Stille. Ein Moment zum Innehalten. Nicht planbar, sondern einfach aus der Situation heraus. Am Ende der Andacht "Abgesang" am Karfreitag in der Georgenkapelle in Bad Staffelstein beendete der Chor sein letztes Lied und niemand konnte sich entschließen, etwas zu tun. Keiner ging, keiner klatschte. Ein langer Moment der Stille und der Einkehr in der vollbesetzen Kapelle. Einen passenderen Schlusspunkt für eine Karfreitags-Andacht kann es nicht geben.


Dialoge von Mensch zu Mensch

Dabei stimmten schon Lieder und Texte nachdenklich. Sie erreichten die Menschen auf einer sehr persönlichen Ebene. In dieser Andacht wurden nicht nur Bibelstellen zitiert. Drei Sprecher traten in verschiedenen Rollen auf, als Personen, die in der Bibel nicht unbedingt namentlich erwähnt werden, die aber ihren eigenen Blick auf Jesu Geschichte haben.
Es seien Menschen, "die so oder so ähnlich gelebt haben", so der katholische Pastoralreferent Josef Ellner. Er hatte die Texte verfasst, ließ die Figuren in heutiger Sprache sprechen, ja sogar im Dialekt, ließ sie einen Dialog von Mensch zu Mensch führen.
Nicht nur Ellner selbst, sondern auch der evangelische Pfarrer Helmuth Bautz und die katholische Pastoralassistentin Susanne Lindner schlüpften in die verschiedenen Rollen. Alle drei arbeiten sie für die ökumenische Kur- und Urlauberseelsorge in Bad Staffelstein.
Lindner spielte eine Wirtin, in deren Wirtshaus Jesus und seine Jünger regelmäßig einkehrten, und eine Freundin Maria Magdalenas. Sie sieht, wie Jesus ihrer besten Freundin hilft, und folgt ihm daraufhin begeistert. "Jetzt das Leben spüren und schmecken", das habe sie gelernt. Nicht an Gestern und Morgen denken. Die Ansichten und Erkenntnisse aus den Begegnungen mit Jesus scheinen dabei zeitlos zu sein.
Josef (gespielt von Ellner) wundert sich über seinen Sohn, der doch alles gehabt hätte - Familie, Freunde, einen Beruf - und doch schien ihm das nicht zu genügen. Obwohl er selbst sagt: "Wer sein Kind liebt, der lässt los und schickt es in die Welt", fällt es ihm schwer, zu verstehen, warum sein Sohn die "sichere Zukunft" ausgeschlagen hat. Schließlich fragt er: "Mein Sohn, warum hast du mich verlassen?"


Flüchtlingskind Jesus

Bautz schlüpft in die Rolle eines Ägypters, der erzählt, wie er Maria, Josef und Jesus als Flüchtlingsfamilie bei sich aufgenommen hat. Nach anfänglichen Vorurteilen überzeugten ihn schließlich Josefs Handwerkerqualitäten. Er wundere sich aber, dass Jesus doch 32 Jahre alt geworden sei, als Flüchtlingskind hatte er ihm weniger Chancen eingeräumt.
Neben den sechs Stimmen kündigte Ellner eine siebte an, "die Stimme der Musik". Musik helfe dort, wo der Mensch nicht reden kann.


Die Stimme der Musik

Vier junge Sänger gaben der Andacht zwischen den Lesungen aus der Bibel und den Erzählungen eine sehr besinnliche Atmosphäre. Mit feinen Stimmen sangen Verena Durmann (Sopran), Teresa Stößel (Alt), Felix Steiner (Tenor) und Manuel Höppner (Bass) unter anderem Lieder von Sinéad O'Connor, John Lennon und Knut Nystedt. Ihre reinen Stimmen glitten sanft in den Raum und ließen keine Instrumente vermissen. Schlicht hielten sie ihren Gesang, passend zum Anlass des Karfreitags.
"Dem Tod begegnen wir ganz ungewollt mitten im Leben, ungefragt", so Ellner. Und so wie man sich an jemanden erinnert, der gerade gestorben ist, wollte man auch bei dieser Andacht Jesu gedenken. Die verschiedenen Perspektiven zeigten, dass Jesus zu Lebzeiten eben nicht nur eine religiöse Funktion hatte. Er war auch Sohn, Freund, Wegbegleiter oder ein Bekannter.