Für die Grundschule ist dieses Schuljahr ein besonderes: Nur zwei Klassen gibt es, unterrichtet werden aber trotzdem Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse. "Kombiklassen" ist das Zauberwort. Als einzige Schule im Schulamtsbezirk Lichtenfels bietet Marktzeuln diese jahrgangskombinierten Klassen an.
In der gemeinsamen ersten und zweiten Klasse lernen künftig 22 Schülerinnen und Schüler zusammen. Neun von ihnen sind zum ersten Schultag mit Schultüte im Arm gekommen. In der anderen Klasse teilen sich 19 Dritt- und sechs Viertklässler einen Lehrer.
"Mindestens 13 Kinder sind nötig, um eine eigene Klasse zu erhalten", erklärt Lehrerin Monika Rübensaal, die in diesem Schuljahr die gemeinsame erste und zweite Klasse leitet. Das Modell der Kombiklasse verhindere, dass die Kinder Schulen außerhalb des Ortes besuchen müssten - denn das wäre die Alternative zu dem Kombi-Modell.
Im Jahr 2009 gab es die erste Kombiklasse mit Erst- und Zweitklässlern in Marktzeuln. Von Anfang an ist Monika Rübensaal dabei. "Ich wollte etwas Neues machen und dachte, das probiere ich aus", sagt die Grundschullehrerin, die davor in Michelau und Untersiemau unterrichtete. Und so entschloss sie sich kurzerhand, sich auf die Stelle für die Kombiklasse zu bewerben. "Zwei Tage nach meiner Bewerbung hatte ich bereits die Zusage."
Prinzipiell, erläutert die Pädagogin, könnten alle Grundschullehrer jahrgangskombinierte Klassen unterrichten. "Man muss allerdings spezielle Fortbildungen besuchen." Gleich bei ihrer ersten Fortbildung in Bayreuth, einer Region, in der das Kombiklassen-Modell weiter verbreitet ist als hier, bekam Monika Rübensaal den Rat: "Wenn man Kombiklassen unterrichtet, muss man sich die Freiheit nehmen, etwas hinzuzufügen oder wegzulassen."

Lehrer muss Überblick behalten


Das bedeutet aber nicht, dass der Lehrplan auf der Strecke bleibt: "Fächer wie Musik, Religion, Sport, aber auch der Heimat- und Sachunterricht, können problemlos in einer gemischten Klasse unterrichtet werden", erklärt Rübensaal. "Es macht für die Kinder keinen Unterschied, ob sie in der ersten oder zweiten Klasse etwas über die Hecke oder Obst und Gemüse lernen." Wichtig sei nur, dass der Lehrer dabei den Überblick behält.
Die Fächer Mathematik und Deutsch seien dagegen mit einem Mehraufwand verbunden. "Wenn ich einem Teil der Klasse etwas Neues beibringe, muss der andere Teil natürlich auch beschäftigt sein", erklärt Monika Rübensaal. Daher sei eine gute Planung der einzelnen Schultage sehr wichtig. Aber es gibt auch Stunden, in denen die Lehrerin ihre ganze Aufmerksamkeit den Erst- bzw. Zweitklässlern widmen kann. "Beim Werkunterricht ist die Klasse getrennt", sagt Monika Rübensaal. Zudem hat sie fünf zusätzliche Lehrstunden genehmigt bekommen, um den Anforderungen einer Kombiklasse gerecht zu werden.
Für die Kinder sieht Monika Rübensaal einige Vorteile durch gemeinsames Lernen in einer kombinierten Klasse: "Die Kinder lernen voneinander und helfen sich gegenseitig." So würden sich die jüngeren Kinder beispielsweise bei den älteren abschauen, wie sie sich auf dem Schulhof zu verhalten haben. Da die Kinder sich teilweise in Eigenregie mit Aufgaben beschäftigen müssen, während die Lehrerin einer Gruppe etwas erklärt, würden die Jungen und Mädchen zudem auch selbstständiger, ist die Erfahrung von Monika Rübensaal. Die Eltern der Kinder seien manchmal zu Beginn ein bisschen skeptisch, ob ihre Sprösslinge in den Kombiklassen genauso gut unterrichtet werden, wie in "normalen" Klassen. Nach einiger Zeit merkten sie aber, dass ihre Kinder keinerlei Nachteile haben. "Die Schüler haben mit dem Modell die wenigsten Probleme", sagt Monika Rübensaal.