Die Regeln unserer Serie "Jeder gegen Jeden" zur Bundestagswahl sind denkbar einfach: Jeder Kandidat darf jedem anderen Kandidaten eine Frage stellen.
Nach der Antwort des Befragten hat der Fragesteller noch die Möglichkeit, darauf zu reagieren. Heute will ÖDP-Kandidat Thomas Müller von Emmi Zeulner (CSU) wissen, wie sie den Grundsatz "Eigentum verpflichtet" gesichert sehen will.

Thomas Müller: Das Grundgesetz fordert: "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen." Wie wollen Sie dies gegen die jetzt vorherrschende neoliberale Wirtschaftsideologie verwirklichen?

Emmi Zeulner: Die Frage, die Sie stellen, ist eine ideologische Frage. In der Politik brauchen wir aber Antworten auf die Probleme unserer Zeit, und die Menschen wollen keine Ideologen in der Politik, sondern sie wollen, dass Probleme konkret gelöst werden. Für die Lösung dieser Probleme darf es auch keine Denkverbote geben.
Wir haben in Deutschland keinen Neoliberalismus, sondern wir haben die Soziale Marktwirtschaft, bei der der soziale Ausgleich zentral ist.
Unsere Aufgabe in der Politik ist es, dass diese nicht ausgehöhlt wird. Das bedeutet, dass die Schere zwischen arm und reich nicht weiter auseinander gehen darf. Dass sich Arbeit lohnen muss. Dass man nach 45-jähriger Beschäftigung eine ausreichende Rente erhalten muss. Dass man keine drei Jobs braucht, um sich finanzieren zu können. Hierfür setzt die CSU sich ein.
So sind in den letzten Jahren die Reallöhne gestiegen, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie zuvor - und wir bauen unsere Schulden weiter ab. Das ist eine Politik, von der auch die nachfolgenden Generationen profitieren werden.
Die Herausforderungen in einer globalisierten Welt sind groß, und Entwicklungen wie zum Beispiel auch die zunehmende Digitalisierung unseres Arbeitsmarkts können nicht durch festgeschriebene und starre Ideologien gelöst werden. Es gilt nun, die Soziale Marktwirtschaft ins 21. Jahrhundert zu führen.

Thomas Müller: Was Sie verhindern wollen, ist für viele leider schon Wirklichkeit. Die soziale Marktwirtschaft existiert nur mehr zum kleineren Teil. Dass es " der Wirtschaft" besser geht, hat nicht mehr zur Folge, dass es auch den Beschäftigten gut geht.
Profitgier triumphiert über Menschlichkeit. Im Sinne einer ordoliberalen Wirtschaft müssen wieder Rahmenbedingungen festgelegt werden, die die sozialen und ökologischen Grundforderungen abbilden.

Im Teil 7 unserer Serie fragt Georg Hock (AfD) Thomas Müller (ÖDP) am Montag, ob er tatsächlich an eine vom Menschen verursachte Erderwärmung glaubt.



Hinweis der Redaktion: Argumente und Thesen stammen vom jeweiligen Kandidaten und sind redaktionell weder gegenrecherchiert noch in irgendeiner Weise bearbeitet.