Kehraus für Hausmeister Utto Pol von der Mittelschule: Am Freitag Vormittag saß der 64-Jährige zum letzten Mal auf seiner geliebten Kehrmaschine, mit der er fast 35 Jahre lang für Sauberkeit auf dem weitläufigen Schul- und Sportgelände in Röhrig gesorgt hatte. "Die Sauberkeit der Schule lag mir sehr am Herzen", erzählte er bei seiner feierlichen Verabschiedung im Rathaus. Diese geriet angesichts so manchen Schwanks, den der frischgebackene Ruheständler von sich gab, zu einer kurzweiligen Angelegenheit.
"Du warst ein Original", sagte Bürgermeister Georg Vonbrunn. Die große Wertschätzung, die Pol genießt, zeigte sich beim Blick in den Sitzungssaal, in dem großer Bahnhof herrschte: Fast alle Mitarbeiter der Gemeinde hatten sich zu seiner Verabschiedung eingefunden und stießen mit einem Glas Sekt auf das Wohl ihres ehemaligen Arbeitskollegen an.
Pol plauderte aus dem Nähkästchen, erzählte dass er einen herzlichen Umgang mit den Kindern gepflegt habe. Doch wehe einer der Pennäler ließ es an guten Umgangsformen mangeln. "Neue Schüler, die in der Früh achtlos an mir vorübergingen, wurden mit einem grimmigen 'Guten Morgen' bedacht. Das Resultat: Tags darauf grüßten sie mich."
Einen Schülerstreich, an dem er vor einigen Jahren mitgewirkt hatte, beichtete er den Journalisten. Die Hauptrolle spielten die Abschlussschüler: Sie hatten im Flur zum Lehrerzimmer unzählige mit Wasser gefüllte Joghurtbechern aufgestellt. Die entscheidende Nebenrolle spielte Pol: "Ich hatte die Pennäler am Abend hereingelassen." Die Folge: Am nächsten Morgen waren die Pauker erst einmal mit Aufräumen beschäftigt. "Als ich kleinlaut zugab, die Schule geöffnet zu haben, bekam ich eine Gardinenpredigt zu hören." Darüber muss Pol heute nur noch lachen.
An seiner Tätigkeit als Hausmeister schätzte er den abwechslungsreichen Arbeitsalltag und den Umgang mit anderen Menschen. Sogar bei den Rock- und Popkonzerten in der Kordigasthalle, als Ende der 1980er Jahre Größen wie Herbert Grönemeyer oder Chris Norman nach Altenkunstadt in die Kordigasthalle gekommen waren, hatte Pol tatkräftig mit angepackt.
Lebhaft in Erinnerung geblieben ist ihm auch die erste Heizung der Bildungseinrichtung, die damals noch eine Hauptschule gewesen war: "Es handelte sich um eine Forschungsprojekt mit Wärmepumpen. Unsere Schule wurde mit Wasser aus der Weismain beheizt", erzählte er. Die vielen Wartungsarbeiten hätten ihm fast den letzten Nerv gekostet. Als nach 15 Jahren eine neue Heizung installiert wurde, sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen. Drei Bürgermeister und sieben Rektoren habe er während seiner langjährigen Tätigkeit an der Schule verschlissen, sagte der Redner mit einem Augenzwinkern. "Er hatte nicht nur die die technischen Sachen im Haus, sondern uns alle im Griff", erklärte Schulleiter Manfred Heinbuch.
Vonbrunn beschrieb den ehemaligen Hausmeister als einen zuverlässigen, vertrauenswürdigen und gewissenhaften Mitarbeiter, der es verstanden habe, seine Vorstellungen durchzusetzen. "Die Auswirkungen waren durchwegs positiver Natur", resümierte der Bürgermeister.
Bernd Müller, den Nachfolger Pols, und Reiner Rosenzweig, der in den vergangenen Jahren zusammen mit Pol als Hausmeister an der Mittelschule gewirkt hatte, ermunterte er, zukünftig ihren eigenen Weg zu gehen.
Langeweile? Für den frischgebackenen Ruheständler ist das ein Fremdwort. "Ich möchte meiner Tochter bei der Gestaltung ihres Gartens helfen und meinen Enkeln ein Baumhaus bauen", verriet der handwerklich geschickte Altenkunstadter, der mit seiner Frau Ursula im alten Wasserwerk wohnt.