"Wir wollten eine Kirche bauen, in die Menschen immer kommen können - in Freud und Leid." 57 Jahre ist es her, dass Professor Karl Pfeiffer-Haardt das sagte. 1955 war er federführend beim Bau der Dreieinigkeitskirche. Heute ist sie mehr denn je eine Kirche für die Menschen, suchen dort zahlreiche Einheimische, Urlauber und Radwanderer Ruhe zum Erholen, Nachdenken oder Beten. Doch auch an dem Gotteshaus nagt der Zahn der Zeit. In dieser Woche begannen umfangreiche Sanierungs- und Renovierungsarbeiten.
Pfarrer Matthias Hagen sitzt ruhig und entspannt auf einer Kirchenbank, lässt die Kirche auf sich wirken und erinnert sich. Zwei Jahre sind vergangen, seitdem die Kirche selbst "plauderte". Beim Kirchweihgottesdienst 2010 erzählte er von "einem nächtlichen Besuch". Hinter dem Altar versteckt, personalisierten Pfarrer Helmuth Bautz und Pfarrerin Sabine Schmid-Hagen als "nächtlicher Besucher" und "Dreieinigkeitskirche" das (Predigt-) Rollenspiel: Während der Kirche die Jahre in den Steinen stecken, sie sich an manchen Stellen "ein bisschen neue Schminke" wünsche, von der Größe einer Basilika schwärme und ab und an mit Selbstzweifeln und manchem "ach naja" kämpfe, ermutigte sie der sich als Jesus Christus entpuppende nächtliche Gast.

Schlichtheit und Ruhe


"Die Kirche ist für uns Heimat geworden. Wir profitieren von der Atmosphäre. Es kommen viele, die von der Schlichtheit, Konzentration und Ruhe begeistert sind", sagt Pfarrer Hagen. "In ihrer Form, ihren Türmen, der Decke und den Leuchtern wird die Dreiheit eingehalten." Mit der "Konzentration aufs Wesentliche" sei sie ein Gegenentwurf zu vielen Gotteshäusern. "Es ist wichtig, dass dieser einmalige Charakter erhalten bleibt."
Wichtigster Punkt auf der Agenda: die elektrischen Anlagen. "Sie sind völlig veraltet. Sie entsprechen nicht mehr den sicherheitsrechtlichen Anforderungen. Im Kirchengebäude sind überall die Original-Elektroleitungen, Schalter und Steckdosen aus den 1950er Jahren. Daran sind in den letzten Jahren immer häufiger Schäden aufgetreten. Sie wurden zwar repariert, aber die Ausbesserungsarbeiten haben Spuren hinterlassen. Öfter fallen auch die Beleuchtungen aus." Eine zeitgemäße Lautsprecheranlage soll folgen.
Hernach wird der Kirche aufs Dach gestiegen. "Das pyramidenförmige Dach der Dreieinigkeitskirche fällt im Maintal von weitem auf. Noch besser wäre es, wenn es an allen Stellen dicht wäre", so Pfarrer Hagen ironisch. "Manche Schiefer sind nach dem Winter verrutscht oder gebrochen. Sie müssen gerichtet oder ersetzt werden. Die Dachanschlüsse zu den drei Glockentürmen sind schadhaft. Wasser ist bereits eingetreten. Es sucht sich seinen Weg und schädigt dabei Mauerwerk und Dachstuhl. Da muss schnell gehandelt werden."
Schließlich kommt angesprochene ‚Schminke‘: "An einzelnen Stellen sind Risse, Schäden im Putz oder offene Stellen im Mauerwerk aufgetreten. Die Fenster müssen abgedichtet werden. Dazu wird der gesamte Innenraum bis auf das Altarbild von Professor Kaspar aus München neu gestrichen", zählt Pfarrer Hagen auf.
Freilich benötigen die anstehenden Maßnahmen einige Zeit. "Bis zur Kirchweih am 14. Oktober soll alles fertig sein."
Etwa 148 000 Euro wird die Renovierung der Dreieinigkeitskirche kosten. "Zum Glück haben wir in den letzten Jahren 20 000 Euro Rücklagen gebildet. Von der Landeskirche erhalten wir 60 000 Euro Zuschuss. Es fehlen aber noch rund 68 000 Euro", rechnet Pfarrer Matthias Hagen vor. Die evangelische Gemeinde sei auf Spenden angewiesen. Informationen gibt das Pfarramt am Georg-Herpich-Platz 3 unter 09573/232.
Bis zum Abschluss der Arbeiten weicht die Kirchengemeinde in den Gemeindesaal aus. "Bestimmt gibt es weitere kreative Ideen, wo man im Sommer Gottesdienste feiern kann - auch ökumenische", ist sich Pfarrer Hagen sicher. "Vielleicht am alten Taufstein, auf dem Kirchplatz, im Kindergarten oder in der Kirche in Herreth. Unsere Mesnerin Anni Herbst bekommt das bestimmt in den Griff."