Der November zeigt sich von seiner tristen, kalten und regnerischen Seite. Im Bienenhaus ist Ruhe eingekehrt. Ein leises Summen durchbricht die Stille. Vorsichtig hebt Klaus Müller den Deckel eines Kastens. Der Mainecker Imker inspiziert eines seiner elf Völker.

In den Wabengassen tummeln sich die sozial lebenden Insekten. Müller freut sich: "Alles in Ordnung." Die Tiere fühlen sich in Maineck wohl. In dem Ort mit seiner kleinstrukturierten Landwirtschaft ist der Tisch für die kleinen Brummer reich und abwechslungsreich gedeckt: Wiesenblumen wie Krokus oder Löwenzahn, die Blüten der Sommerlinde, gelbe Rapsfelder und viele Obstbaumblüten bilden Nahrungsquellen für die emsigen Honiglieferanten. Das Ergebnis ihrer Arbeit - ein mild-aromatischer Blütenhonig sowie ein würziger Wald- und Blütenhonig - bescherte dem Herrn über die Bienen jüngst eine Goldmedaille beim Bayerischen Imkertag in Weiden.

Jury machte den Geschmackstest

Das Außergewöhnliche daran: Klaus Müller hatte zum ersten Mal an der Prämierung teilgenommen und konnte sogleich die zweithöchste Auszeichnung erringen. Eine Fachjury begutachtete seinen Honig. Bewertet wurden unter anderem Geruch, Geschmack und Zustand des süßen Brotaufstrichs.

"In sechs von sieben Kategorien erzielte ich die Höchstpunktzahl, nur bei der Aufmachung gab es einen kleinen Abzug", erzählt der Imker. Immer wieder hatte er sich in den vergangenen Jahren vorgenommen, an dem Wettbewerb teilzunehmen - und in letzter Minute doch gekniffen. Heuer aber machte Klaus Müller Nägel mit Köpfen, getreu dem Motto: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt."

Jährlich erntet Klaus Müller pro Volk, das im Winter 10.000 und im Sommer 60.000 Tiere umfasst, rund zehn bis 20 Kilogramm Honig. Geerbt hat der 51-Jährige seine Freizeitbeschäftigung, die der kaufmännisch-technische Angestellte im Nebenerwerb betreibt, von seinem Großvater Sebastian Müller. Ein alter Bienenkorb aus dem Jahr 1883, den einst sein Vorfahr benutzte, ist stummer Zeuge einer rund 100-jährigen Imkertradition in Maineck.

Das Hobby vom Opa übernommen

"Ich bin mit der Imkerei großgeworden. Als mein Opa 1977 starb, war es für mich keine Frage, die Honigproduktion zu übernehmen", sagt Klaus Müller. Das nötige Fachwissen eignete er sich bei einem Anfängerkurs an der Bayerischen Landesanstalt für Bienenzucht in Erlangen an. Durch die regelmäßige Lektüre von Fachliteratur hält sich der Mainecker auf dem Laufenden. Zudem schätzt er das Gespräch mit Kollegen im Imkerverein Burgkunstadt und Umgebung, wo er Schriftführer und Kassier ist.

Klaus Müller ist fasziniert von der großen Lebensleistung, die die kleinen Tiere vollbringen. "Sie sind ein Wunderwerk der Natur. Am Tag legen sie mehrere Kilometer zurück,während sie Nektar saugen und Pflanzen bestäuben." Bienen seien für den Kreislauf der Natur von existenzieller Bedeutung; das habe auch Albert Einstein gewusst, der sagte: "Wenn Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben."

Ohne Bienen stoppt der Kreislauf

"Bienen bestäuben die Blüten", sagt Klaus Müller, "und ohne die Blüten gäbe es kein Obst. Es würde eine Lücke im natürlichen Kreislauf klaffen, die zum Wegfall von Ernährungsgrundlagen führte." Immer wieder geistert die Meldung vom Bienensterben durch die Medien. Schuld daran ist vor allem die Varroamilbe, die 1978 den Weg nach Deutschland fand. Diese Parasiten saugen an den Bienenlarven, sodass sie sich nicht entwickeln und absterben. Zudem werden Viruskrankheiten übertragen, die die Bienenvölker schwer schädigen.

Auch Klaus Müller hat mit der Milbe zu kämpfen: Aus einem Bienenkasten zieht er ein Schubfach mit einem weißen Blatt Papier hervor. Der Imker zeigt auf kleine braune Punkte, die wie Zecken ausschauen: "Das ist die gefürchtete Varroamilbe." Mit regelmäßigen Kontrollen und natürlichen Mitteln wie der Oxalsäure versucht er die Schädlinge zu besiegen.

Die Schädlinge ganz aus seinen Bienenvölkern zu vertreiben, ist ihm noch nicht gelungen. "Zusammen mit anderen Faktoren, wie einer strengen Witterung oder dem natürlichen Tod der Tiere, trägt die Milbe dazu bei, dass es bei meinen Bienenvölkern jährlich zu einem Verlust von rund 25 bis 30 Prozent kommt." Der Experte hält deshalb eine gute Völkerpflege für das A und O.

In den Chor der Schwarzmaler reiht sich Müller nicht ein. An ein Aussterben der Honigbiene mag er mit Blick auf das reichhaltige Blütenangebot am oberen Maintal nicht so recht denken. Damit die Imkerei auch in Zukunft noch goldenen Boden habe, gelte es, die Nachwuchsarbeit nicht aus den Augen zu verlieren. Der 51-jährige möchte sein Hobby noch viele Jahre fortführen: "Ein Leben ohne meine summenden Freunde kann ich mir derzeit nicht vorstellen."