Da die Kosten von rund 30 Millionen Euro die finanziell klamme Stadt überfordern würde, beschränkten sich Erneuerungen bisher auf Bereiche, in denen Bauarbeiten erforderlich waren. Mit den Kanälen im Hutzelbrunnen und der Giechkröttendorfer Straße will die Stadt jetzt zwei größere Abschnitte sanieren. Erforderlich sind die Arbeiten schon länger, dringlich werden sie wegen der Verlegung der Ortsdurchfahrt in diesem Bereich.
Einstimmig beschlossen hat der Stadtrat am Dienstagabend, für diese Vorhaben Zuschüsse nach der Förderrichtlinie RZWas zu beantragen. Diese Möglichkeit der Förderung für Leitungssanierungen gibt es erstmals seit vergangenem Jahr wieder, denn seit 2004 waren nur noch Erschließungen förderfähig, wie Bürgermeister Udo Dauer (CSU) erläuterte. Daher hatte die Stadt die Sanierung der Kanäle in der Kernstadt zurückgestellt, nachdem zuvor die Stadtteile an die Kläranlage angeschlossen worden waren. Mit der Neuregelung soll Kommunen in schwierigen Finanzlagen geholfen werden. Die Jurastadt ist die erste im Bereich des Wasserwirtschaftsamts Kronach, die diese Förderung beantragt, wie der Bürgermeister betonte. Sie werde zwar deutlich niedriger ausfallen als die frühere Förderung, dafür hoffe er, dass das Programm länger aufrecht erhalten "und der Fördertopf noch mehr gefüllt wird, damit nicht die Kommunen und die Bürger die Leidtragenden sind".
Dass der Verlust von Zuschüssen für die Kanalsanierungen in der Kernstadt nicht nur wegen Gesetzesänderungen, sondern auch durch einen irrtümlichen Verzicht des Stadtrats auf eine vorgeschriebenene Kamerabefahrung zurückzuführen sei, betonte Dritter Bürgermeister Michael Dreiseitel (SPD). Falsche Informationen des ehemaligen Bürgermeisters hätten die Stadträte dazu veranlasst.


Minister soll beim Radweg helfen

Das Startsignal für die Verlegung der Ortsdurchfahrt wird Innenminister Joachim Herrmann am heutigen Freitag um 9.15 Uhr in Weismain geben. Den Besuch des Ministers will der Bürgermeister nutzen, um ihn zur Unterstützung für den Bau des lange gewünschten Geh- und Radwegs durch das Kleinziegenfelder Tal zu gewinnen. Dazu habe er ihm im Vorfeld einen Brief geschrieben.
Für Aufregung haben die Fällarbeiten auf der Trasse der geplanten Umgehung gesorgt. Auf Frage von Jasmin Schardt (Grüne) teilte Dauer mit, dass 174 Bäume und Büsche gerodet wurden. Ausgleichspflanzungen werde das Straßenbauamt nach Bauende entsprechend dem Bebauungsplan vornehmen. Da die Ortsdurchfahrt von Erlach als Umleitungsstrecke während der Bauarbeiten vorgesehen ist, wird der Zustand der Straße im Vorfeld erfasst. Derartige Zustandserfassungen für alle Ortsdurchfahrten hält der Bürgermeister für nicht erforderlich, da sie nicht betroffen seien. Für den ersten Bauabschnitt könnten Schottertransporte, wenn sie von Kaider kommen, über Siedamsdorf erfolgen mit Rückfahrt (leer) über Kaspauer. Für den zweiten Bauabschnitt will er dafür sorgen, dass die Anlieferung über die Staatsstraße von Kloster Langheim her erfolgt.
Eine Chance zur Förderung von Tourismus, Wirtschaft, Berufsausbildung und Familien im östlichen Landkreis Lichtenfels bietet der "Verantwortungs-Kompass Obermain Jura", der auf Initiative des Wirtschaftsforums Obermain-Jura von der Universität Bayreuth erstellt werden soll. Hauptziel ist es, die Region für Arbeitskräfte attraktiver zu machen. Die Analysephase ist fast abgeschlossen, wie Bürgermeister Dauer mitteilte. Dabei wurden sieben "Fokusthemen" herausgearbeitet, zu denen bis Mai ein Maßnahmenkatalog fertiggestellt werden soll. Vier Projekte wurden angeregt: Ein gemeinsames Regionalmarketing (mit Erstellung einer Homepage, Tourismusbüro und Konzept mit Anbindung an den Tourismusverein Obermain Jura), ein gemeinsames Arbeitgebermarketing (Darstellung der Unternehmenslandschaft mit Highlights, Coaching der Unternehmen zur Darstellung, Job-Börse), ein Netzwerk Beruf und Familie (Lotsenprogramm für Kinderbetreuung und Pflege, Verbesserung der Angebote für Betreuung und Pflege) sowie Berufsorientierung (Praxis-Projekte zwischen Wirtschaft und Schulen, Berufsbörse). Das Programm "Regionalmanagement" soll auf Landkreisebene zur Verfügung gestellt werden und der Landkreis bietet an, Fördermittel zu beantragen für eine Umsetzung der Projekte in den Pilotkommunen Altenkunstadt, Burgkunstadt und Weismain als "Best-Practice-Modell".
Die drei Kommunen müssen sich mit 20 Prozent der Fördermittel beteiligen. Einstimmig beschlossen die Stadträte, dass Weismain ein Drittel der nicht gedeckten Kosten für die Umsetzung der Projekte in Höhe von maximal 10 600 Euro übernimmt. Die gleiche Summe sollen Altenkunstadt und Burgkunstadt beisteuern.
"Das ist eine Investition für die Zukunft - mit bescheidenen Mitteln können wir die wirtschaftlichen Chancen der Region verbessern", betonte Hans Popp (CSU).