Notwendiges muss sein, auf Luxus wird verzichtet - die Haltung von Bürgermeister Bernhard Storath bei der jüngsten Bürgerversammlung im Ebensfelder Pfarrheim war unmissverständlich. Und es sind nicht wenige notwendige Maßnahmen, die anstehen und die Kassen der Kommune belasten.

Rund 50 interessierte Bürger hießen der Bürgermeister und einige weitere Vertreter der Gemeindeverwaltung im Pfarrsaal willkommen. Beim kurzen Rückblick auf in 2014 umgesetzte Maßnahmen ließ Storath die Anschaffung des neuen Mehrzweckfahrzeugs der Ebensfelder Feuerwehr nicht unerwähnt und lobte auch, wie schön die dank der Familie Zeitler stets geöffnete, nun aufwändig renovierte Friedhofskapelle in Ebensfeld geworden sei.
"Wir dürfen aber auch die kleinen Orte nicht vergessen", unterstrich Storath, nannte hier etwa das neue Gemeinschaftshaus in Kümmel, für das man "viel geprügelt worden" sei sowie die ihm zufolge sehr gelungene Dorferneuerung in Sträublingshof.

Drei "Sperrpausen"

Storath machte dann deutlich, worauf sich die Ebensfelder Bürger im Zusammenhang mit dem Mega-Projekt der Deutschen Bahn einstellen können: "Heuer ist das Jahr mit der höchsten Lärmbelastung. Da wird's extrem, weil es in den Ort reingeht". Die Bahnunterführung wird - sofern das Wetter mitspielt - noch vor Ostern geteert und freigegeben. Des weiteren ließ der Bürgermeister verlautbaren, dass die Bahn in nächster Zeit drei "Sperrpausen" plane, in denen keine Züge fahren, und zwar vom Freitag, 20. bis Montag 22. März, sowie an Ostern und Pfingsten.

2016 gebe es dann die bereits bekannte mehr als halbjährige Komplettsperrung der Bahnstrecke, spätestens Anfang 2017 sollen alle Bauarbeiten in Ebensfeld abgeschlossen sein. "Das Bild von Ebensfeld wird sich verändern", prognostizierte Storath und meinte hier vor allem die Lärmschutzwände entlang der Bahnlinie, über deren konkrete Gestaltung noch heuer beraten und beschlossen werde.

Zur nun doch erreichten Barrierefreiheit des künftigen Ebensfelder Bahnhofs meinte Storath zufrieden, dass nun eine gute Lösung gefunden worden sei, die den Bedürfnissen von Senioren mit Rollatoren, Rollstuhlfahrern sowie Müttern mit Kinderwagen Rechnung trägt. Die Bahn sei für den beschlossenen Aufzug unterhaltspflichtig und habe dies gegenüber der Kommune auch noch einmal bestätigt. Auf Nachfrage von Bürgern wies Storath darauf hin, dass während der Vollsperrung 2016 die Schienenersatzverkehr-Haltestelle sich am Autohaus Berthold befinden wird.

Thema Feuerwehrhaus

Auch zum viel diskutierten Feuerwehrhaus-Neubau in Ebensfeld nahm Storath Stellung. Auch wenn das neue Domizil der Feuerwehr mit rund 2,5 Millionen Euro zu Buche schlagen wird, ließ Storath wie schon in der Vergangenheit auch an diesem Abend keinen Zweifel an der Notwendigkeit der Investition: "Wenngleich es sich hier um die größte Investition in unserer Marktgemeinde seit langem handelt, der Feuerwehrhaus-Neubau dient schlichtweg der Daseinsvorsorge". Die Bauarbeiten hierfür starten voraussichtlich im Herbst dieses Jahres, die Fertigstellung ist für Frühjahr 2017 geplant.

"Was sein muss, muss sein" hieß die Quintessenz der Ausführungen des Bürgermeisters auch in Anbetracht der notwendigen umfangreichen Sanierung der Ebensfelder Schule, die unter Berücksichtigung der brandschutztechnischen Belange geschätzt 400 000 Euro kosten könnte. In der Höhe wollte sich Storath noch nicht festlegen.

"Jeder hat mitbekommen, dass die Gebühren für Kanal und Wasser stiegen", sprach Storath auch dieses etwas heikle Thema an, legte aber Wert darauf festzustellen: "Selbst mit den erhöhten Gebühren liegen wir im Vergleich zu anderen Kommunen noch immer im unteren Bereich".

Die Pro-Kopf-Verschuldung der Marktgemeinde betrug zum Ende des Vorjahres 517 Euro, was deutlich unterhalb des Landesdurchschnitts liege, ließ Storath wissen - und baute schon einmal vor: "2017 wird sich unsere Pro-Kopf-Verschuldung vor allem wegen des neuen Feuerwehrhauses etwa verdoppeln auf rund 1000 Euro". Doch ob Feuerwehrhaus, Schulsanierung oder dem für 2015 außerdem anstehenden Kanalanschluss in Niederau - der Bürgermeister wurde nicht müde, zu unterstreichen, dass die Marktgemeinde hier "keine Luxusdinger baut, es handelt sich um Pflichtaufgaben".

