Thomas Müller ist sauer auf die Politik. Er holt aber nicht zum Rundumschlag aus. Nein, vor allem, dass die Schwächsten der Gesellschaft von unserem Gesundheitssystem im Regen stehen gelassen werden, stört den Apotheker aus Burgkunstadt. Aktuell sehe es nämlich so aus, dass Sozialhilfeempfänger sämtliche Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind, aus ihrem eigenen Geldbeutel bezahlen müssen. Darunter fallen auch die meisten Medikamente gegen Heuschnupfen.

Kerstin K. beispielsweise leidet unter Heuschnupfen, der sich schon zu einem allergischen Asthma ausgeweitet hat. "Das geht bei mir von Frühling bis Herbst", sagt sie. Heuschnupfentabletten habe sie sich deshalb trotzdem nicht immer kaufen können - das Geld war zu knapp. "Dabei ist es sehr wichtig, die Medikamente regelmäßig zu nehmen, sonst kann sich der Heuschnupfen verschlechtern", sagt Thomas Müller.

Der Anteil der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente wächst laut Müller ohnehin. Das liege daran, dass, wenn ein neuer Wirkstoff eingeführt wird, erst einmal geschaut werde, wie er sich in der Praxis bewährt. Bereits kurze Zeit später werde die Verschreibungspflicht aufgehoben. Schlecht für die Armen. "Viele sagen ja, es wäre Aufgabe der Krankenkasse, dieses Problem zu lösen, aber meiner Meinung nach ist es die Aufgabe des Sozialstaates", sagt Müller. Da sich weder Kassen noch der Staat anschicken, die aktuelle Gesetzeslage zu verändern, will er selbst etwas tun. "Für die Menschen vor Ort", wie Müller immer wieder sagt, möchte er sich dafür einsetzen, dass Gesundheit nicht zum Luxusgut wird.

20 Prozent Nachlass auf Medikamente


"Ich kann bestätigen, dass sich viele die Medikamente nicht leisten können", erzählt Helga Mayer, die sich bei der Tafel in Burgkunstadt engagiert. Gerade Familien treffe das. Seit längerem beobachtet Müller deshalb bereits bestehende Projekte, in denen mit der Tafel zusammengearbeitet wird. Dabei gewähren Apotheken den hilfsbedürftigen Kunden der Tafel einen Rabatt auf ihre nicht verschreibungspflichtigen Medikamente. Deshalb ging er auf Helga Mayer zu, die in Burgkunstadt gemeinsam mit anderen Helfern Lebensmittel an Bedürftige verteilt. "Das Problem der Medikamentenkosten betrifft ja hauptsächlich den Kundenkreis der Tafel", erklärt sie. Der Grund: Um überhaupt Lebensmittel von den Tafeln bekommen zu können, muss ein Einkommensnachweis geleistet werden. Nur so kann man sich bei der Stadt als hilfsbedürftig registrieren lassen.

In Zukunft können alle Leute, die einen Tafelausweis haben, zum Arzt gehen und sich dort ein Rezept ausstellen lassen. "Die Leute brauchen ein grünes (Privat- )Rezept, wenn sie den Rabatt haben möchten. Sie müssen also zum Arzt, der ihnen attestiert, dass sie das Medikament auch wirklich benötigen", erklärt Müller. Gemeinsam mit Ausweis und Rezept bekommen sie in der Apotheke von Thomas Mülller dann einen Nachlass von 20 Prozent auf die Medikamente - aus seiner eigenen Tasche. "Es müssen allerdings Arzneimittel sein", betont Müller. Nahrungsergänzungsmittel oder Ähnliches bezuschusse er nicht. Auch wenn er ein Medikament im Preis reduziert hat, gibt es die 20 Prozent nicht obendrauf. Müller weiß, dass es andernorts Nachlässe von bis zu 50 Prozent für Sozialhilfeempfänger auf Medikamente gibt. Das könne er sich für die Zukunft auch gut vorstellen, aber nur, "wenn das andere Sponsoren auch unterstützen".

Einen riesigen Ansturm wird es wahrscheinlich nicht auf Thomas Müllers Apotheke geben, denn im gesamten Landkreis Lichtenfels gibt es im Moment nur 100 Tafelausweise, die entweder Einzelnen oder Familien gehören.