"Oberfranken ist und bleibt ein ausgesprochen sicherer Regierungsbezirk" - so das Fazit des oberfränkischen Polizeipräsidiums zur Kriminalstatistik 2019. Der Blick auf die Bilanz zeigt: Große Unterschiede zwischen den Berichten von 2018 und 2019 sind kaum zu finden. Das gilt auch für den Landkreis Lichtenfels, den Zuständigkeitsbereich von Erich Günther, Chef der Lichtenfelser Polizeiinspektion.

Lässt man Delikte, die das Aufenthalts-, Asyl- und Freizügigkeitsgesetz betreffen, außen vor, sank die Zahl der Straftaten in Oberfranken um 2,4 Prozent. Der Kreis Lichtenfels legte im Vergleich zu 2018 beinahe eine Punktlandung hin: Zwei Straftaten weniger waren es 2019, insgesamt 2827. Regionale Besonderheiten gibt es dabei im Kreis nicht: "Wir haben genau die Kriminalitätsbereiche, die jede andere Dienststelle in Oberfranken auch hat. Es gibt Nuancen, aber das pendelt etwas von Jahr zu Jahr", sagt Günther.

Die Aufklärungsquote der Lichtenfelser Polizei lag bei 71,3 Prozent und damit nahe am oberfränkischen Durchschnitt (73,8 Prozent). Der Bezirk steht diesbezüglich etwas besser da, als andere Teile des Freistaats, denn bayernweit liegt die Quote bei 67 Prozent. Allerdings ist die Aufklärung eines Falls je nach Delikt unterschiedlich wahrscheinlich, erklärt Günther: "Es gibt einerseits die sogenannten Kontrolldelikte, zum Beispiel wenn es um Rauschgift geht." Werden bei einer Kontrolle Drogen gefunden, haben die Beamten den dazugehörigen Täter ja direkt vor der Nase. "Darum liegt die Aufklärungsquote da sehr hoch. Das liegt nicht etwa daran, dass wir da ein besonderes Näschen hätten", sagt Günther und lacht. Es komme sehr selten vor, dass Drogen gefunden werden, aber kein Besitzer dazu. "Das hatten wir im vergangenen Jahr vielleicht ein oder zwei Mal." In anderen Bereichen liegt die Quote deutlich niedriger: "Schwer wird es, wenn Dinge im Verborgenen ablaufen. Zum Beispiel Graffitis oder Sachbeschädigungen in der Nacht." Graffiti-Fälle gab es in Lichtenfels im letzten Jahr 57, aufgeklärt wurden 40 Prozent. Bei Sachbeschädigungen lag die Quote bei 35,7 Prozent. "Schwierig ist es immer, wenn wir erst am nächsten Tag gerufen werden, weil Schäden - zum Beispiel am Auto - erst dann festgestellt werden. Dann ist leider weit und breit kein Täter mehr zu sehen."

Cybercrime auf dem Vormarsch

Kein Täter weit und breit: Dieser Erfahrung müssen immer wieder Menschen machen, die Internetbetrügereien auf den Leim gehen. Und das geschieht laut Kriminalstatistik immer häufiger. 1359 Fälle waren es im Jahr 2019 in Oberfranken, 83 mehr als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote sank leicht und liegt bei 39,4 Prozent. Seit 2017 gibt es bei allen Kriminalpolizeiinspektionen sogenannte Cybercrime-Kommissariate, die sich auf solche Fälle spezialisieren. "Diese Betrügereien im Internet sind schwierig, weil die Verbindungen oft über Server in Ländern laufen, mit denen es kein Abkommen gibt. Dann kann man das Material nicht erlangen", erklärt Günther, der für 2020 einen weiteren Anstieg solcher Fälle vermutet: "Mein Eindruck von 2020 bisher ist, dass das gerade in Coronazeiten signifikant zugenommen hat."

Deutlich weniger erfolgversprechend für die Kriminellen sind Wohnungseinbrüche: Oberfranken verzeichnete in diesem Bereich einen Rückgang um 101 Fälle auf 214 Straftaten, was 32,1 Prozent entspricht. Knapp die Hälfte dieser Taten blieb im Versuchsstadium. Die Prävention - unter anderem durch vier oberfränkische kriminalpolizeiliche Fachberater, die allen Bürgern zu diesem und weiteren Themen kostenlos zur Verfügung stehen - scheint zu funktionieren. In Lichtenfels wurden 2019 sieben Einbrüche verzeichnet, zweimal blieb es beim Versuch. Der Schaden lag bei 13 000 Euro.

"Die Sicherheitstechnik ist da auf jeden Fall ausschlaggebend", sagt Günther. Sind die Türen und Fenster gut gesichert, wird für die Einbrecher der Zeitaufwand zu groß. "Und mit der Zeit steigt die Gefahr, entdeckt zu werden." Die Bevölkerung helfe zudem meist vorbildlich mit: "Die Nachbarn passen mit auf und rufen die Polizei, wenn sie nachts verdächtige Geräusche hören oder ein verdächtiges Fahrzeug sehen. "Wir bedanken uns, wenn schnell der Notruf gewählt wird, und nicht zum Beispiel erst die Nummer der örtlichen Polizei nachgeschlagen wird. Nur so können wir schnell Kräfte an den möglichen Tatort schicken."

Fokus auf Drogendelikte

Der Lichtenfelser Polizei sind kleinere Drogendelikte, die nicht ins Aufgabenfeld der Kriminalpolizei fallen, ein besonderes Anliegen - zum Beispiel Kampf gegen Alkohol und Drogen am Steuer. "Wir sind seit zwei Jahren hinterher, da einen Kontrolldruck aufzubauen, und haben auch schon Erfolge gefeiert." Auch in die Prävention wird laut Günther viel Zeit und Energie gesteckt: Die Jugendkontaktbeamten gehen zum Beispiel an die Schulen und klären auf, sind bei Veranstaltungen präsent.

Als "Highlight" des Jahres 2019 ist Erich Günther folgender Fall im Gedächtnis geblieben: Gegen Ende des Jahres kam es zu mehreren Fällen von gewerbsmäßigem Ladendiebstahl in einem Drogeriemarkt in Lichtenfels. "Es wurde Parfüm, aber auch Videospiele im Wert von mehreren tausend Euro gestohlen."

Letztendlich stellte sich heraus: Es handelte sich gar nicht um einen Täter, sondern zwei bundesweit tätige Banden hatten es gleichzeitig auf den Lichtenfelser Markt abgesehen. "Die wussten nichts von einander. Die eine Bande waren zwei Freunde, die im ganzen Land umhergezogen sind, in Hotels gewohnt haben, und mit Diebstählen ihren Lebensunterhalt verdient haben." Damit war es dann vorbei, es kam zu mehreren Verhaftungen.