zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war, verhandelt die Erste Große Strafkammer am Landgericht Coburg über die Sicherungsverwahrung des Mannes.
Am ersten Verhandlungstag erschien der 76-Jährige nur kurz, im Rollstuhl sitzend und von mehreren Pflegern begleitet. Er wirkte teilnahmslos und war sichtlich gebrechlich. Nach einem Schlaganfall im September 2012 sei der körperliche und geistige Zustand des Rentners sehr schlecht, erklärte Michael Zappe, Gutachter und Arzt am Bezirksklinikum Bayreuth. Er könne der Hauptverhandlung nicht mehr folgen. Die Kammer beschloss deshalb, die Verhandlung ohne den Beschuldigten fortzuführen.

Keine Zuneigung und Fürsorge

Am ersten Verhandlungstag sagten etliche Zeugen aus, darunter auch die drei erwachsenen Kinder des Beschuldigten. Sie beschrieben ihren Vater als eigenbrötlerischen Menschen, der kaum redete und immer nur "sein Ding" machte. Er habe sich nie um die Familie gekümmert, harmonisches Familienleben habe es nie gegeben, Zuneigung und Fürsorge seien ihm fremd gewesen. Alle hätten unter den Launen des Vaters gelitten. Er habe Angst verbreitet. Meistens habe er nur mit Schimpfwörtern und Drohungen um sich geworfen.

"Er hat mich nie beim Namen genannt", erzählte eine der Töchter, " für ihn war ich immer ,das Ding‘, oder ,das Viech‘. Später benutzte er noch schlimmere Schimpfwörter."

"Mutter litt am meisten"

Besonders die Mutter habe unter ihm gelitten. "Sie hat es halt erduldet", sagte eine der Töchter. Mit den Jahren sei er immer boshafter und demütigender geworden: "Die pure Boshaftigkeit, die hat er schon ein Leben lang gehabt", sagte die Tochter aus.
Zuletzt habe er nicht mehr an den Mahlzeiten teilgenommen und viel geschimpft. Er war der Meinung, die Ehefrau wolle ihn mit " Chemie" vergiften.
An jenem Sonntagnachmittag nun sei er wohl der Meinung gewesen, die Frau habe ihm wieder etwas eingeflößt. Deshalb sei er, als die Ehefrau sich im Garten auf einer Liege niedergelegt hatte, mit dem Beil auf sie losgegangen.

"Er hat gesagt, dass sie nicht damit gerechnet hatte", erklärte der Beamte, der die Erstvernehmung durchgeführt hatte. "Es sei ihm egal, dass sie tot sei, sie habe weg gehört!"
Ebenfalls als eisig und kalt hatten den Rentner zuvor bereits andere Zeugen beschrieben, die ihn kurz nach der Tat angetroffen hatten. "Er stand da und hat mir gesagt, dass er seine Frau auf den Kopf geschlagen habe und nicht wisse, ob sie hin sei - er hat nicht tot gesagt, das weiß ich noch ganz genau", erklärte ein Nachbar, der auch die Leiche gefunden hatte.

Alle Zeugen, die den Täter vor Ort gesehen hatten, gaben an, dass er verwirrt und nicht normal reagiert habe. Andererseits habe er doch sehr genau gewusst, welche Tat er begangen hatte. Bei der Verhaftung soll er gesagt haben: "Ich bin jetzt 76 Jahre alt. Da ist es Zeit, dass man verreckt - und die liebe Frau auch."

20 Schläge mit dem Beil

Gerichtsmediziner Stefan Seidl aus Erlangen erläuterte die tödlichen Verletzungen der Frau. Ungefähr 20-mal sei mit dem Beil gegen Kopf, Hals und Brustbereich geschlagen worden. Dabei seien unter anderem
das Stirnbein und die Mittelgesichtsknochen geborsten. Schwere Gehirnschäden waren die Folge. Aber auch andere Verletzungen im Brust-und Schulterbereich, die Abrisse von Blutgefäßen zur Folge hatten, hätten schon zum Tode geführt. Es gab keine Abwehrverletzungen, was dafür spreche, dass die Frau im Schlaf überrascht worden und nach dem ersten Schlag wohl schon bewusstlos gewesen war.

Sachverständiger Zappe vom Bezirksklinikum Bayreuth erklärte, dass der Mann auch noch kurz nach der Einweisung unwirsch, abweisend und schnell aggressiv gewesen war. Man habe bei ihm bereits ausgeprägte Erkrankungen aus dem Formenkreis der Demenz festgestellt. Auch unter Wahnvorstellung habe er seit längerer Zeit gelitten.

Auch an jenem Sonntagnachmittag sei er der Meinung gewesen, dass seine Frau ihn vergiften wolle. "Deshalb hat sie es verdient", hatte er angegeben.

"Schuldunfähig gewesen"

Zum Tatzeitpunkt sei er sicherlich steuerungsunfähig gewesen, und damit schuldunfähig. Damals sei er jedoch noch eine erhebliche Gefahr für seine Umgebung und eine Sicherungsverwahrung unabdinglich gewesen. Heute sei er, nach einem Schlaganfall im vergangenen September, mehr oder weniger in sich versunken und stelle keine Gefahr mehr dar. Er könne nicht einmal mehr allein gehen. Der Gutachter hielt eine Unterbringung in einem geschützten Altenheim für ausreichend.
Am Mittwoch werden die Plädoyers und das Urteil erwartet.