"Wenn er zu laut ist, wird er zu garstig." Simon Ehnes legt die Stirn in Falten. Der Dirigent der Blasmusik Modschiedel meint den Klang seines Ensembles und knöpft sich seine Hornisten noch einmal vor. Auch wenn es beim Einspielen für das Wertungsspiel im Rahmen des Bundesbezirksmusikfest nicht danach aussah - am Ende lief der Wettbewerb für die Kapelle wie erhofft. Was auch für Veranstalter und Wertungsrichter galt, die sich an zwei Tagen um insgesamt 34 Orchester kümmern mussten.
Keine Zeit zum Reden hat Lisa Krappweis. Der große Moment steht unmittelbar bevor, die 22-Jährige ist mit den anderen Modschiedler Musikern auf den Weg von der Vorbereitung im Klassenzimmer in die Turnhalle der Grundschule, wo die Wertungsprüfung stattfindet. "Ich hab ganz schwitzige Hände", verrät sie und hofft darauf, dass sie ihr Tenorhorn nicht fallen lässt.

Der Auftritt verläuft aber ohne Zwischenfälle: Die 24-köpfige Blasmusik nimmt unter einem Basketballkorb Platz, ihr Werdegang und Schwerpunkt wird von Moderatorin Dr. Melanie Fischer-Geiger vorgestellt, Simon Ehnes leitet seine Schützlinge wie gewohnt mit vollem Körpereinsatz durch den "Prager Musikantenmarsch", den Walzer "Mondgeflüster" und die Polka "Ein halbes Jahrhundert". Das 20 Meter entfernt sitzende Publikum klatscht Beifall, allerdings kommt es an diesen Tag nicht so sehr auf dessen Meinung an.
Ausschlaggebend ist die der Wertungsrichter, die auf einem Podium unter dem anderen Basketballkorb auf der gegenüberliegenden Seite der Halle sitzen. Von einem "ganz guten Gefühl" die Leistung der Kapelle betreffend berichtet Lisa, als sie ein paar Minuten später ihre Stimme wieder gefunden hat. "Und die Aufregung war nach dem ersten Stück weg."
"Ein bisschen nervös ist man immer", weiß Thomas Kunzelmann. Er saß kurz zuvor nicht weit von ihr entfernt, spielte Flügelhorn und hat die meiste Wertungsspiel-Erfahrung in Reihen der Instrumentalisten aus dem Dorf, für die Weismain erst der dritte solche Wettbewerb in der Vereinsgeschichte war. Aus Freude an der traditionellen Blasmusik spielt der 25-Jährige bei den Modschiedlern mit, seine eigentliche Stammkapelle, mit der schon mehrmals vor einer Jury auftrat, ist die in seinem Heimatdorf Stadelhofen.
Einig sind sich beide, was ihre Erwartungen an die Teilnahme angeht: "Mal eine fachkundige Meinung zu hören" sei interessant und wichtig, gerade für Orchester wie ihres, dass fast ausschließlich auf Festen und bei eigenen Konzerten zu hören ist. Die zweithöchste Bewertung "Mit sehr gutem Erfolg", die die Kapelle bei den bisherigen Wertungsspielen erhielt, erhofft sich Lisa. "Aber wenn das nicht klappt, haben wir gleich einen Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen", ergänzt Thomas.
Dass bei der Ergebnis-Bekanntgabe im Festzelt am Abend tatsächlich ein "sehr gut" verkündet wurde, freute auch Simon Ehnes, der von einer "Punktlandung" sprach: Für nur vier Wochen Probezeit, die noch dazu schwierig waren, weil viele jüngere Mitglieder ihre Abschlussprüfungen um die Ohren hatte, zeigte sich der ehrgeizige Dirigent zufrieden. Zumal die Kapelle erstmals in der Mittel- (und nicht wie bisher untersten) Stufe der Kategorie "Traditionelle Blasmusik" angetreten war, die sich "ideal für kleine Orchester wie Modschiedel eignet, die nicht alle Instrumente besetzen können". Die Anregungen, die ihm seitens der Wertungsrichter im persönlichen Gespräch mitgeteilt wurde, etwa an Dynamik und Betonungen zu arbeiten, nimmt er die künftige Probenarbeit auf - und will die Verbesserungsvorschläge bis zu einem für Herbst geplanten Konzert der Kapelle umgesetzt haben.
Angesichts von fast drei Dutzend Orchester aus dem gesamtes Einzugsbereich des Nordbayerischen Musikbundes (Ober-, Unter-, Mittelfranken und Oberpfalz) war der Aufwand für die Ausrichter ungleich höher. "Bis Sonntagabend hab ich vom übrigen Musikfest kaum etwas mitbekommen", sagt Klaus Eitzenberger, Leiter des sechsköpfigen Kernteams, das wiederum knapp 50 weitere Helfer der Weismainer Blasmusik unter sich hatte. Die schwierigste Aufgabe der mehrmonatigen Vorbereitungen sei die Zeiteinteilung gewesen.
Der Aufwand hat sich aber gelohnt: Schon zur "Halbzeit" von insgesamt 13 Wertungsspiel-Stunden habe ein Wertungsrichter auf Eitzenbergers Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten mit "Gar nichts, es ist alles perfekt" geantwortet.
"Durchweg positiv" seien auch die Rückmeldungen der in insgesamt acht Kategorien angetreten Kapellen gewesen, die neben der Organisation auch die Grundschulaula als willkommenen Treffpunkt zum Gedankenaustausch vor und nach dem Auftritt lobten.
Ein "Sehr gut" attestierte Dieter Böck aus Gundelfingen an der Donau nicht nur etlichen der Orchester, sondern auch den Ausrichtern. Böck war lange Jahre Verbandsdirigent des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, gehörte in Weismain dem Jury-Quartett an und kann, seit er im Jahr 1982 erstmals ein musikalischen Wettstreit benotete, auf über 1000 Wertungsspiel-Einsätze in ganz Deutschland und Österreich zurückblicken. Ihm zufolge sei bereits seit den 1970er Jahren ein steigendes Niveau erkennbar, was an der stark verbesserten Jugendförderung der Vereine liege.
Aussagen wie die der beiden jungen Modschiedler Musiker freuen ihn, liegt ihm doch die pädagogische Komponente der Wertungsspiele am Herzen: "Es geht eher um das Motivieren als um das Beurteilen."