Der Lockdown im Frühjahr war ein Stresstest für die digitale Ausstattung: Kann der Schulalltag auch virtuell stattfinden? Es gelang und gelingt unterschiedlich, je nach vorhandenem Equipment. Da ist noch viel Luft nach oben. Den Gemeinden wird als Sachaufwandsträger einiges abverlangt, auch wenn der Staat letztlich die Kosten zu 90 Prozent erstattet.

Eines stellt Schulamtsdirektorin Stefanie Mayr-Leidnecker aber fest: Gerade die jungen Lehrer seien bewundernswert fit im Umgang mit den modernen Medien, und sie reißen oft ältere Kollegen mit.

Teamgeist gefordert

Ein Team, das mitzieht, durfte auch Yvonne Kern erleben. Sie leitet seit vier Jahren die "Grundschule Lichtenfels im Leuchsental". Die kleine Schule im Stadtteil Roth bekam wenige Wochen, bevor die Pandemie um sich griff, einen Koffer mit 16 iPads. Die wurden gleich eingesetzt, was sich auszahlte. Als es nötig wurde, gelang es, mit den Kindern Videokonferenzen zu machen und Unterricht auf diese Weise zu halten - früher als in manchem Gymnasium. Offenkundig wurden allerdings Mängel in der Infrastruktur, gerade auf dem Jura. "Man hätte schon vor vielen Jahren die Leitungen ausbauen müssen", stellt die Rektorin fest. "Wir haben in Deutschland hier wirklich viel verpasst."

Inzwischen ist die Zahl der verfügbaren iPads an der Schule auf 28 gestiegen. Noch immer nicht genügend, wie Kern findet. Sie hätte gern eines für jeden der 68 Schüler. Geübt wird aber schon jetzt eifrig. Die Technik einzusetzen beherrschen Kinder schnell. Sie drehen Filme, vertonen, versenden, gehen dabei an den Geräten oft schneller und intuitiver vor als mancher Erwachsene. Medienkompetenz bedeutet aber etwas anderes.

"Es gilt auch, ihnen ein Bewusstsein für die Risiken zu vermitteln", sagt Yvonne Kern. Es bestehe die Gefahr, in eine Spirale der Sucht hineinzurutschen oder von Cybermobbing und Missbrauch betroffen zu werden. "Das passiert zuhauf." Sie weiß das nicht zuletzt von ihren Söhnen. Auch über einen ihrer Schüler sei einmal in einer Whatsappgruppe hergezogen worden.

Über Datenschutz und Moral

Von anderen unerlaubt Fotos machen und ins Internet stellen ist nicht nur ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz. Es zeigt auch moralische Defizite. Deshalb gibt es neben dem Ausprobieren und Üben auch viel mit den Kindern zu besprechen. Welche Gefahren lauern im Internet? Wie schnell kann ein Passwort geknackt oder ein Bild über die ganze Welt verbreitet werden? Solchen Fragen gingen Rother Schulklassen in dem Projekt "Netzgänger" auf den Grund. Die Kooperation mit dem Gymnasium Burgkunstadt wurde vom Coronavirus ausgebremst. So bleibt es eine Aufgabe der Schule vor Ort, Aufklärungsarbeit zu leisten, auch Nachteile aufzuzeigen.

Die Nutzung digitaler Medien sei ganz klar ein Zeitfresser, merkt Yvonne Kern an, sie koste Strom und Geld. Negative Auswirkungen auf Augen und Gehirn spricht sie ebenfalls an. Deshalb ist ihr ein "analoger Ausgleich" wichtig: In der Natur sein, Dinge mit allen Sinnen erfassen, und ganz normaler Unterricht ohne mediale Berieselung.

Mit diesem Konzept erhofft man sich in Roth, den Kindern zu bestmöglicher Medienkompetenz zu verhelfen. Auf die Frage, was es aus ihrer Sicht dringend bräuchte an den Schulen, muss die Rektorin nicht lange überlegen: IT-Leute, die die Wartung und Aktualisierung der Geräte übernehmen. Als Lehrer - auch wenn man, wie sie es von sich sagt, den technischen Neuerungen sehr aufgeschlossen gegenüber steht - könne man das nicht mehr stemmen. Und: "Man müsste viel mehr Elternschulungen machen."

Interview: Enormer Aufwand, um Schulen ausstatten zu können

Die Redwitzer Albert-Blankertz-Schule trägt seit 2016 das Prädikat Referenzschule zur Medienbildung. Das gelang durch ein eigens erarbeitetes Konzept sowie großes Engagement der damaligen Schulleiterin Elvira Tischler und Kollegen. Darunter war auch ihr Nachfolger, der heutige Schulleiter Christian Förtsch, mit dem wir über die Entwicklung seither sprachen.

Herr Förtsch, Ihre Schule hat in der Nutzung digitaler Medien im Unterricht eine Vorreiterrolle eingenommen. Was hat sich seither im Alltag verändert?

Christian Förtsch: Das Thema Digitalisierung ist eigentlich erst in den letzten zwei Jahren mit der von Bund und Ländern angestoßenen Förderung so richtig hochgekocht. Wir haben bei uns schon Lehrerfortbildungen für Kollegen anderer Schulen gemacht, über Ausstattung und Anwendungsmöglichkeiten informiert. Es gibt ja einen riesigen Markt an digitalen Unterrichtsangeboten, den man durchforsten müsste, um herauszufinden, was für einen selbst brauchbar ist.

Muss man als Lehrer heute eine Affinität zu digitalen Lehrmethoden haben?

Ohne geht es eigentlich nicht mehr. Alles auf das Thema Digitalisierung auszurichten und zu glauben, dass dann alles besser wird, wäre jedoch die falsche Herangehensweise. Die Schüler brauchen eine Grundkompetenz im Lesen und Schreiben, sonst können sie keine Medienkompetenz erlangen. Wir müssen anhand des Lehrplanes immer wieder aufs Neue schauen, wo wir welche Medien sinnvoll nutzen und einbinden können.

Wie finden Eltern und Schüler die neuen Angebote?

Die Schüler sind mit Begeisterung dabei. Wir haben schon für Drittklässler eine sogenannte Medien- und Computer-AG eingerichtet. Viele Eltern sind heilfroh, dass wir das Thema Medien jetzt stärker beleuchten und beispielsweise auch über Gefahren im Internet aufklären, die Jugendliche betreffen.

Würden Sie zustimmen, dass ein Glasfaseranschluss und nicht WLAN grundlegende Ausstattung für eine Schule ist?

Mit dem Glasfaseranschluss hatten wir ein Riesenglück, dass den die Gemeinde Redwitz vor Jahren schon gelegt hatte. Wir hatten dann kein WLAN sondern ein LAN-Netzwerk in allen Klassenzimmern und Fachräumen.

WLAN soll jetzt zusätzlich im gesamten Schulgebäude installiert werden, die Ausschreibung dafür läuft.

Welche Hürden gibt es noch im Hinblick auf die Digitalisierung?

Die Öffentlichkeit wundert sich immer, dass viele Schulen noch nicht so weit sind. Aber es ist Wahnsinn, was für Schritte nötig sind, um irgendwelche Geräte endlich in der Schule zu haben. Was der Sachaufwandsträger leisten muss, um eine Ausschreibung hinzubekommen und an Gelder heranzukommen!

Wir haben glücklicherweise eine Firma, die uns berät, als sehr guten Partner gefunden. Wenn das ein Schulleiter allein machen soll... Da brauchen wir uns echt nicht zu wundern, dass wir nicht schneller vorankommen.

Auch der Datenschutz ist für die Schulen kein einfach gestricktes Thema.