Als hätte Alfred Hitchcock das Drehbuch geschrieben: Zu einem wahren Krimi entwickelt sich die Wahl des Ortssprechers bei der Ortsversammlung in Nedensdorf am Dienstagabend. Der Nebenraum im Gasthaus Reblitz war proppenvoll. Dementsprechend erfreut zeigte sich Bürgermeister Jürgen Kohmann (CSU) darüber, dass so viele Nedensdorfer gekommen waren, um ihren Ortssprecher zu wählen und (siehe hierzu Bericht unten) über für den Ort wichtige Themen zu diskutieren.

Spannung pur bei der Auszählung

Der Wahlausschuss war schnell gebildet. Die anwesenden Stadträte Winfried Ernst, Walter Mackert und Holger Then sowie der Geschäftsleitende Beamte der Stadt, Wolfgang Hörath - an diesem Abend zugleich Protokollführer - erklärten sich dazu bereit.

Gleich vier Kandidaten wurden dann vorgeschlagen.
Neben Amtsinhaber Johann Schramm signalisierten Astrid Balzar und Christian Kraus, im Falle einer Wahl das Amt anzutreten. Karl-Heinz Geldner, das nur der formalen Vollständigkeit halber, wurde zwar ebenfalls vorgeschlagen, lehnte aber von vornherein ab.

Nachdem die Stimmzettel verteilt waren, traten 64 stimmberechtigte Bürger - eine beachtliche Zahl für das 429-Seelen-Dorf - an die Urne. Von den letztlich 63 gültigen Stimmen entfielen drei auf Kraus, eine - unsinnigerweise - auf Geldner. Die übrige Stimmenverteilung sorgte für Spannung pur: Auf 29 Wahlzetteln stand der Name "Balzar", 30 votierten für Amtsinhaber Schramm - eine Entscheidung war damit aber noch nicht gefallen. Laut den Bestimmungen ist nämlich derjenige gewählt, der zuerst mehr als die Hälfte der Stimmen bekommen hat. Dies gelang keinem der Kandidaten und so musste eine Stichwahl her zwischen Astrid Balzar und Johann Schramm.

"Das ist ja fast wie bei der Papstwahl"

Die Tatsache, dass sich das Wahlprozedere nun noch länger hinziehen würde, nahmen die Nedensdorfer mit Humor: "Das ist ja fast wie bei Papstwahl", scherzte ein junger Mann. Wieder ging es an die Urne. Die Spannung nach dem zweiten Wahlgang war beinahe greifbar; es war mucksmäuschenstill, als Wolfgang Hörath das Ergebnis bekannt gab: Von den 64 Wahlberechtigten hatten diesmal - ein Wahlzettel war erneut ungültig - 34 für Balzar und 29 für Schramm gestimmt.

Nachdem Balzar die Wahl im Anschluss auch annahm, stand fest: Nedensdorf hat eine neue Ortssprecherin. Souverän gratulierte Schramm seiner Nachfolgerin. Den Ausgang der Wahl als "Niederlage" Schramms zu deklarieren, wäre verfehlt. Die knappe Mehrheit war einfach der Meinung, dass nach 16 Jahren die Zeit reif ist für einen Wechsel - Punkt, aus. Die Verdienste Schramms wurden von Bürgermeister Jürgen Kohmann gewürdigt: "Er hat sich etwa beim Kanalbau eingebracht und war federführend beim Feuerwehrhaus-Neubau, packte hier auch selbst mit an. Dies sind nur zwei Beispiele. Ich sage Johann Schramm im Namen der Stadt ein herzliches ‚Vergelts' Gott'".

Die neu gewählte Ortssprecherin, Astrid Balzar, bedankte sich ebenfalls: "Ich bedanke mich für das in mich gesetzte Vertrauen und werde versuchen, die gute Arbeit meines Vorgängers, der mir hoffentlich zu Beginn mit Rat und Tat zur Verfügung stehen wird, fortzusetzen". Dass es ihr gelingt, Verantwortung für andere zu tragen stellt die gebürtige Nedensdorferin beruflich unter Beweis: Astrid Balzar ist Rektorin der Adam-Riese-Schule in Bad Staffelstein.
Nun ist sie nicht mehr nur Ansprechpartnerin für viele Schüler, sondern auch Sprachrohr für die Bürger ihres Heimatortes.