Komplett den Boden unter den Füßen habe es ihr weggezogen. Krebs - Verzweiflung. Woran genau sie litt, möchte Anne Gerber nicht sagen. Nach der Operation sagten ihr die Ärzte jedenfalls, dass sie wieder gesund sei. Nichtsdestotrotz war sie "seelisch am Ende". Die Angst blieb. Doch dann ereilte sie ein Wink des Schicksals: "Ich habe ein kleines Inserat des Gesundheitsamtes gelesen, dass sich eine Selbsthilfegruppe für Krebserkrankte gründen will", sagt sie mit einem Lächeln auf den Lippen.

Der Anfang verlief allerdings noch etwas holprig. "Acht Frauen haben sich anfangs in einem Café getroffen, aber da haben uns zu viele Leute zugehört", erzählt Anne Gerber. Deswegen waren sie froh, dass sie 1982 in das neu gebaute evangelische Gemeindehaus durften. Genau 30 Jahre ist das nun her. Grund genug, das Jubiläum zu feiern. Wo? Natürlich im Friedrich-Myconiushaus, wo sie sich immer treffen. Dort, wo gemeinsam gelacht, geredet und geweint wird.

"Das gemeinsame Schicksal verbindet. Sich mitzuteilen, ist eine große Erleichterung", sagte Barbara Wendel in ihrer Ansprache. Seit nunmehr 25 Jahren, kümmert sie sich als Leiterin um die Selbsthilfegruppe, wofür sie gestern eine Urkunde der Bayerischen Krebsgesellschaft überreicht bekommen hat. Aus dem kleinen Kreis von Frauen ist inzwischen eine Gruppe von 46 Leuten geworden. Immer am ersten Mittwoch des Monats tauschen sie sich aus, fragen, welche Zuschüsse die Krankenkasse bewilligt, lauschen einem Vortrag, oder essen einfach nur Kuchen. Eines ist Barbara Wendel aber besonders wichtig: Niemand solle sich durch irgendetwas gezwungen fühlen. "Wir machen zum Beispiel Blitzrunden. Da darf jeder etwas sagen. Wer nicht will, ist einfach still und hört zu." Eine offene Gruppe lasse jeden selbst bestimmen, wie lange er teilnehmen möchte, erklärt sie.

Brustimplantate verunsichern


Für Tanja Hofmann ist die Selbsthilfegruppe in Lichtenfels Gold wert. Sie ist Sozialpädagogin in der Beratungsstelle Bayreuth der Bayerischen Krebsgesellschaft. "In Bayreuth sind wir schon ein Stück weit weg von Lichtenfels. Deswegen ist es toll, dass es hier eine Selbsthilfegruppe gibt."

Sogar eine, um die sie sich nicht so intensiv kümmern müsse, weil Barbara Wendel viel Erfahrung als Leiterin mitbringt. Bei Spezialfragen braucht sie dann aber doch die Hilfe von Hofmann. "Zum Beispiel im Falle der fehlerhaften französischen Brustimplantate hatten viele brustkrebserkrankte Frauen Sorgen, dass auch ihr Implantat betroffen sein könnte", sagt Hofmann. In Zusammenarbeit mit Barbara Wedel konnte sie die betroffenen Frauen schnell beruhigen.

Auch Brigitte Feodoroff-Koßmann ist froh über die Selbsthilfegruppe. "Ich habe von einer Betroffenen von der Gruppe erfahren", erzählt sie. Für sie sei es befreiend gewesen, mit "anderen Betroffen zu reden". Dabei hatte sie vor ihrer eigenen Krebs-Diagnose schon einmal eine bittere Bekanntschaft mit der Krankheit machen müssen: Vor 15 Jahren starb ihr Mann an Krebs. Doch sie gibt nicht auf, bleibt positiv. "Ich lebe nicht morgen, oder gestern, sondern ausschließlich heute. Ich genieße jede Sekunde", sagt Brigitte Feodoroff-Koßmann. Eine Erkenntnis, die sie auch aus den Treffen der Selbsthilfegruppe gezogen hat. Genau das ist es , was viele Menschen in der Krebs-Selbsthilfegruppe mitnehmen: Die Krankheit zu akzeptieren und für andere da zu sein, wenn es ihnen schlecht geht.

Das fasziniert Pfarrerin Anne Salzbrenner: "Die Menschen sind miteinander unterwegs. Es gehört zum Leben nun einmal dazu, dass wir den Weg auch bis zum Ende gehen."

Fischer "bewundert" Gruppe


Der stellvertretende Landrat Helmut Fischer betonte mehrmals, dass er die Menschen in der Selbsthilfegruppe dafür bewundere, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen. Die Menschen sind es letztlich, weswegen Anne Gerber die Selbsthilfegruppe noch immer besucht. "Für mich sind hier wertvolle Menschen", sagt sie, "es lohnt sich , sich auszutauschen." Auch wenn es sehr traurig für die Gruppe sei, wenn jemand die Krebserkrankung nicht überlebt. In diesem Fall rücken die Mitglieder enger zusammen und halten sich an Anne Gerbers Worte: "Ich bin zuversichtlich und vermittle das auch."