Lebensräume verbessern, Wildtiere fördern, Menschen und Natur verbinden": Das ist das Motto der neu gegründeten Wildlebensraumberatung der bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Um die Förderung regional voranzutreiben, wurden zu Jahresbeginn für jeden der sieben Regierungsbezirke in Bayern sogenannte Wildlebensraumberater eingestellt.

Der für Oberfranken zuständige Matej Mezovsky hat die Arbeit am 15. Januar am Fachzentrum Agrarökologie im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bad Staffelstein aufgenommen. Seine primäre Aufgabe besteht darin, neue Freiflächen und Vernetzungen in der Flur zu schaffen, um die Lebensbedingungen für Wildtiere in der Agrarlandschaft zu verbessern.

Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet der gelernte Forstwirt und Master-Absolvent für Zoologie und Wildtiermanagement eng mit Landwirten, Jägern und Jagdgenossen zusammen. Da sich die Bedürfnisse von Bauern und Jägern nicht immer decken, muss der gebürtige Slowake die beiden Parteien an einen Tisch bringen und nach Lösungen suchen: "Jäger haben Interesse, neue Lebensräume zu schaffen und Landwirte möchten natürlich möglichst viel erzeugen", sagt Mezovsky. "Das ist auch ihr gutes Recht, schließlich müssen sie davon leben."
Idealerweise findet der Wildlebensraumberater landwirtschaftliche Flächen, die aufgrund der natürlichen Beschaffenheit für die intensive Bewirtschaftung eher ungeeignet sind. Stellen die Landwirte derartige Flächen für neuen Lebensraum zur Verfügung, werden sie durch das Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) der Regierung mit entsprechenden Ausgleichszahlungen gefördert.

Die Möglichkeiten aufzeigen

Fördermodelle und Bewirtschaftungsvarianten stellt Mezovsky den Landwirten in seinem Büro in Bad Staffelstein vor. Zu nennen sind hier unter anderem die Schaffung von Wildäckern, extensive Weidewirtschaft oder der Anbau von Zwischenfrüchten. Letzteres empfiehlt Mezovsky besonders im Winter: "Durch die Winterbegrünung entsteht ein Erosionsschutz und neuer Humus wird aufgebaut." Das wiederum begünstige die Artenvermehrung. Für viele Tiere sei es wichtig, sowohl im Wald als auch im Freiland Rückzugsgebiete zu haben: "Wenn Rehe auf der Feldflur einen Lebensraum finden, nehmen die Schäden im Wald in Form von Verbiss und Verjüngung deutlich ab", so Mezovsky.

Auf den Feldern richte Rehwild im Gegensatz zu Wildschweinen nur selten Schaden an: "Wildschweine brauchen viele tierische Eiweiße und sind deshalb immer auf der Suche nach Würmern oder Insektenlarven. Dabei wird im Sommer schon mal ein ganzes Maisfeld umgepflügt", sagt er. Wildschweine fallen daher auch nicht in die Kategorie der schützenswerte Tiere. In diese gehören vielmehr Feldhasen, Rebhühner, Singvögel oder Bienen.

Nach zwei Monaten in der Funktion als Wildlebensraumberater zieht Mezovsky ein positives Fazit: "Es wird nie langweilig, weil ich einerseits die wissenschaftliche Arbeit im Büro habe und andererseits im Außendienst, in der Natur und in den Betrieben bin."

Arbeitsbereich ganz Oberfranken

Bis jetzt hat Mezovsky bereits rund 15 Landwirte in den Landkreisen Lichtenfels und Coburg beraten. In den kommenden Monaten wird der Arbeitsbereich des Wildraumberaters auf ganz Oberfranken ausgeweitet. "Auch der kleinste Regierungsbezirk in Bayern kann ganz schön groß sein", fügt Mezovsky schmunzelnd hinzu.