Gemütlich watscheln die Enten auf dem Geflügelhof Nitter über ihre Weide. Es ist kalt - in den Stall zieht es sie trotzdem nicht. "Denen macht die Kälte nichts, die sind robust", erklärt Manfred Vogt. Zusammen mit seiner Frau Monika betreibt er den Geflügelhof Nitter in Buch am Forst.

Seit kurzem müssen sich Vogts, genau wie alle anderen Geflügelhalter im Landkreis an vom Landratsamts herausgegebene Schutzmaßnahmen halten: Ihre Tiere dürfen nur im Stall gefüttert und nicht aus öffentlichen Gewässern getränkt werden. Sie dürfen auch keinen Zugang zu öffentlichen Gewässern haben. Das Futter soll vor Nagern und Wildvögeln geschützt werden. Eine virologisch Untersuchung muss vorausgehen, wenn Enten und Gänse an einen anderen Ort transportiert werden sollen.


Grund für diese Schutzmaßnahmen sind die Fälle von Vogelgrippe, die in den vergangenen Monaten bei einzelnen Wildvögeln und Mastbeständen in Europa aufgetreten sind: Im Dezember war der Erreger H5N8 in zwei Mastbetrieben in Niedersachsen nachgewiesen worden. Zuvor hatte es bereits einen Fall von Vogelgrippe in einem Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern gegeben.


Schutzvorschriften erlassen

Seit dem 28. Dezember müssen die Geflügelhalter im Landkreis Lichtenfels sich deshalb an die Schutzmaßnahmen halten. "Das ist aber kein Problem für uns", sagt Manfred Vogt. "Wir füttern unsere Tiere sowieso in den Ställen. Und wir ziehen sie selbst auf und schlachten auch selbst, brauchen also keine Untersuchung durchzuführen."

Lediglich beim Einkauf von Jungtieren ändert sich etwas für die Vogts. "Da müssen wir darauf achten, den Untersuchungsnachweis vom Händler zu bekommen", sagt Vogt. Insgesamt bedeuteten die Schutzmaßnahmen keine Umstellung der Arbeitsabläufe auf dem Hof.

Hans Rebelein, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands für Lichtenfels und Coburg, sieht in den Auflagen ebenfalls keine große Beeinträchtigung für die Geflügelhalter in der Region. "Ich denke, das, was momentan verlangt wird, ist gut umsetzbar. Es ist schließlich wichtig, alles Mögliche zu tun, um das Risiko einer Ansteckung oder Ausbreitung der Vogelgrippe zu minimieren."

Allzu groß schätzt er das Risiko aber nicht ein. "Zugvögel, die das Virus übertragen könnten, halten sich lieber an großen Seenlandschaften auf und sind deshalb natürlich eher in Norddeutschland ein Problem."

Kleine Betriebe wenig gefährdet

Zudem sei der Erreger bisher nur in sehr großen Mastbetrieben aufgetreten. "Hier bei uns sind die Betriebe eher klein", erklärt Rebelein. Das Landratsamt sieht das ähnlich, gibt aber zu bedenken: "Befunde bei Wassergeflügel können jederzeit vorkommen und sind nicht vorhersehbar, da es sich dabei ja meist um Zugvögel handelt." Aufgrund der ländlichen Struktur sei nicht grundsätzlich auszuschließen, dass Geflügelpest auftritt, teilte Pressesprecher Andreas Grosch auf Anfrage von inFranken.de mit. Maßgeblich für den Schutz vor der Verbreitung der Geflügelpest sei, dass Geflügelhalter die Biosicherheitsmaßnahmen strikt einhalten. Stichprobenartig werde das auch im Rahmen der Außendiensttätgkeiten der Mitarbeiter überprüft. Hinweisen auf Verstöße werde nachgegangen, Bußgelder könnten verhängt werden.

Da die Anordnung einer Stallpflicht nicht ausgeschlossen werden kann, empfiehlt das Landratsamt Geflügelhaltern zudem, schon jetzt Vorkehrungen zu treffen.

"Eine Stallpflicht wäre wesentlich aufwändiger als das, was jetzt verlangt wird", sagt Rebelein, da Geflügelhalter in der Region vermehrt auf Freilandhaltung setzen. "Ich hoffe, das wird nicht passieren", sagt auch Manfred Vogt. "Ställe haben wir natürlich. Nachts sind die Tiere alle im Stall. Aber sie sind es gewohnt, tagsüber draußen zu sein und Platz zu haben." Ständig im Stall - das wäre Stress pur für die Tiere: "Das ist, wie wenn man 300 Menschen in einer Turnhalle einquartiert."

Die Auflagen gelten vorerst nur bis März. "Ich denke, dann werden wir wieder zum Normalzustand zurückkehren können",