Isgesamt 320 Flüchtlinge leben momentan im Landkreis, in den Gemeinschaftsunterkünften in Lichtenfels und Weismain sowie in dezentralen Wohnungen und Häusern im ganzen Landkreis. Seit kurzem sind darunter auch zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, eine spezielle Jugendeinrichtung soll innerhalb der kommenden Monate geschaffen werden.

Pro Woche kommen sechs bis neun weitere Flüchtlinge im Landkreis an. "Das bedeutet, dass Ende des Jahres über 600 Asylbewerber hier im Landkreis leben könnten", sagt Landrat Christian Meißner (CSU). Das sei eine große Herausforderung. "Aus welchen Gründen diese Menschen aus ihrer Heimat fliehen, ist allerdings eine Frage, die wir nicht zu klären haben", so Meißner.

Ohne Ehrenamt geht's nicht

"Was wir uns vielmehr überlegen müssen ist, wie wir mit ihnen umgehen wollen, ob wir sie einfach
wegverwalten oder uns ihrer annehmen." Für ihn ist die Antwort klar - auch klar ist jedoch, dass die Behörden selbst eine umfassende Betreuung nicht leisten können. "Personell sind wir hier im Landratsamt mit der Verwaltung ausgelastet. Eine echte Willkommenskultur lässt sich nur umsetzen, wenn Menschen aus dem Landkreis mit ehrenamtlichem Engagement dazu beitragen."

Einer der Menschen, die sich freiwillig engagieren, ist die Weismainerin Dagmar Dietz. "Ich war nach dem Krieg selbst Flüchtlingskind. Auch wenn ich noch klein war, habe ich damals die Sorgen und den Kummer meiner Eltern durchaus mitbekommen, war selbst immer ein bisschen der Außenseiter." Sie ist Mitglied der landkreisweit tätigen Ehrenamtsbörse "Aktive Bürger", die Asylbewerber beim Ausfüllen von Anträgen unterstützen, bei Behördengängen und Arztbesuchen begleiten oder ihnen Deutsch beibringen. "Fromme Sprüche allein nützen ja nichts, man muss was tun", so Dietz.

Unterricht locker gestalten

Karin Riemke gibt seit Kurzem einen Deutschkurs. "Mir macht das richtig Spaß, und wenn ich aus einer Stunde rausgehe, hab' ich schon jede Menge Ideen für die nächste." Wichtig sei, den Unterricht nicht bierernst zu gestalten. "Wenn ich das Wort ,hüpfen‘ erkläre, dann hüpfe ich eben. Wenn man das ein bisschen locker macht, haben alle Spaß, vor allem die Kinder lachen dann." Man merke, dass das Engagement ankomme.

"Man bekommt ganz viel zurück, viel Freude und Liebe, gerade von den Kindern", sagt Dietz. Natürlich sollten auch Probleme nicht verschwiegen werden, so Meißner. So hatte es in letzter Zeit etwa zahlreiche Feuer-Fehlalarme in der Gemeinschaftsunterkunft in Weismain gegeben, zu denen die Feuerwehr ausgerückt war, ausgelöst durchs Kochen oder Rauchen auf dem Flur. "Das ist natürlich ein Problem. Aber die Leute machen das ja nicht absichtlich. Man sollte bedenken, das sind ja auch nur Menschen."

Zudem hätten die Einbrüche einer georgischen Diebesbande, die unter anderem im Weismain unterwegs war, für Verunsicherung bei der Bevölkerung gesorgt, erzählt Dagmar Dietz. "Schwarze Schafe gibt's überall, auch unter Asylbewerbern. Doch das ist kein Grund, alle über einen Kamm zu scheren", so der Landrat. Er danke allen, die sich ehrenamtlich engagieren und hoffe, dass sich weitere "Aktive Bürger" finden.


Wer will sich engagieren?

Gesucht sind Freiwillige, die Asylbewerber bei Behördengängen oder Arztbesuchen begleiten, ihnen Stadt und Umgebung zeigen, Deutschkurse geben oder Spielpaten für Kinder sein möchten. Die "Aktiven Bürger" sind immer Mittwoch von 10 bis 13 Uhr und Freitag von 13 bis 17 Uhr im Büro in der Judengasse 14 in Lichtenfels zu erreichen, unter Tel. 09571/1699330 oder unter www.aktive-buerger-lichtenfels.de. Ebenfalls Ansprechpartnerin ist Silke Mohler von der Burkunstadter Tafel, Tel. 09572/754903.