Die dicke Luft im Lahmer Gasthof Fischer lag gestern nur teilweise daran, dass das Wirtshaus komplett mit interessierten Landwirten und sonstigen Grundbesitzern gefüllt war. Zusätzlich wurde das Klima durch die erhitzten Gemüter aufgeheizt, was sich schon vordem offiziellen Beginn der Veranstaltung zeigte. Die anwesenden Grundeigentümer hatten sich in einer Liste eingetragen, die sich auf die einfache Frage reduzieren ließ: "Für oder gegen Windkraft" - und die Kreuzchenschwemme auf der "Gegen"-Seite ließ keine Zweifel über die vertretene Meinung zu. Dabei hatte der Bauernverband, vertreten durch Kreisobmann Michael Bienlein und den Lichtenfelser Geschäftsführer Hans Rebelein, gar nicht zu einer Abstimmung, sondern zu einer Informationsveranstaltung eingeladen.

"Als Verband vertreten wir Mitglieder, die sowohl für als auch gegen die Windenergie sind.
Uns war es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten, die Entscheidung liegt letzten Endes ohnehin bei den Grundeigentümern", sagte Bienlein. Zunächst verlas er jedoch noch eine Stellungnahme des BBV-Präsidiums, welche die geplanten Kürzungen der Einspeisevergütungen für Windanlagen an Land und Biogasanlagen kritisierte. Mit diesen werde vielen sich in Planung befindenden Objekten die wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Möglichkeiten für Landwirte

Anschließend hielt der Referent Andreas Köppel, Berater für Windkraftanlagen bei der Landsiedlung, einer Tochtergesellschaft des Bauernverbands, einen Vortrag mit dem Thema "Was bedeuten Windkraftanlagen für Bürger, Landwirte und Grundstückseigentümer in der Region?", in dem er die Vor- und Nachteile solcher Anlagen aus seiner Sicht darlegte.

Die Landsiedlung betreue unter anderem verschiedene Projekte von Biogas- und Windenergieanlagen und versuche insbesondere, sogenannte Bürger-Bauern-Anlagen zu fördern, die von den Bewohnern vor Ort finanziert würden und deren Rendite auch der Ortschaft zugute kommen solle und eben nicht auswärts sitzenden Investoren. Durch eine am Ort sitzende Betreibergesellschaft würde auch die Kommune mehr Steuern erziehlen, wie Köppel erwähnte. Er betonte auch die weiteren Chancen und Möglichkeiten, die sich vor allem in finanzieller Hinsicht für Anwohner und Grundbesitzer, die sich zum Beispiel durch Pacht und Wegegeld ergäben. Außerdem seien die Windanlagen eine Schritt auf dem Weg zur Dezentralisierung und Demokratisierung der Energieversorgung, da sie die Unabhängigkeit der Bürger von den großen Stromkonzernen erhöhten.

Dennoch gäbe es natürlich auch Hindernisse und Nachteile. Vor allem die lange Zeit bis zur Fertigstellung einer Anlage - hier seien mindestens zwei Jahre einzurechnen - und die mögliche Behinderung einer Anlage durch die Ergebnisse von Windgutachten oder Vogelzählern wurden genannt. Werde in der Gegend der geplanten Anlage nämlich im Laufe eines Jahres etwa ein Schwarzstorch gesichtet, so wäre die Planung hinfällig und die bereits geleisteten Investitionen umsonst gewesen. Köppel erwähnte auch den Eingriff in die Natur, den Windräder, die inzwischen eine Gesamthöhe von 200 Metern erreichten, darstellten. Allerdings meinte, dass man sich mit der Zeit an den Anblick der Windräder gewöhnen ürde. So sei es mit den im Landschaftsbild inzwischen zum Alltag gewordenen Hochspannungsleitungen auch gewesen. "Die sieht das Auge dann gar nicht mehr", wie er es ausdrückte.

Kritik am Staffelsteiner Vorhaben

Der teilweise aufkommende Geräuschpegel und einige lauter gesprochene Bemerkungen ließen jedoch bereits vermuten, dass die Besucher der Veranstaltung mit dem positiven Tenor des Vortrags nicht ganz einverstanden waren. Woher diese Haltung kam, wurde in der folgende Diskussionsrunde dann schnell klar, als der Lahmer Johannes Oppel das Wort ergriff. Der Stein des Anstoßes für die Lahmer Landwirte und Grundbesitzer war das Verhalten des Bad Staffelsteiner Stadtrates, das er folgendermaßen beschrieb:

Weil die drei ursprünglichen Planungsflächen für Windkraftanlagen jeweils abgelehnt werden mussten, in einem Fall zum Beispiel wegen dem Tourismus nicht förderlichem Blickkontakt zu Kloster Banz, Vierzehnheiligen und dem Staffelberg, wäre das Planungsgebiet auf Vorschlag der Genossenschaft Neue Energie Obermain einfach auf den Bereich Kümmersreuth/Lahm ausgeweitet worden, ohne mit den dort ansässigen Grundbesitzern zu reden. Er selbst sei hierbei nach eigenen Angaben mit Eigenfläche betroffen. Der Stadtrat Bad Staffelstein habe dies bereits am 24. Juli des letzten Jahres beschlossen und der Antrag läge auch schon zur Genehmigung bei der Regierung von Oberfranken in Bayreuth. "Dieses Vorgehen hinter dem Rücken der Bürger hat nichts mit der bürgernahenEnergieversorgung zu tun, von der sie reden", machte Oppel, der auch bereits eine Unterschriftensammlung der betroffenen Grundbesitzer gestartet hat, seinem Ärger Luft. Dabei liege das neue Planungsareal teilweise im Gebiet des Naturschutzgebietes "Veldensteiner Forst", zusätzlich sei dort ein Wasserschutzgebiet in Planung. Landwirte bekämen dort nicht einmal die Erlaubnis zur Errichtung eines Schuppens, aber nun solle dort die Ausnahmeerlaubnis für ein solches Projekt möglich sein. Lahm sei außerdem durch die dortigen Steinbrucharbeiten und die Hochspannungsleitung ohnehin beeinträchtigt - Punkte, die das Protokoll des Stadtratsbeschlusses übrigens inte-ressanterweise bei der Begründung als Argumente für das Vorhaben erwähnt.

Sache der Eigentümer

Den Sorgen um Bevormundung durch die Stadt Bad Staffelstein entgegnete Andreas Köppel, dass kein Grundeigentümer zu fürchten brauche, zu irgendetwas gezwungen zu werden. Ohne die Unterschrift der Grundeigentümer der betroffenen Pachtfläche sowie der Gebiete im Umkreis von 100 Metern um den geplanten Standort der Anlage könne niemand etwas unternehmen. Durch die im betroffenen Gebiet noch nicht durchgeführte Flurbereinigung und der daraus resultierenden Vielzahl an benötigten Unterschriften sei es mehr als unwahrscheinlich, dass die geplanten Anlagen jemals realisiert würden.

Weitere Diskussionen entsponnen sich über die prinzipielle Sinnhaftigkeit von Windenergieanlagen in Bayern. Johannes Oppel bezweifelte diese aufgrund des windschwachen Standorts, zudem sei der Eingriff in die Natur eine zu hohe Beeinträchtigung der Lebensqualität und stünde in keinem Zusammenhang zur erbrachten Leistung. Dem begegnete Köppel mit der Aussage, dass die Investition in erneuerbare Energien sich wegen der erwähnten Vorteile und vor allem der Erschaffung sauberer Energie in jedem Falle lohnen würde. Wichtig sei jedoch ein Konsens, der in diesem Fall offensichtlich nicht erreicht werden könne.

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