Auch wenn sie längst nicht mehr betrieben werden, so sind Mühlen vielerorts noch immer fester Bestandteil des Orts- und Landschaftsbildes. Und eine schöne Reminiszenz an die "gute, alte Zeit" sind sie obendrein. Das Müller-Handwerk hat eine lange Tradition. Bereits der Steinzeitmensch bediente sich der Kraft des Mahlsteins. Auch in Alten-kunstadt spielten Mühlen bis weit in das 20. Jahrhundert hinein eine wichtige Rolle.
Angetrieben wurden die Mühlräder dort vom Wasser der Weismain. Der knapp 18 Kilometer lange Bach entspringt in Kleinziegenfeld und mündet am Altenkunstadter Ortsrand in den Main. Die Rohrmühle im Ortsteil Röhrig - vermutlich gab sie dem kleinen Dorf mit seinen derzeit 27 Einwohnern den Namen - gehört zu den historisch bedeutsamsten Bauten des Obermaintals. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie anlässlich der Erwerbung durch das Kloster Langheim 1180. Im 18.
Jahrhundert entstand ein neues Mühlengebäude. In den 1970er Jahren wurden die Reste der Mühlenanlage abgerissen, um für den Bau des modernen Schul- und Sportzentrums Platz zu machen. Zur Erinnerung an das geschichtsträchtige Gebäude erhielt Röhrigs einzige Straße den Namen "Rohrmühle".
Sehr gut erhalten und ein architektonisches Kleinod der Ortschaft ist die Badstuben-Mühle in der Rechtsanwalt-Krauß-Straße. Ihr Name taucht 1390 erstmals in Urkunden auf. Doch woher rührt der originelle Name? "Badstuben oder genauer gesagt ,Mühle bei den Badstuben‘ deshalb, weil im Nachbargebäude, der heutigen Gaststätte ,Preußla‘, die Bürger früher die Möglichkeit hatten zu baden", weiß Ehrenbürger Josef Motschmann, der mit der Geschichte Altenkunstadts bestens vertraut ist. Der schöne Fachwerkbau, der im Besitz der Familie Werner ist, wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach restauriert, da die kunstvolle, reich verzierte Fassade zu verfallen drohte.


Der Zahn der Zeit nagt am Rad

Die Anfänge der Neumühle in der Langheimer Straße reichen in das 17. Jahrhundert zurück. Von der ursprünglichen Anlage ist aber nur noch ein Haus mit Satteldach erhalten. 1994 erwarb die Gemeinde Altenkunstadt das Gebäude, setzte das hölzerne Wasserrad Instand und bereicherte somit den Ort um eine Sehenswürdigkeit. Mittlerweile befindet sich die Neumühle wieder in Privatbesitz. Das Mühlrad, an dem der Zahn der Zeit ganze Arbeit geleistet hat, wurde abgenommen.
Die 1390 urkundlich erstmals erwähnte Steffelmühle, die später in Wiesenmühle umbenannt wurde, wird alten Unterlagen zufolge ab etwa 1450 als "Galgengut" geführt. Der Müller war somit auch "Galgen-Müller". Er war verpflichtet, den Galgen auf dem Galgenberg bei Woffendorf zu betreuen und mit Material zu unterhalten. Ab etwa 1586 teilten sich die Müller der Steffelmühle diese Aufgabe mit denen der Neumühle. "An der Steffelmühle" und "An der Wiesenmühle" - so lauten auch die Namen zweier Straßen in diesem Ortsbereich.
Nach der Kienmühle ist nicht nur eine Straße, sondern auch eine Brücke benannt. Im Ortsteil Woffendorf gab es früher ebenfalls eine Mühle, in der das Müller-Handwerk gepflegt wurde. Altenkunstadts beschauliche Mühlenromantik genießt man bei einem gemütlichen Spaziergang oder bei einer informativen Mühlenwanderung, wie sie vor einigen Jahren der Pfaffendorfer Obst- und Gartenbauverein veranstaltet hat.


Wehmütiges Gedicht

Der technische Fortschritt des 20. Jahrhunderts ließ Mühlsteine und Wasserrad wirtschaftlich bedeutungslos werden. Diese Entwicklung inspirierte den im Mai 2008 verstorbenen Ehrenmedaillenträger der Gemeinde, Adolf Dentsch, dazu, ein Gedicht zu schreiben. Unter dem Titel "Die alte Mühle am Bach" lässt der Hobbypoet seine Gedanken zurückschweifen in seine Kindheit, als in den Mühlen noch Leben pulsierte und wirtschaftliche Betriebsamkeit herrschte. Wehmut, ja fast Trauer, klingt aus den letzten Versen seines Gedichtes. Adolf Dentsch schreibt dort: "Die alte Mühle am Bach steht still, weil der Mensch es so will. Die schweren Mahlsteine ruh'n, haben nichts mehr zu tun. Nur der Wind singt sein Lied und der Bach murmelt mit, eine Eule streicht klagend umher. Ich kann den Wind und den Bach und die Eule versteh'n. Sie erzählen vom Sein und Vergeh'n". bkl