Der kurze Lauf des Flüsschens Krassach gleicht einem Idyll. Entsprungen im malerischen Bärental, fließt es sanft plätschernd dem gleichnamigen Ort entgegen, durch diesen hindurch weiter in Richtung Niesten und nach Süden. Nach 300 Metern ist der bachähnliche Lauf auf vier Meter Breite angewachsen und endet mit einem Damm, der rund sechs Meter breit ist und sicherlich bis zu 1,50 Metern Wassertiefe besitzt. Dahinter fällt das Wasser in dieser Tiefe wieder ab. An dieser Stelle hat sich offensichtlich ein Biber angesiedelt.

Nicht nur dort war das arbeitsame Nagetier sehr aktiv. In das 50 Meter daneben liegende Rapsfeld hat der Biber vom Flusslauf kommend einen großen Röhrentunnel gegraben, durch den sicherlich ein Kind passen würde, stellt Michael Schmittlein vom städtischen Bauamt bei einem Ortstermin erstaunt fest. Bei der Arbeit auf dem Feld könne dieser unterirdische Gang für den Landwirt sehr gefährlich werden, sagt Landwirt und Stadtrat Norbert Rehe (GUB). Der Biber gehöre nicht hierher, ist er der Meinung, denn die Menge der in der Krassach lebenden Kleinfische sei inzwischen merklich zurückgegangen.

Biber finden zurück in die Region

BBV-Kreisobmann Michael Bienlein kann dem nur beipflichten. Ein fast ausgestorbener Nager sei zwar wieder öfters zu finden, der Bestand anderer Tiere hingegen nehme stark ab. Greift der Mensch ein, werde es immer Vor- und Nachteile in der Natur geben. Doch hier müssten Grenzen gesetzt werden, sagt er.

Die geschützten Nagetiere sind seit Anfang der 2000er Jahre auch in der hiesigen Region wieder heimisch. Rund hundert Jahre waren Biber in Bayern fast ausgerottet, zu begehrt waren ihr Pelz und ihr Fleisch. Der Biberberater des Landratsamtes, Hans-Werner Herold, sagt, dass es im ganzen Landkreis besonders an kleineren Bach- und Flussläufen zu Problemen mit dem Nagetier komme. Revierräume an Baggerseen und am Main seien schon von Bibern besetzt. Biber, die ein eigenes Revier wollen, würden so lange suchen, bis sie einen für sie angenehmen Lebensraum gefunden haben.

Das Gleichgewicht erhalten

70 Biberreviere gibt es aktuell im Landkreis Lichtenfels. Der Bestand reduziert sich immer wieder selbst. Nach zwei Jahren wird der Nachwuchs von den Eltern gnadenlos in einen Überlebenskampf geschickt. Er darf dann nicht weiter in seinem angestammten Zuhause bleiben. Doch ein Biber, der auch nur durch bereits besetztes Terrain schwimmt, wird von anderen attackiert. In den anliegenden wassernahen Waldgebieten sind Füchse für junge Biber die einzig natürlichen Feinde.

Biber zum Abschuss freizugeben, wie oft gefordert, wäre auch keine Lösung, stellt der Fachberater fest. Denn wenn ein Biber nicht mehr in seinem Revier ist, wird dieses schnell von einem anderen wieder besetzt.

Die aufgestaute Krassach in Verbindung mit dem unterhöhlten Feld ist aus Sicht der Landwirte ein Ärgernis und nicht zuletzt wegen der Tiefe der gegrabenen Löcher auch für die landwirtschaftlichen Geräte und deren Bediener eine Gefahr, meint Bürgermeister Michael Zapf (GUB). Aus Sicht des Artenschutzes scheint sich der Biber hier sehr wohlzufühlen, schaue man sich beispielsweise neben Krassach auch den Bereich vor Kleinziegenfeld an. Doch bei aller Sympathie für den Biber müsse mit vertretbaren Mitteln von außen gegengesteuert werden, so dass ein Gleichgewicht in der Natur bestehen bleibt.

Ein Kompromiss ist das Ziel

Einig waren sich die Beteiligten, dass Gespräche gesucht werden müssen, deren Ergebnis alle zufriedenstellt. Die große Biberröhre solle verfüllt werden und der Drainageeinbau des Bibers am Damm abgesenkt werden. Doch zunächst müsse man die Kosten dafür ermitteln. Es wird also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft einen Biber in Krassach geben.