Und an alle gerichtet waren im Anschluss an eine Diskussions -und Fragerunde die Worte des Bürgermeisters: "Wir haben stets das Wohl der Bürger im Sinn - und zwar über Parteigrenzen hinweg". Er scheue keine Diskussion, so Storath, doch man dürfe sich die gute Stimmung auch nicht kaputtreden lassen. "Wir stehen ganz gut da und brauchen uns nicht zu verstecken".

Straßenausbau - der Bürger zahlt mit

Andreas Hoffmann reichte zur Bürgerversammlung zwei Anträge ein, die sich generell mit der Straßenausbaubeitragssatzung befassten. Im ersten Antrag gab Hoffmann zu bedenken, dass die Bürger zuwenig über die seit 2002 geänderte Rechtslage informiert seien, wonach Kommunen auch berechtigt sind, nicht nur beim Neubaues von Straßen, sondern auch bei Straßenerneuerungen die Bürger zu Beitragszahlungen heranzuziehen.

In einem zweiten Antrag zum gleichen Thema wies Hoffmann darauf hin, dass beitragspflichtige Straßen in der Kommune teilweise mit zunehmendem Schwerlastverkehr belastet werden. Er wünscht sich, dass die Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat seine Straßenausbaubeitragssatzung "wegen der ungerechten Kostenverteilung überdenkt, um betroffene Bürger nicht zu überlasten".

"Wir werden die beiden Anträge von Herrn Hoffmann natürlich im Gemeinderat behandeln", versprach Storath, wollte aber das Thema auch in der Bürgerversammlung seinerseits nicht unkommentiert stehen lassen.

"Wir halten uns ans Gesetz"

Die vom Antragsteller gewünschte Satzungsänderung sei, so Storath, schon allein aus rechtlichen Gründen nicht möglich. "Wir halten uns nur ans Gesetz". Außerdem werde, fuhr Storath fort, bei Zuschüssen darauf geschaut, dass die Gemeinde wirklich alle Einnahmemöglichkeiten ausschöpft. Ohne Straßenausbaubeitragssatzung könne es ansonsten passieren, dass man dann Zuschüsse nicht mehr bekommt.

Auch zum zweiten Teil des Antrags nahm der Bürgermeister Stellung. Bei Hauptverkehrsstraßen, die vom Schwerlastverkehr vorwiegend benutzt würden, hätten die Bürger bei Straßenerneuerungen mit 20 Prozent anteilsmäßig weniger Kosten zu tragen als bei den übrigen Ortsstraßen. Von daher werde dem Umstand der Belastung durch den Schwerlastverkehr Rechnung getragen. Und mit den 80 Prozent, die die Gemeinde also bei Hauptverkehrsstraßen zahle, liege sie noch im hohen Bereich. Unter bestimmten Bedingungen sei eine Tonnage-Begrenzung möglich, ergänzte Storath und redete abschließend noch einmal Klartext: Inwieweit die Kommune Straßen erneuern oder neu bauen kann, wenn sie die Kosten komplett selbst übernehmen müsste, stehe in den Sternen.

Neuer Belag lärmt weniger

Bei der Bürgerversammlung wurde auch die Lärmschutzschutzmaßnahme an der A 73. In dem Bereich, in dem kein Anspruch auf aktiven Lärmschutz besteht, wird die Fahrbahn laut Storath mit einem Belag erneuert, der - wenngleich es sich nicht um "Flüsterasphalt" handelt - weniger Lärm erzeugt als die bisherige Fahrbahndecke. Zum Gewerbegebiet Unterneuses kündigte Storath an, dass noch im Frühjahr das Cafe der Biobäckerei Schedel fertig sein soll.

Die Sanierung der Kläranlage wird kostenmäßig auf die Bevölkerung umgelegt. Die Belastung halte sich Storath zufolge aber in Grenzen, weil ja alle Bürger der gesamten Marktgemeinde herangezogen würden. Weitere Themen waren die Situation der Mittelschule sowie eine Reihe von Aktionen oder Projekte vom neuen PC-Raum in der Ebensfelder Schule bis zum Kinderferienprogramm. Erfreulich seien ferner die 56 Geburten in 2014, was eine erneute Erhöhung gegenüber dem Jahr zuvor (53) bedeutete.

Glasfaser in allen Ortsteilen

Einleitend bezeichnete Bürgermeister Storath die derzeitige Situation in der Kommune als sehr zufriedenstellend. Vor dem Hintergrund, dass nun alle Ortsteile mit Glasfaser versorgt seien, meinte Storath: "Jetzt bin ich gespannt, ob die Leute das auch nutzen und buchen". Ansprechpartner für die Bürger sei hier weiterhin Tobias Walter in der Gemeindeverwaltung.

"Kein Handlungsdruck"

Mit derzeit 56 Kinderkrippen-Plätzen, davon allein 36 in Ebensfeld, verspüre die Gemeinde derzeit keinen Handlungsdruck. "Generell sind unsere Kindergärten außerdem gut ausgestattet", so Bernhard Storath.