Vor vier Jahren zogen Petra und Michael Körner nach Döringstadt - nicht wissend, an welch geschichtsträchtigem Ort sie ihr Domizil aufschlugen. Freilich informierten sie sich im Internet und schlenderten durch Straßen und Gassen. "Für einen kleinen Ort gibt es hier viele Beschilderungen mit geschichtlichen Informationen, wie man sie eigentlich in einer großen Stadt erwartet", findet Petra. Von der Neugier geweckt, begaben sie sich als Pilger auf kulturelle Entdeckungspfade. Um "mehr Geschichten zu lernen", so Michael, treffen sie heute am Ausgangspunkt des "Historischen Rundgangs" dessen Initiator, Wolfgang Fischer.
Er erklärt: "Bei der Dorferneuerung konkretisierte sich die Idee, Geschichte lebendig werden zu lassen. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier 1997 wurde sie realisiert. Ziel sollte sein, Werden, Entstehen und Zusammenwachsen einer Ortschaft von der Siedlungsgeschichte her zu beleuchten.
Ist- und Sollzustand ergeben sich aus der Vorgeschichte. Von dieser muss ausgegangen, dieser muss man gerecht werden. Der damalige Arbeitskreis ‚Kulturgeschichte‘ machte diese Überlegungen zum Ausgangspunkt der Konzeption eines ‚Historischen Rundgangs‘ durch den Ort."
An zentraler Stelle in der Ortsmitte rekonstruiert eine große Schildtafel einen geschichtlichen Lageplan. Fischer erklärt, dass dabei der heutige Ort, der als Grundlagenplan dient, in den Hintergrund trete. Der befestigte "Markt" und das "Ambt Düringstatt" (Wappeninschrift von 1603) des Mittelalters mit Ringwall, Stadttoren und dem ehemaligen Hochgericht mit dem Amtshaus der "dompropsteilichen Amtsvogtei" rücken in den Vordergrund.

Geburtshäuser prominenter Söhne

Auf einzelne Orte und Gebäude und die mit ihnen zusammenhängenden Persönlichkeiten werde hingewiesen. Ausführlich werden sie auf Tafeln beschrieben. Urkundlich erstmals um 790 erwähnt, niedergebrannt zur Zeit des Markgrafen- und des Dreißigjährigen Krieges, entwickelte sich Döringstadt im Laufe der Jahre zu einem Ort mit vielen Ambitionen. Kein Wunder, dass es nicht nur für Petra und Michael vieles zu entdecken gibt: die ehemalige dompropsteiliche Amtsvogtei, die Pfarrkirche Sankt Martin mit Wehrturm und innerer Befestigungsanlage, die Geburtshäuser des Märtyrers Lunkenbein und des Bischofs Senger, den "Mönchshof" und die oberhalb davon liegende Marter "Schnelzgalgen", um die sich die Sage des "Krätz'nhundes" rankt. Stationen sind überdies die historischen Dorfbrunnen als Zeugnisse der Wasserversorgung, schmucke Bauernhäuser, oder Sandstein-Statuen.
Der historische Rundgang kann freilich nur Schlaglichter liefern. Daher fragen auch 15 Jahre nach der Initiation immer wieder Gruppen nach einer Führung, bestätigt Fischer.
Was die Bedeutung des Etterweges war, warum in der Vogtei über Leben und Tod entschieden wurde, wieso der Döringstadter Kirchturm eigentlich das beste Geschichtsbuch ist, und weshalb man im Kloster Langheim lange "den Guten aus Döringstadt" kredenzte, kann man auf einem Streifzug durch die über 1200-jährige Döringstadter Geschichte mithilfe des "Historischen Rundgangs" selbst herausfinden - alleine oder geführt (Kontakt: 09573/950139, oder webmaster@doeringstadt.de). Der Rundgang regt an, in einigen der Gässchen als Pilger auf kulturellen Entdeckungs pfaden Geschichte zu atmen.