"Ich habe eine Erfahrung gemacht, die war unglaublich", beginnt Alleinunterhalter Peter Hofmann die Geschichte, die von seinem Onkel handelt, der an Demenz litt und im Seniorenwohnheim lebte. Die Krankheit war so weit fortgeschritten, dass Hofmanns Onkel, der früher ein sehr guter Sänger war, bereits Sekunden später das eben Geschehene wieder vergessen hatte. Allein die Musik schaffte es, Erinnerungen wieder wachzurütteln.

"Wenn ich ihm das Liederbuch in den Schoß legte, sah er mich nur verständnislos an. Aber sobald ich den ersten Ton spielte, da sang er jedes Lied mit bis zum Schluss", erinnert sich Musiker Peter Hofmann. Es sind Ereignisse wie diese, die ihm die Bedeutung seiner Arbeit vor Augen führen. Wobei, als "Arbeit" möchte Peter Hofmann sein Ehrenamt nicht bezeichnen. "Arbeit ist nicht der richtige Ausdruck. Das macht mir Spaß. Und wenn man heimgeht, dann ist man ja selber froh, dass man etwas Gutes getan hat", stellt Musiker Hofmann klar. Seit nunmehr knapp acht Jahren engagiert sich der pensionierte Bahnbeamte und Alleinunterhalter für die Stiftung "Aktive Bürger" und unterhielt vor Corona mit seiner Musik regelmäßig die Bewohner von Senioren- und Pflegeheimen in Bad Staffelstein und Michelau. Dazu gestaltete der Schönsreuther Gesangbücher für seine Zuhörer, die mit knapp 60 Volksliedern und alten Schlagern bestückt sind. "Der große Hit im Altenheim ist zum Beispiel ,Capri-Fischer‘. Die Schlager aus den 50ern eben."

Durch seine jahrelange Erfahrung weiß der Alleinunterhalter, was bei seinem Publikum gut ankommt. Auch ein Gesangbuch für die Weihnachtszeit hat er für die Senioren gestaltet, welches zu seinem großen Bedauern dieses Jahr nicht zum Einsatz kommen wird.

Musik öffnet die Seele

Wie wichtig Musik für Senioren ist, weiß auch Tamara Rudolph. Die Leiterin des Sozialen Dienstes im Katharina-Bora-Seniorenheim in Michelau erklärt: "Musik öffnet die Seele. Löst Verspannungen, löst Verkrampfungen und erinnert natürlich an früher." Seit Ausbruch der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Zugangsbeschränkungen für Senioren- und Pflegeheimen fehlt den Bewohnern die Geselligkeit. Doch im Katharina-Bora-Seniorenheim in Michelau tut man alles, um den Senioren diese schwierige Zeit so angenehm wie möglich zu gestallten. Von verschiedensten Stellen erhält das Seniorenheim Spenden, so dass Musikhören über CDs oder Videotelefonie mit den Angehörigen möglich ist. Besonders Letzteres ermöglicht den Senioren, Kontakt zu ihren Familien zu halten. "Wenn sie so ihr Enkelkind sehen, dann sind sie ganz gerührt", berichtet Tamara Rudolph. Das Heimpersonal hat darüber hinaus eine wöchentliche "Weihnachtsfeier auf Rädern" organisiert, bei der ein Wagen mit Weihnachtsmusik und Kerzen von Zimmer zu Zimmer fährt, um an die Senioren Plätzchen, Stollen und alkoholfreien Glühwein zu verteilen. Trotzdem ist für die Leiterin des Sozialen Dienstes das Engagement der Freiwilligen nicht ersetzbar: "Die machen sehr gute Arbeit, und wir können gar nicht ohne sie."

Zum Beispiel gibt es dieses Jahr auf jeder Station einen großen Adventskalender mit Teddybären, Süßigkeiten, Kleidungsstücken und vielem mehr, den Freiwillige zusammengestellt haben. Wann der persönliche Kontakt zwischen den ehrenamtlich Aktiven und den Senioren wieder möglich sein wird, ist derzeit fraglich.

"Die wunderbare aktive Zeit hat gerade Pause", bedauert Josef Breunlein von der Stiftung "Aktive Bürger", deren Freiwillige sich vor Corona in fast allen Seniorenheimen im Landkreis Lichtenfels engagierten. Sobald es aber die Gesundheitsauflagen erlauben, soll es wieder weitergehen mit den Unterhaltungsprogrammen vor Ort, berichtet Breunlein.

