Springpferd Londoner wird von seinem Besitzer auf dem Gelände des Küpser Reiterhofs Tannleite auf und abgeführt. Erst im Schritt, dann im Trab. "Vor der Behandlung mache ich mir ein Bild davon, wie das Pferd geht", sagt Tierphysiotherapeutin Rebecca Lutz. Wenige Minuten später steht der Wallach angebunden in der Stallgasse. Lutz stellt sich auf einen Hocker und beginnt, die Faszien und Verklebungen am Pferderücken zu lockern.

Zahlreiche Weiterbildungen

Lutz ist gelernte Humanphysiotherapeutin. Nach dem Staatsexamen im Jahr 2013 hat sie zahlreiche Fortbildungen, unter anderem in der Manuellen Therapie, belegt. "Ich habe viel mit Sportlern gearbeitet und auch eine Fußballmannschaft betreut", erinnert sie sich. Am Praxisalltag störten die Lichtenfelserin vor allem die kurzen Behandlungszeiten von 20 Minuten pro Patient. "Ich habe darüber nachgedacht, was ich sonst noch machen könnte - Hunde und Pferde waren schon immer ein Thema", erzählt Lutz, so habe sie sich dazu entschieden, berufsbegleitend Tierphysiotherapie in München zu studieren.

Mit ihren Kunden ins Ausland

Mittlerweile arbeitet die 28-Jährige hauptberuflich als Tierphysiotherapeutin für Pferde und Hunde. Um ihre Kunden auch zu Turnieren ins Ausland begleiten zu dürfen, hat sie kürzlich eine Prüfung bei der International Federation of Equestrian Sports (FEI) abgelegt, der internationalen Dachorganisation des Pferdesports, die sie nun alle vier Jahre wiederholen muss. "Die Richtlinien im Pferdesport ändern sich ständig. Außerdem möchte ich das Niveau meiner Arbeit halten", sagt Lutz, während sie Londoners rechtes Bein dehnt und so dessen Schultermuskulatur mobilisiert. Eigentlich hätte Lutz Londoner und seinen Besitzer jetzt auf ein Turnier nach Spanien begleitet, doch dann brach die Corona-Pandemie aus und der Wettbewerb wurde abgesagt. "Ich wäre das erste Mal gemeinsam mit einem Kunden im Ausland gewesen", bedauert sie.

Rebecca Lutz legt sehr viel Wert darauf, dass die Tiere ganzheitlich behandelt werden, deshalb hat sie sich auch im Bereich Osteopathie weitergebildet. "Erst nachdem alle Blockaden und Faszien gelockert sind, folgt das Dehnen und die Mobilisierung", erklärt sie. Wie auch bei den Menschen, gebe es von vornherein Pferde und Hunde die mehr oder weniger verspannt sind. "Londoner hat zum Beispiel immer eine gewisse Grundspannung, seit Dezember behandle ich ihn alle vier bis fünf Wochen", sagt die Tierphysiotherapeutin. Als Springpferd wird er anders belastet als ein Freizeitpferd, Blockaden hat der neunjährige Wallach vor allem im Rücken. "Für Freizeitpferde empfehle ich Behandlungen im Abstand von drei bis sechs Monaten - auch wenn die Tiere keine offensichtlichen Beschwerden haben."

Arthrose und Rückenschmerzen

Um ein Pferd oder einen Hund ganzheitlich zu behandeln, braucht Lutz etwa eine Stunde: "Der Erstbefund nimmt natürlich mehr Zeit in Anspruch - wie bei Menschen auch." Wie die Behandlung abläuft, hängt von den jeweiligen Beschwerden ab. "Hunde behandle ich oft wegen einer Arthrose und postoperativ nach einem Bandscheibenvorfall oder einem Kreuzbandriss", erzählt Lutz aus ihrem Alltag. Pferden hilft sie, wenn diese lahmen oder Rückenprobleme haben. "Oft verweisen Tierärzte, Hufschmiede, Trainer oder Sattler die Besitzer an mich."

Nachdem Lutz Londoners Becken und Schulter mobilisiert hat, bekommt der Wallach noch fünf Akupunkturnadeln gesetzt, drei in den Rücken und zwei in die hinteren Beine. "Die Nadeln unterstützen die physiotherapeutische Behandlung", erklärt Lutz. An ihrem Beruf schätzt sie vor allem, dass sie sich genug Zeit für jeden ihrer Patienten nehmen kann. "Jedes Pferd ist individuell. Zum kleinen Teil trage ich durch meine Arbeit auch zu Turniererfolgen bei", freut sie sich.

Nach etwa zehn Minuten können die Akupunkturnadeln wieder entfernt werden. Für Londoner geht es wieder nach draußen. Noch einmal wird er im Schritt und im Trab an Lutz vorbeigeführt. "Der Fußtritt ist jetzt wieder viel gleichmäßiger als vorhin, und er nutzt die Muskulatur in der Oberlinie wieder mehr."

Informationen Unter folgendem Link erhalten Sie weitere Informationen zu Tierphysiotherapeutin Rebecca Lutz und ihren Tätigkeitsbereichen: www.vetphysioplus.de cd