Eigentlich war es seit Wochen klar, spätestens, seit das Münchner Oktoberfest abgesagt wurde: Einen Korbmarkt, wie man ihn kennt, mit 150 000 Besuchern und internationalen Gästen, kann es heuer nicht geben. Doch die Deutsche Korbstadt will ihrem Namen alle Ehre machen und hat ein Programm für einen "Lichtenfelser Flechtsommer" erarbeitet. Es stimmt optimistisch. Die einzelnen Punkte werden über mehrere Wochen verteilt und können flexibel gehandhabt werden.

Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus und Wirtschaft, dem die Planung dieser Tage erstmals bekanntgegeben wurde, löste sie Begeisterung quer durch alle Fraktionen aus.

Internationale Beteiligung nun virtuell

Folgende Punkte sind vorgesehen: ein Flecht-Großprojekt schon ab Ende Juli vor der Stadtpfarrkirche, ein spezielles Flechtkursprogramm ab Juli im und am Stadtschloss, regelmäßige, kleinere Open-Air-Konzerte, Flechter-Werkstätten auf öffentlichen Plätzen, ein kleinerer Markt mit Flechthandwerkern aus der Region, Vorstellungen des Korbtheaters Büttner und eine Stadtrallye für Familien, weitere Weidenfiguren in der Innenstadt, gegebenenfalls mit Illuminationen, außerdem ein Pop-up-Store für Korbwaren. Hierbei soll eine leerstehende Ladenfläche Flechtern für eine bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Verein ZEF (Zentrum Europäischer Flechtkultur Lichtenfels) und dem Deutschen Korbmuseum in Michelau wird zudem an einer hochkarätigen Ausstellung im Stadtschloss gearbeitet. Wenn die internationalen Flechthandwerker auch nicht nach Lichtenfels kommen könnten, dann werde man sie eben virtuell hierher holen - per Live-Stream, erklärte Steffen Hofmann, Citymanager und Leiter des Wirtschaftsamtes der Stadt.

Unterstützung für die Gastronomie

Darüber hinaus wird die Außengastronomie schnell und unbürokratisch durch gebührenfreie Ausweitung der Freischankflächen unterstützt. Einige Gespräche hierzu hätten schon stattgefunden, berichtete Hofmann. "Wir versuchen zu helfen, wo es geht." Und das wird dankbar angenommen, wie zu hören war. Bedingung ist eine Absprache mit der Stadtverwaltung - Anruf oder E-Mail genügen. Ein Versuch wird es sein, dass die Fläche im Unteren Tor von der benachbarten Weinstube genutzt werden darf und Gäste dort vor Regen geschützt sitzen können. Radler müssen absteigen und wie die Fußgänger die seitlich entlang führende Passage als Durchgang nutzen.

Die skizzierten Vorschläge, von denen man sich allesamt eine Belebung der Innenstadt und Zuspruch von Einheimischen wie Gästen verspricht, kamen bei den Stadträten sehr gut an. Andrea Starker (CSU) fand die aus der Not geborene Idee "wunderbar" und meinte, sie berge Chancen für Lichtenfels. Fraktionskollege Uwe Held sprach von einer "tollen Sache", und Monika Faber (SPD) war der Meinung, dass dies ein "großartiges Programm" sei - auch für Flechthandwerker.

Bundesinnungsmeister Ronald Helbing signalisierte im Vorfeld bereits Unterstützung. Wenn in einem kleineren Rahmen der Fokus mehr auf dem Handwerk liege, komme das diesem sogar entgegen.

Christopher Bogdahn (Freie Wähler) und Philip Bogdahn (SPD) regten an, auch die Ortsteile einzubeziehen, beispielsweise durch eine "Flechtwanderung".

"Versuchen, das Beste daraus zu machen"

Freilich war Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD) eingangs anzumerken, dass ihm die Erklärung zum Korbmarkt 2021 nicht leicht fiel, vor allem, weil man in den vergangenen Jahren so viel Zuspruch erfahren habe. Das Pandemiegeschehen ermögliche aber keine zuverlässige Planung. Ein Absperren der Innenstadt mit Zugangsbeschränkung sei ebenfalls nicht möglich, wie Steffen Hofmann darlegte. Deshalb könne die Großveranstaltung auch heuer nicht durchgeführt werden, obwohl man sich das im Vorjahr anders erhofft hatte.

"Wir versuchen, das Beste daraus zu machen" unterstrich Hofmann; immer abhängig von den jeweils geltenden Rahmenbedingungen. Korbstadtkönigin Alicia I. ließ sich nicht lange bitten und bleibt bis zum Korbmarkt 2022 im Amt.