Der Wolf ging um in Lichtenfels, aber nicht lange, denn nach einer halben Stunde hatte Peter ihn eingefangen, seinen Freund, den kleinen Vogel, und die Ente gerettet.
16 Kinder der Musiktheatergruppe der Heinrich-Faber-Musikschule brachten gestern Vormittag das bekannte musikalische Märchen "Peter und der Wolf" von Sergei Prokofjew auf die Bühne der ehemaligen Synagoge. Vor ziemlich genau 80 Jahren wurde das Stück uraufgeführt, seitdem erfuhr es zahlreiche Aufführungen und Bearbeitungen.


Modern mit lokalem Bezug

Umso erfrischender, dass Stella von Arnold-Havadi eine moderne Fassung mit Lokalkolorit geschaffen hat, in der die Ente lieber im Teich badet als im überfüllten Zapfendorfer Freibad und der Wolf ein neues Zuhause im Tambacher Wildpark finden darf. Nach den Osterferien begann Arnold-Havadi mit den Kindern, die zwischen sechs und zehn Jahre alt sind, zu proben.
Die Kinder hatten sichtlich Spaß bei der Darstellung der Geschichte und zeigten sich stolz den zahlreichen Zuschauern.
Nach einer Einleitung durch Felix Eitzenberger (Posaune), Leo Schröder (Trompete) und Jonathan Mayer (Trommel) und einer kleinen Ansage von Tara Scholl betraten die Darsteller und Musiker die kleine Bühne der Synagoge.

Annika Neumann gab gekonnt den jungen Peter, der von seinem Großvater (Christoph Gagel) zur Vorsicht ermahnt wird, da ein Wolf im Wald wohnt. Peter ist ganz unbekümmert und schleicht sich eines Morgens, als sein Großvater noch schläft, in den Garten. Er öffnet das Gartentor, was die Ente (Laura Wachter) als Einladung versteht: "Ich wollte in dem kleinen Teich hier auf der Wiese baden. Das Freibad in Zapfendorf ist ja gerammelt voll", freut sie sich. Ganz bezaubernd ist der Disput der Ente mit dem kleinen Vogel, dargestellt von Matei Tabus, der mit seinem bunten Kostüm seine Runden auf der Bühne dreht. Statt des Wolfes nähert sich zunächst ein anderes Raubtier und nimmt den Vogel ins Visier: die Katze (Letitia Kaltwasser).

Der Großvater mahnt Peter, das Gartentor offen gelassen zu haben. Außerdem müsse er noch eine halbe Stunde Klavier üben. Dann kommt der Wolf (Daniel Krajcik), verschlingt die Ente und jagt den kleinen Vogel: "Die Ente hat sehr gut geschmeckt, sie war genau richtig gewürzt, aber der kleine Vogel schmeckt bestimmt noch besser, ist noch zarter als die Ente!" Doch Peter kommt seinem Freund zu Hilfe und zusammen gelingt es ihnen, den Wolf mit einem Lasso zu fangen.

Zwei Jäger (Leo Nickel und Laurentia Pastore), die schon seit Tagen nach dem Wolf suchen, kommen dazu. Peter kann sie davon abhalten, den Wolf zu erschießen, denn der hat schließlich noch die Ente im Leib. So hastig hat er sie heruntergeschluckt, dass sie immer noch lebt. Peter und die Jäger schütteln den Wolf, bis der die Ente wieder ausspuckt.


Ente wird gerettet

Am Ende wird alles gut: "Die Ente ist gerettet! Jetzt können wir den Wolf in den Zoo nach Tambach bringen. Ihr zwei, kleines Vögelchen und watschelnde Ente, ihr sollt euch nie mehr zoffen, du Kätzchen sollst den Vogel nicht mehr ärgern", sagt Peter zu seinen Freunden.

"Peter und der Wolf" ist eine schöne Geschichte, die ohne Prokofjews Musik nur halb so schön wäre. Nicole Nassel (Blockflöte), Vanessa Wiemann (Akkordeon), Elisabeth Mahr (Geige), Paulina Hohmann (Querflöte) und Tara Scholl (Gitarre) begleiteten die verschiedenen Figuren auf ihren Instrumenten. Um Kinder mit den Instrumenten eines Sinfonieorchesters vertraut zu machen, ist jeder Figur ein Instrument zugeordnet. Allerdings ist die Lichtenfelser Besetzung etwas abgewandelt, da nicht alle Instrumente eines Sinfonieorchesters vertreten sind. Das Original sieht unter anderem auch Fagott und Oboe vor. Die Musiktheatergruppe der Musikschule bot ein kleines buntes Spektakel, das Darstellern wie Publikum viel Freude bereitete.