"Wer will fleißige Handwerker seh'n, der muss zu Döringstadter Kindern geh'n!" Das leicht umgedichtete Volkslied trifft - denn neun Vorschulkinder der Kindertagesstätte Sankt Martin haben beim Projekt "Kinder entdecken Technik" (Kitec) mitgemacht. Als einzige Kita im Landkreis nahmen sie unter der Betreuung von Erzieherin Alexandra Lulei an dem Projekt teil.

Monika Spindler begeisterte die Ausschreibung des Projekts, weshalb sie gemeinsam mit Alexandra Lulei an der Schulung teilnahm. Die fand bei Robert Bosch statt, dem hier heimischen Partner des Initiators, der "Wissensfabrik Deutschland". Vom Bamberger Unternehmen erhalten die Döringstadter auch alle Materialien: vom hochwertigen Werkzeug, über den Werkstoff Holz, bis zu den fünf großen Kisten, in denen fein säuberlich alles Nötige einsortiert ist: Schrauben, Nägel, Elektrobauteile, Drähte, Schnüre und mehr.

"Von Projektbeginn an freie Arbeit und richtiges Werkzeug. Das hat mich begeistert. Sonst arbeitet man meistens nur mit Papier und Stift", sagt Alexandra Lulei. Bevor die fünf- bis sechsjährigen Vorschulkinder werkeln durften, war jedoch Theorie angesagt: "Wir haben Blätter bekommen. Da stand drauf, was man machen darf", erklärt Marius und zeigt in seiner Kitec-Mappe auf eine Seite: "Gerade Bohren darf man, schräg nicht." Nachdem sie Werkzeuge und Grundtechniken kennengelernt und Arbeitsblätter aus dem Lehrerhandbuch bearbeitet hatten, nahm Fachmann Joachim Dörfler die Prüfung zum "Handwerksführerschein" ab. Die ist Voraussetzung für das Arbeiten mit den Werkzeugen.

Nagel krumm - kein Problem


Nun steigt einmal pro Woche im Nebenraum der Mäusegruppe der Geräuschpegel. Es wird gesägt, gehämmert, geschraubt, gefeilt. Carina und Marius werkeln an ihrem Motorboot, Eva und Louis an ihrem Haus. Alle anderen sind im Urlaub. Gerade müssen Eva und Louis die Dachkonstruktion bewältigen. Dabei ist die Schräge an sich schon schwer genug. Den Papa habe er gefragt, weil sie nicht weiter wussten, gibt Louis zu. Jetzt ist ein Nagel krumm reingeklopft. "Den muss ich mit der Zange wieder rausmachen. Das ist kein Problem", erklärt Louis. Alexandra Lulei schaut begeistert zu: "Wir fungieren nur beratend. Die Kinder arbeiten selbstständig im Team, entwickeln Ideen, werden kreativ und lösen Probleme." Wie Carina und Marius, die ihr geplantes Motorboot zuerst auf Papier gezeichnet hatten, bevor sie das Holz zuschnitten.

Gut, dass jeder seine Fähigkeiten und Vorlieben einbringen kann. Während Marius lieber sägt, mag Carina das Schleifen, weil sie das vorher spitzige Holz dabei schön glatt machen kann. "Wenn wir einen Fehler gemacht haben, fangen wir neu an", sagt Marius. Manchmal lasse sich das Problem auch lösen, ergänzt Eva: "Nagel rausziehen, neues Holz nehmen."

Für Eva, Louis, Carina und Marius sind es die letzten Tage im Kindergarten. Bald gehen sie in die Schule.
Vom Kitec-Projekt nehmen sie nicht nur das mit, was sie im wahrsten Sinn erarbeitet haben. Spielerisch haben sie ihr Genauigkeitsgefühl, ihre Kommunikations- und ihre Teamfähigkeit verbessert. Damit auch die nachfolgenden Kinder von dem Projekt profitieren, soll es im kommenden Kindergartenjahr in Döringstadt fortgesetzt werden. Kein Wunder, zeigte sich doch deutlich: Das Projekt vermittelt Wissen, weckt Ehrgeiz und macht den Kindern jede Menge Spaß.