Sejiba Silasi ist zehn Jahre alt und kommt aus Tansania. Sein Vater ist noch vor seiner Geburt gestorben. Seine Mutter versucht die Familie mit Feldarbeit über Wasser zu halten. Das Zuhause ist in einem erbärmlichen Zustand. Noch dazu kommt, dass Sejiba krank ist - er hat einen Hodenbruch. Sieben Jahre leidet er schon unter heftigen Schmerzen und starken Schwellungen. Den Weg zur Schule schafft der Zehnjährige schon lange nicht mehr. Das Geld für einen Arzt, geschweige denn für eine Operation, kann die Familie nicht aufbringen.

Und hier kommt die gemeinnützige Organisation Kivuko ins Spiel. Kivuko ist Kiswahili und bedeutet übersetzt Brücke. "Wir wollen als Brücke für Menschen in Not fungieren", sagt die Vorsitzende Corinna Haßler. Sie ist gelernte Physiotherapeutin, arbeitet in einer Praxis in Lichtenfels und hat ein freiwilliges soziales Jahr in Tansania gemacht. Gemeinsam mit Kathrin Blank, 2. Vorsitzende von Kivuko, hat sie in Tansania viele Freunde gefunden. "Einige davon sind in der Zwischenzeit verstorben, weil die Gesundheitsversorgung dort so schlecht ist." Ein Punkt, der die beiden Frauen auch zurück in Deutschland nicht losgelassen hat. Im Mai dieses Jahres hat die Ebensfelderin gemeinsam mit neun weiteren Freiwilligen, die mal in Tansania waren, Kivuko gegründet. Seit Juni 2015 ist Kivuko im Vereinsregister registriert und seit Oktober als gemeinnützig anerkannt.

"Besonders wichtig ist uns, dass die Spenden direkt dort ankommen, wo sie am allermeisten gebraucht werden", sagt Corinna Haßler. Deswegen haben sich die Gründungsmitglieder für den Ort Rulenge in Tansania entschieden - der ehemalige Einsatzort von Corinna Haßler und Kathrin Blank. Vor Ort haben sie drei Kontaktpersonen: einen Arzt, mit dem die beiden Freundinnen in Rulenge zusammen gearbeitet haben, eine Person im Krankenhaus, die sieht, wenn Leute aus finanziellen Gründen wieder weggeschickt werden, und eine Kontaktperson, die sich um die Verwaltung kümmert. Diese müssen in gewissen Zeitabständen einen Rechenschaftsbericht abgeben, was für wen ausgegeben wurde. Das schafft Transparenz für die Vereinsmitglieder, aber auch für die Leute, die spenden wollen.

Kivuko arbeitet mit einem Gesundheitsfonds. "Dieser soll es möglich machen, dass diejenigen, die sich keine Behandlung leisten können, nicht einfach vom Krankenhaus weggeschickt werden", erklärt die Ebensfelderin. In diesen Fond fließen monatlich 75 Euro, die für Behandlungen genutzt werden können. Zusätzlich gibt es ein Notfall-Geld in Höhe von 250 Euro, das jetzt für die Operation des kleinen Sejiba verwendet wurde. Bei der Vereinssitzung im Januar sollen der Gesundheitsfonds und das Notfall-Geld neu angepasst werden. Schließlich könnten mehr als 75 Euro nach Rulenge überwiesen werden, wenn Kivuko mehr Mitglieder hätte.


"Die Mischung machts."

Den Mitgliedsbeitrag haben die Gründungsmitglieder von Kivuko absichtlich bei nur 15 Euro im Jahr angesetzt. "Wir wollten, dass wirklich jeder Mitglied sein kann, unabhängig vom Einkommen."

Das Team von Kivuko in Deutschland könnte nicht unterschiedlicher sein. Einige waren selbst in Tansania. Andere kennen das Land nur durch Erzählungen. "Und genau diese Mischung machts", sagt Corinna Haßler.
Die bereits in Tansania waren, sind mit Herzblut dabei und wollen oft mehr als eigentlich möglich ist. "Die anderen holen uns dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Sie sehen das einfach nüchterner, weil sie das Leid vor Ort noch nicht gesehen haben. Für die Vereinsarbeit ist das echt gut", sagt Corinna Haßler.

Seit September hat Kivuko vielen Patienten geholfen. Die häufigste Erkrankung ist Malaria. Eine Krankheit, bei der den Patienten besonders im Anfangsstadium schnell und für deutsche Verhältnisse günstig geholfen werden kann. Neun Euro kostet die Behandlung einer einfachen Malaria mit Tabletten. Teuer wird es dann, wenn die Patienten lange warten, bevor sie zum Arzt gehen. "Die Kosten schwanken wirklich von zehn Euro bis zu 100 Euro", sagt Haßler. Die Operation von Sejiba hat das Notfall-Geld von 250 Euro geschluckt. Aber jetzt ist der Junge wieder fit. Am Wochenende ist er aus dem Krankenhaus entlassen worden und kann Weihnachten zu Hause verbringen. Er hat dieses Jahr von Kivuko wohl das größte Geschenk bekommen: ein Leben ohne Schmerzen.

Spenden für Rulenge
Helfen kann man dem Verein durch eine Mitgliedschaft. Infos dazu gibt es unter www.kivuko.de. Spenden laufen über folgendes Konto: IBAN: DE09 7835 0000 0040 6418 39,
Kontonummer: 4064 1839,
Sparkasse Coburg-Lichtenfels.