Eine individuelle Förderung von Grundschulkindern und die Sicherung des Schulstandortes Hochstadt.Vom neuen Schulkonzept "Flexible Grundschule" erhofft sich der Hochstadter Bürgermeister Thomas Kneipp eine Ausbildung, die auf die Fähigkeiten des Kindes abgestimmt ist. Ab September werden die Schüler der ersten beiden Jahrgangsstufen Hochstadt in gemischten Klassen unterrichtet. Das betrifft sieben Kinder aus der ersten und 13 aus der zweiten Klasse.

Immer im Vordergrund: der Lernstand der Schüler. Im Voraus wird der bei einem Eingangstest ermittelt. Dieser Test wird am Computer gemacht, wobei die Kinder vom Programm Fips Aufgaben in den Fächern Deutsch und Mathematik gestellt bekommen. Sind die Aufgaben zu leicht, erkennt das der Computer und erhöht den Schwierigkeitsgrad.

Heike Klimt, Schulleiterin der Grundschulen in Hochstadt und Marktzeuln, ist vom Eingangstest überzeugt.
"Die Ergebnisse sind sehr aussagekräftig", lobt sie den maschinellen Helfer.

Nach dem Eingangstest werden die Schüler der ersten beiden Klassen in der flexiblen Grundschule gemeinsam unterrichtet - je nach Wissen und Fähigkeiten werden sie jedoch mit individuellen Aufgaben gefördert. Benötigt ein Schüler mehr Zeit, um sich den Lernstoff anzueignen, ist es möglich, die erwarteten Kompetenzen der ersten beiden Schuljahre in drei Jahren zu erwerben. Dabei gilt das Kind als nicht sitzen geblieben.


Viele Vorteile für die Kinder

Aber auch lernstarke Kinder profitieren vom neuen Schulversuch - wer das Lernpensum schneller schafft, kann schon nach einem Jahr in die dritte Klasse wechseln. So habe ein Erstklässler in Marktzeuln bereits im Tausenderbereich zählen können.


Lerngespräch ersetzt Zeugnis

Ebenfalls neu: Ein Lerngespräch ersetzt das Zeugnis. Obwohl e an manchen Grundschulen bereits angeboten wird, kann das Gespräch jederzeit von den Eltern abgelehnt werden. Heike Klimt sieht darin aber nur Vorteile: "Es ist effektiver und auch kindgerechter." Denn beim Gespräch wendet sich der Lehrer im Beisein der Eltern an das Kind und spricht mit ihm über seine Leistungen. "Der Schüler erhält einen Bogen, in welchem er sich einschätzt. Danach werden die Ziele für die kommende Zeit vereinbart. Das Lerngespräch ist kindgerechter, weil die Schüler den Inhalt der Zeugnisse meist nicht richtig verstehen."


Schulprofil bereits erprobt

Im Landkreis Lichtenfels ist die flexible Grundschule keine Neuheit - in Marktzeuln gibt es sie seit drei Jahren und im Lichtenfelser Stadtteil Schney seit einem Jahr. Bislang habe es keine Probleme gegeben. "Die Anlaufphase ist derzeit zu kurz, um über Nachteile zu sprechen", resümiert Heike Klimt.

Da die Schüler in der flexiblen Grundschule unterschiedliche Lerngrade haben, müssen sie eigenständiger lernen. Denn den Unterricht führt nur ein Lehrer. Und der muss bei der Umsetzung des Lerninhaltes einiges an Kreativität aufbringen. Hierfür besuchen die betroffenen Lehrkräfte Fortbildungen, in denen sie mit der neuen Situation umzugehen lernen. Ein Austausch mit den Schulen Marktzeuln und Schney findet bereits statt.