Mit voller Wucht sich anrempeln zu lassen, ist normalerweise nicht so schön. Und Mitmenschen zu schubsen, geziemt sich eigentlich ebenso wenig. Wie gesagt - eigentlich. Anders sieht es freilich aus, steckt man inmitten eines riesigen luftgefüllten und somit wunderbar abfedernden Body-Airbags. In die kurios anmutenden "Loopy-Bälle" schlüpften am Mittwoch rund 20 Kinder bei der von der Caritas-Tagesstätte Sankt Anna des Heilpädagogischen Zentrums in Lichtenfels angebotenen Ferienaktion.

Das Besondere an der Veranstaltung im Rahmen des Ferienprogramms des Kreisjugendrings war der integrative Charakter. Genauso viel Spaß wie den 14 Jungen und Mädchen, die sich angemeldet hatten, bereitete das Ganze den in der Caritas betreuten Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Doch ob mit oder ohne Handicap, das spielte in den fröhlichen Stunden überhaupt keine Rolle. Gemeinsam Spaß haben war angesagt - und dafür scheinen die lustigen Loopy-Bälle wie geschaffen.


Sicherheit ging vor

Ob der zehnjährige Lukas, die elfjährige Sara oder Elias und Mario von der Caritas-Tagesstätte - aus den Mienen der Kinder sprach das schiere Vergnügen, als sie in die von gewieften Erfindern erdachten tollen Spielgeräte schlüpften. "Sport und Spaß verbinden eben", weiß Physiotherapeut Dominik Woitschitzke, der zusammen mit fünf weiteren Mitarbeitern der Tagesstätte den jungen Teilnehmern eine kurze Einweisung gab. Doch diese gestaltete sich unspektakulär. "Das Wichtigste ist das Anlegen der Gurte", war Woitschitzke auf Sicherheit bedacht.

Weil der Kopf der Kinder aus der "Luftblase", in welcher sie steckten, nicht herausragte, war das Umfallen absolut ungefährlich. Ganz im Gegenteil - wurde man angerempelt, war die beste Reaktion, sich einfach zurückrollen zu lassen und das Umfallen quasi in einen Rückwärts-Handstand zu verwandeln.

Den Auftakt bildeten Fußballspiele fünf gegen fünf. Mit dem Kicken à la Bastian Schweinsteiger hatte dies herzlich wenig zu tun - aber genau das machte den Reiz aus. Umso frenetischer wurde jeder erzielte Treffer bejubelt.


Viele Spielvarianten

Bei "Schutz des Königs" bestand das Ziel darin, den vorab ausgewählten Königsspieler in das gegnerische Tor zu geleiten. Dass das Umwerfen des Königs der anderen Mannschaft zum Gewinn verhalf, verlieh dieser Spielvariante zusätzlich Pep. Heiterkeit und Bewegungsfreude gaben sich ebenso die Hand beim Kegeln, wobei jeweils ein Team sich als solche aufstellte und nach Kräften versuchte, den von der heranstürmenden "Kugeln" standzuhalten
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Dass die verfügbaren Loopy-Bälle nicht für alle 20 Teilnehmer ausreichten, war überhaupt kein Problem. Schließlich bereitet in diesem Fall das Zuschauen ebenso viel Freude.

Die Kinder tobten sich auf dem für die Aktion genutzten Sportplatz nahe der Caritas-Tagesstätte nach Herzenslust aus. Da wird man freilich hungrig, und es traf sich gut, dass die Ferienaktion ein gemeinsames Essen im Heilpädagogischen Zentrum als Ausklang vorsah. "Wir können das Buch selber schreiben, es gibt genug freie Seiten", ertönte als musikalische Untermalung des fröhlichen Treibens aus dem Lautsprecher das bekannte Lied von Mark Forster. Bunt wie ein Regenbogen war die Tinte der schönen kleinen Geschichte, die an diesem Mittwoch in Lichtenfels geschrieben wurde.