Vertauschte Rollen: Beim Praxistag in der Maschinenfabrik Fischer in Burgkunstadt, die Cordschneideanlagen für die Reifenindustrie herstellt, werden aus Paukern Pennäler und aus Lehrlingen Lehrherren.

Insgesamt 14 Pädagogen und Schulräte aus den Landkreisen Kulmbach und Lichtenfels tauschten am Mittwochnachmittag die Schulbank gegen die Werkbank, getreu dem Spruch aus Goethes Faust: "Grau ist alle Theorie und grün des Lebens goldner Baum." Die Lehrer streiften sich also den Blaumann über, setzten sich die Schutzbrille auf und lernten hautnah aus dem berufenen Munde von Lehrlingen und jungen Gesellen zwei anspruchsvolle Berufe kennen: den Konstruktionsmechaniker und den Zerspanungsmechaniker.

"Welche Fräsköpfe verwenden Sie?", fragt Förderlehrer Karl-Heinz Jäger von der Herzog-Otto-Schule aus Lichtenfels den jungen Mann, der gerade eine computergesteuerte Fräsmaschine bedient. Fachmännisch erläutert Igor Wir aus Altenkunstadt dem Gast eine ganze Palette an Köpfen in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Jäger freut sich, einen Nachmittag lang über den Tellerrand der Schule hinauszublicken und nach Jahrzehnten wieder einmal Praxisluft zu schnuppern.

Erinnerungen an das Praktikum


"Als ich die elfte Klasse der Fachoberschule besuchte, absolvierte ich vor über 30 Jahren in der Metallwerkstatt der Berufsschule Bamberg ein Praktikum", erinnert sich der Mittelschullehrer. Inzwischen hat sich viel getan, haben neue innovative Methoden und computergesteuerte Maschinen, Einzug gehalten in die Metallindustrie. Davon bekommen die Pädagogen bei ihrem Rundgang durch das Unternehmen, das Weltmarktführer im Bereich der Cordschneideanlagen ist, jede Menge zu sehen.

Nicht nur hinschauen, sondern auch mitmachen ist beim Praxistag angesagt. Die Lehrer und Lehrerinnen sind mit Feuereifer bei der Sache: Sie bohren, feilen, hämmern, sägen, schweißen Winkelbleche, fertigen mit einer 80 Tonnen schweren Richtpresse Schlüsselanhänger, in die ihr Name eingraviert ist.

Der Blick, den sie hinter die Kulissen eines mittelständischen Unternehmens mit derzeit 470 Mitarbeitern werfen können, ist es, der sie angetrieben hat, an dem Praxistag mitzumachen. "Lehrer, die Praxisluft geschnuppert haben, können Schülern im Unterricht einen bestimmten Beruf viel besser vorstellen", spricht Kristin Haseneder, die an der Carl-von-Linde-Realschule in Kulmbach die Fächer Werken, Kunst und Informationstechnologie unterrichtet, allen Teilnehmern aus der Seele. Sie hält es für wichtig, junge Leute für Handwerk und Technik zu begeistern, denn: "Ohne diese Bereiche würde unsere moderne Gesellschaft nicht mehr funktionieren."

Vorteile für Unternehmen


Die Gäste erfahren, welche Anforderungen, Fertigkeiten, Kenntnisse und Tätigkeiten an die beiden Berufe Konstruktions- und Zerspanungsmechaniker gestellt werden. Das weiß auch das Unternehmen zu schätzen. "Für uns ist es wichtig, die Lehrer mit ins Boot zu holen. Wenn man sieht, was alles hinter bestimmten Berufen steckt, kann man junge Leute, die für diese Tätigkeiten geeignet wären, auch besser dafür motivieren", sagt Ausbildungsleiter Markus Petterich. Hinter dieser Einstellung steckt auch ein gesunder Selbstzweck. Der Ausbilder hofft, dass dadurch der eine oder andere Schüler dazu bewogen wird, eine Lehre bei der Maschinenfabrik Fischer zu beginnen.

Wie empfinden es die jungen Leute, einen Nachmittag lang in die Rolle von Lehrherrn schlüpfen zu dürfen? "Es macht Spaß, anderen Leuten das in Betrieb und Berufsschule erlernte Wissen zu vermitteln", sagt Jens Schwämmlein. Der 18-Jährige aus Beikheim im Landkreis Kronach, der eine Lehre zum Konstruktionsmechaniker macht, war auch schon beim Praxistag für Schüler, der Ende März stattgefunden hat, mit von der Partie. Worin sieht er den großen Unterschied zwischen den beiden Praxistagen? "Die Lehrer verfügen über mehr Hintergrundwissen als die Schüler. Ein Mathe- und Physiklehrer kann viel tiefer einsteigen in die Materie."