Paschtu, Tadschikisch, Dari, Arabisch, Tigrinya oder Amharisch: Wenn in den Asylbewerberheimen im Lichtenfelser Stadtgebiet deutsches Sprachtraining stattfand, begegneten die Kursleiter den unterschiedlichsten Muttersprachen. "Wenn dann keiner Englisch spricht, wird es manchmal schwierig, etwas beizubringen, sagt Gaby Berg und witzelt: "Dank Google-Übersetzer spreche ich aber viele Sprachen." Sie und viele andere ehrenamtlich Engagierte kamen über die Aktiven Bürger an ihre Aufgabe und halfen Asylsuchenden seit 2015, ihr Alltagsdeutsch zu verbessern – bis zum Beginn der Pandemie.

Kein normaler Unterricht

Die Kurse liefen oft sehr spontan ab: "Das war kein normaler Unterricht. Die Themen haben sich auch oft einfach ergeben. Mal ging es um Kleidung, mal um Zahlen oder Farben – die Grundlagen eben. Wir haben aber auch beim Ausfüllen von Formularen und beim Einkaufen geholfen oder Wegbeschreibungen gegeben", erklärt Gaby Berg den Ansatz. Darin, dass sie ohne eine entsprechende Ausbildung keine offiziellen Sprachkurse halten durfte, sieht die Ehrenamtliche kein Problem – im Gegenteil: Gerade der lockere Charakter der Zusammenkünfte war für sie eine Stärke. So hatten die Teilnehmer ungezwungenen Kontakt zu Einheimischen und der Unterricht konnte auch mal auf spielerische Art stattfinden: "Wenn die Sache zu verkopft ist, wird es für alle Beteiligten schwierig", betont Gaby Berg. Mit ihrer intuitiven und lockeren Art der Stundengestaltung schien "Frau Gaby" – so wurde sie von den Teilnehmern meist genannt – das passende Rezept gefunden zu haben: Viele Bewohner der Asylunterkunft nahmen ihr Angebot wahr. Für diejenigen, die noch auf ihre Bewilligung warteten, war es die einzige Möglichkeit, deutsch zu lernen.

Keine Geschlechtertrennung

In ihren Stunden legten die Helfer Wert auf gemischte Gruppen: Verschiedene Kulturkreise, Glaubensrichtungen und beide Geschlechter. Mitteleuropäische Gepflogenheiten, wie (religiöse) Toleranz und Gleichbehandlung sollten so gleich in der Praxis vermittelt werden. "Bis zu einem gewissen Grad sollten wir schon Rücksicht auf die Mentalitätsunterschiede nehmen. Trotzdem war es wichtig, dass die Teilnehmer lernen, dass in Deutschland vieles anders läuft. Da muss man schon beharrlich sein – das war manchmal gar nicht so einfach", sagt Gaby Berg.

Ein Diskussionspunkt zwischen ihr und ein paar Schülern war anfangs die Pünktlichkeit. Das hat sich mit der Zeit geändert – einmal kam Gaby Berg selbst zu spät zum Unterricht, worauf einer der nigerianischen Kursteilnehmer scherzte: "Was ist los – hast du afrikanische Zeit? Hier ist deutsche Uhrzeit."

Trotz aller Sympathie zueinander sei es aber wichtig gewesen, die persönliche Distanz zu den Schülern zu wahren. Auch weil deren Schicksale eine Belastung für die eigene Psyche sein können. "Wenn Menschen schon lange hier leben und dann die Ablehnung kommt – das kann einen schon ziemlich traurig machen. Vor allem, wenn du dann noch dabei helfen musst, den Ablehnungsbescheid zu übersetzen", erklärt Gaby Berg. Auch die Berichte vom Kriegsgeschehen aus der Heimat sind mitunter heftig.

Den Horizont erweitern

Ehrenamt ist keine Einbahnstraße – auch die Kursleiter nahmen aus ihrem Engagement einiges mit: Einerseits die Dankbarkeit und die Herzlichkeit der Teilnehmer. So schickte beispielsweise eine muslimische Schülerin ein Adventsgedicht.

Andererseits erweiterte die Arbeit aber auch den eigenen Horizont. Gaby Berg: "Meine Welt ist größer geworden. Die unbekannten Flecken auf der Landkarte wurden greifbar." Das Sprachtraining förderte somit auch ihr eigenes Interesse an fremden Kulturen und brachte ihr zudem einen neuen Zugang zur eigenen Muttersprache. Die kann manchmal Rätsel aufgeben. Für die Migranten war es auch deswegen oftmals sehr anstrengend, die Sprache zu verinnerlichen – zumal wenn ihnen das lateinische Alphabet unbekannt war und die Ehrenamtlichen hier den Grundstein legen mussten.