Struktur und Perspektive

Ein interaktives, musikalisches Unterhaltungsprogramm für die Heimbewohner sei gerade deshalb so wichtig, weil es Senioren Freude und Abwechslung bringt. "Es aktiviert die Menschen wieder dadurch, dass sie in Gesellschaft vertraute Melodien hören", erklärt Josef Breunlein den positiven Effekt auf die Senioren. Darüber hinaus geben die regelmäßigen Veranstaltungen dem Alltag der Senioren Struktur und Perspektive. Dass nach der Corona-Pandemie die Unterhaltungsprogramme der "Aktiven Bürger" wieder Fahrt aufnehmen können, unterstützt der Fränkische Tag mit der Spendenaktion "Franken helfen Franken" (siehe Infobox). Denn obwohl Ehrenamtliche ihre Arbeit unentgeltlich anbieten, fallen für die Stiftung dennoch Kosten an. So müssen beispielsweise die Aktiven versichert werden oder Materialien, wie das Gesangbuch von Peter Hofmann, müssen gedruckt werden.

Auch Alleinunterhalter Peter Hofmann kann es kaum erwarten, dass es wieder losgeht. Es sind für ihn im Wesentlichen zwei Dinge, die er an seinen Musik-Nachmittagen im Seniorenheim schätzt und derzeit vermisst. Im Gegensatz zu regulären Konzerten, wo es allerlei technisches Equipment wie Lautsprecher oder Verstärker aufzubauen und zu verkabeln gilt, braucht er für seine Auftritte im Seniorenheim lediglich seinen Akkordeonkoffer. "Das ist für mich ein Zurück zu den Wurzeln", so Peter Hofmann. Außerdem, und das steht für den Musiker klar im Vordergrund, möchte er den älteren Menschen etwas mehr Lebensfreude in den Alltag bringen: "Allen voran will ich den alten Leuten eine Freude machen. Und wenn man sieht, wie dankbar sie sind ... Zum Schluss, wenn ich da rausgehe, dann sind sie immer so richtig glückselig." Um das zu erkennen, braucht es für Peter Hofmann keine großen Worte oder Gesten. Als er noch spielen konnte, da verabschiedeten ihn die Bewohner mit den Worten: "Kumm fei bald wieder!"

Hilfe Die "Aktiven Bürger" sind eine starke Gruppierung, die in vielen Bereichen des sozialen Lebens Gutes tut. Viele Freiwillige engagieren sich dort ehrenamtlich. Der Erfolg ihres Einsatzes hängt auch davon ab, wie gut man die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit gestalten kann. Wir wollen den Verein darin unterstützen, Sachmittel anzuschaffen. Unsere Leser können mit dabei sein und unter dem Stichwort "Aktive Bürger" einen finanziellen Beitrag leisten. Margit Schreppel ist ein Beispiel dafür: Wenn die Corona-Welle abgeklungen ist, wird sie wieder Märchen in Altenheimen und Kindergarten vorlesen. Damit die Senioren sie besser verstehen können, soll ihr dabei eine Verstärkeranlage helfen.

Spendenverein Die Mediengruppe Oberfranken (mgo) erreicht über ihre lokalen Tageszeitungen wie den Fränkischen Tag sowie digitale Informations- und Service-Portale jeden Tag rund 600 000 Menschen. Außerdem ist die mgo als Multimediaunternehmen mit Tochterfirmen wie dem Marketing-Komplettdienstleister mgo360, den mgo Fachverlagen oder mgo Digital Ventures breit aufgestellt. Diese Vielfalt nutzt die Unternehmensgruppe, um mit dem Spendenverein "Franken helfen Franken" seit 2009 Hilfsbedürftige in ganz Franken zu unterstützen. Alle Spenden gehen zu 100 Prozent an in Not geratene Menschen oder gemeinnützige Organisationen und Projekte in der Region. Die Verwaltungskosten übernimmt die mgo. Insgesamt wurden seit 2009 deutlich über eine halbe Million Euro von "Franken helfen Franken" vergeben.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken -

Franken helfen Franken e.V. Sparkasse Bamberg

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