Schmetterlinge, Hummeln und Bienen tummeln sich in Anita Märkls Garten in Oberbrunn. "Ich lasse der Natur in meinem Garten ihren freien Lauf und greife nicht ein." Weil die 48-Jährige auf Kunstdünger verzichtet, hat jede Pflanze die Chance zu wachsen. Und nicht nur aus diesem Grund wurde Märkls Garten als Naturgarten zertifiziert.

Die Gartenzertifizierung "Bayern blüht - Naturgarten" geht über mehrere Jahre. In der ersten Runde wurden sechs Gärten besucht, darunter auch Märkls Garten in Oberbrunn. Die zweite Begehungsrunde soll noch Ende August oder Anfang September stattfinden. "Bei der Aktion handelt es sich um eine bayernweite Initiative, durch die naturnahe Gärten gefördert werden sollen", erklärt Kreisfachberater Michael Stromer. "Naturnahe Gärten sind nicht nur ein Lebensraum für Flora und Fauna. Auch den Menschen tut es gut, in einer natürlichen Umgebung zu wohnen."

Märkl wurde von ihrer Nachbarin bei der Aktion, welche die Umweltstation Weismain und der Landkreis Lichtenfels gemeinsam durchführen, angemeldet. "Ich wusste erst gar nicht, dass es um eine Zertifizierung geht", erzählt die Oberbrunnerin. Sie habe daraufhin einen Brief mit etwa 20 verpflichteten Soll- und Kann-Kriterien erhalten.

Verschiedene Kriterien erfüllen

Um die Auszeichnung zu erhalten müssen, wie Stromer erklärt, einige dieser Kriterien erfüllt werden, zum Beispiel darf kein chemischer Pflanzenschutz eingesetzt werden. Darüber hinaus gibt es einige optionale Kriterien, wie zum Beispiel Honigbienen im Garten zu haben. "Es geht nicht um die Schönheit des Gartens, sondern darum, wie dieser bewirtschaftet wird."

Während der Begehungsrunden werden die Gärten etwa eine Stunde lang von zwei Experten begutachtet. "Die Zertifizierung ist keine akribische Prüfung - wir sprechen unter anderem über die angebauten Obstsorten und tauschen Erfahrungen aus. Im besten Fall können wir die Leute noch beraten", berichtet Stromer. Wer seinen Garten zertifizieren lässt, bekommt eine Urkunde und eine Plakette. "Wer einen naturnahen Garten hat, leistet einen Beitrag zum Klimaschutz."

Verschiedene Kriterien erfüllen

Als Michael Stromer und Helga Dressel, die als "Tomaten-Frau" in der Region bekannt ist vor Ort waren um Märkls Garten zu besichtigen, hatte sie die Gelegenheit, Fragen rund um das Thema zu stellen. "Die beiden haben sich alles angesehen und Notizen gemacht", sagt Märkl. Die Plakette, die sie an ihrem Zaun befestigen kann, und die Urkunde, sind für sie nur ein positiver Nebeneffekt. "Der Garten lebt und das ist schön, es gibt immer etwas zu entdecken", findet sie.

Vor zwei Jahren hat sie einen Blühstreifen mit Wildblumen angelegt. Wie sie berichtet, hat sie hierfür nach einem Vortrag von Stromer extra für diese Gegend geeignete Blumensamen bestellt. "Je nachdem wo man wohnt, sollten ortsspezifische Samen verwendet werden."

Direkt neben dem Blühstreifen wachsen Zwetschgen-, Apfel-, und Birnenbäume. Außerdem hat Märkl einen Nutzgarten, in dem gerade Tomaten, Bohnen und Zwiebeln reifen. Mitten im Nutzgarten blühen eine Tagetes mit auffälligen gelben Blüten und eine Kreuzblättrige Wolfsmilch. "Seit ich die Wolfsmilch im Nutzgarten angepflanzt habe, sind in meinem Garten keine Wühlmäuse mehr - für diese ist die Pflanze giftig", erklärt Märkl den Nutzen der Pflanze, deren Blüten aussehen wie grüne Beeren. Die Tagetes wiederum bekämpft Fadenwürmer im Boden.

Garten macht weniger Arbeit

Weil Märkls Garten sehr naturbelassen ist, hat sie wenig Arbeit. "Das einzige ist das hohe Gras, das mit der Sense gemäht werden muss, weil der Rasenmäher nicht durchkommt", sagt sie. Den Blühstreifen mit den Wildblumen lässt sie stehen. Außerdem gießt sie nicht übermäßig viel. "Wenn es sehr lange trocken ist, gieße ich mal die Blumen." Um dafür Regenwasser aufzufangen, hat Märkl Tonnen aus Metall in ihrem Garten aufgestellt, was auch ein Kriterium für die Zertifizierung war, wie auch der Komposthaufen. "Durch den Komposthaufen gelangt alles wieder in der Kreislauf."

Anmeldung

Kontakt Wer seinen Garten ebenfalls zertifizieren lassen möchte, kann sich an den Kreisfachberater Michael Stromer wenden (Mail: umweltstation@landkreis-lichtenfels.de; Telefon: 09575 / 921455) oder an die Gartenakademie Veitshöchheim (Mail: bay.gartenakademie@lwg.bayern.de).